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Rehhagels Sorge galt Pezzey und nicht Michael Scheibel

Der ehemalige Fußball-Torhüter spielte in den 1980er Jahren drei Serien lang bei den Amateuren von Werder Bremen. Beim Training mit den Profis lernte er den Kulttrainer Otto Rehhagel kennen.

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Werder Bremen Amateure 1984/85. Oben von links: Oliver Düsseldorf, Marco Wittmann, Claus Wachaczewsky, Jörg Fürst, Bernd Willers. Mitte von links: Masseur Heinz Peter, Betreuer Arndt Geerdes, Uwe Dressler, Dieter Eilts, Stefan Behrendt, Thomas Wick, Hartwig Gentzsch, Gunnar Sauer, Carsten Herrmann, Frank Ordenewitz, Manager Rolf Behrens, Trainer Karl-Heinz Kamp. Unten von links: Dirk Lellek, Axel Noruschat, Michael Scheibel, Frank Klobke, Fred Kröger, Ralf Klüver, Andree Tettenborn, Lucas Bwalya. Foto: Werder

Werder Bremen Amateure 1984/85. Oben von links: Oliver Düsseldorf, Marco Wittmann, Claus Wachaczewsky, Jörg Fürst, Bernd Willers. Mitte von links: Masseur Heinz Peter, Betreuer Arndt Geerdes, Uwe Dressler, Dieter Eilts, Stefan Behrendt, Thomas Wick, Hartwig Gentzsch, Gunnar Sauer, Carsten Herrmann, Frank Ordenewitz, Manager Rolf Behrens, Trainer Karl-Heinz Kamp. Unten von links: Dirk Lellek, Axel Noruschat, Michael Scheibel, Frank Klobke, Fred Kröger, Ralf Klüver, Andree Tettenborn, Lucas Bwalya. Foto: Werder

„Es war fußballerisch spannend, aber nicht meine schönste Zeit.“ Michael Scheibel wechselte 1984 im Alter von 17 Jahren von der A-Jugend des BV Cloppenburg zu den Amateuren des Bundesligisten Werder Bremen. Drei Serien stand der heute 54-Jährige als Torhüter im Kader des damaligen Drittligisten.

Zum Fußball kam Scheibel bereits als Achtjähriger beim TuS Emstekerfeld. Nicht etwa als Feldspieler, sondern bereits in frühester Jugend hatte es ihm die Torhüterposition angetan. „1974, als Deutschland Weltmeister wurde, war ich bereits ein Fan von Sepp Maier, der in meiner gesamten Karriere mein Vorbild war.“

Das Talent des Keepers blieb auch größeren Vereinen nicht verborgen und so wechselte Scheibel in der B-Jugend zum BV Cloppenburg. Unter Trainer Rolf Bornemann wurde das Team 1983 Meister und stieg in die Verbandsjugendliga auf. Nach zahlreichen Berufungen in die niedersächsischen Auswahlteams – von der C- bis zur A-Jugend – folgte kurz vor dem Sprung in den Erwachsenenbereich der nächste Schritt auf der Karriereleiter. Dem 17-Jährigen lagen Angebote vom VfL Osnabrück sowie Werder Bremen vor.

Drei Jahre Werder: Michael Scheibel spielte von 1984 bis 1987 bei den Bremer Amateuren. Foto: MT-ArchivDrei Jahre Werder: Michael Scheibel spielte von 1984 bis 1987 bei den Bremer Amateuren. Foto: MT-Archiv

BVC, VfL oder aber Werder lautete folglich die keineswegs leichte Entscheidung. „Beim BVC war Martin Wessels Trainer. Ich hatte den Eindruck, dass er auf Helmut Knese als Torhüter setzte. Somit hatte sich das Thema Cloppenburg erledigt. Bei Werder sollte ich als A-Jugendlicher bereits im Männerteam spielen, was schließlich den Ausschlag gab.“ Zudem war da ja noch die Aussicht auf das Profiteam. „Bei Werder sollte ein Nachfolger für Dieter Burdenski gesucht werden. Das haben sie vermutlich jedem erzählt, aber das hat mich schon sehr gereizt. Irgendwann hat Otto Rehhagel dann Oliver Reck geholt, da hatte sich das Thema für alle anderen Torhüter erledigt“, schmunzelt Scheibel.

Der Jugendtraum von einer Profikarriere war zwar geplatzt, doch im Bremer Amateurteam, immerhin in der dritthöchsten deutschen Liga, fasste Scheibel nach und nach Fuß. Nach etwa zehn Spielen in der Saison 1984/85 löste er seinen Kontrahenten Fred Kröger im Tor ab. Scheibel überzeugte bei seinem Debüt, denn Werder feierte einen 5:0-Erfolg gegen den Lüneburger SK. Doch sein Status als Stammtorhüter erhielt nur wenige Tage danach einen herben Dämpfer. „Im Training hat mir Dieter Eilts die Nase weggetreten“, erinnert sich Scheibel.

Was folgte, war eine mehrwöchige Pause und auch sein Comeback im Werder-Tor verlief alles andere als glücklich. Im Spiel gegen Concordia Hamburg habe ich beim Rauslaufen einem Gegenspieler das Schien- und Wadenbein gebrochen. Das hat mich damals schon sehr beschäftigt.“ So verpasste Scheibel einen der größten Erfolge der Werder-Amateure: Am 22. Juni 1985 wurde das Team mit einem 3:0-Erfolg gegen DSC Wanne-Eickel Deutscher Amateurmeister.

Otto Rehhagel. Foto: Arne DedertdpaOtto Rehhagel. Foto: Arne Dedert/dpa

In der folgenden Saison, Konkurrent Fred Kröger war zum VfB Oldenburg gewechselt, brachte es Scheibel dann auf eine weit größere Zahl von Spielen und war zudem hin und wieder bei den Profis im Training dabei. Das Team von Trainer Otto Rehhagel zählte damals noch zu den Topteams der deutschen Eliteliga, gespickt mit etlichen Nationalspielern. Youngster wie Scheibel wurden vom mächtigen Werder-Coach allenfalls geduldet, wie folgende Anekdote beweist.

Nach einem Zweikampf mit Bruno Pezzey lag Scheibel am Boden, doch Rehhagels ganze Sorge galt seinem österreichischen Abwehrchef. „Junger Mann, verletzen Sie mir den Pezzey nicht“, ließ er den jungen Keeper wissen.

Nach der Saison 1986/87 brach Scheibel dann seine Zelte in Bremen ab. „Mir war klar, dass meine Zeit bei Werder abgelaufen war. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich für Werder noch zu jung war. Um sich auf diesem Niveau durchzusetzen, muss man auch mal Ellenbogen einsetzen.“

"Die Entwicklung beim BVC finde ich schon sehr, sehr bedauerlich."Michael Scheibel

Was folgte, waren vier Jahre als Spieler beim BV Garrel. Im Frühjahr 1991 beendete eine schwere Armverletzung seine aktive Laufbahn. Immerhin reichte es noch, um bei der Hochzeit im Mai 1991 Ehefrau Susanne in den Arm zu nehmen.

So ganz ohne Fußball ging und geht es für den Inhaber einer Versicherungsagentur dann aber doch nicht. Als Trainer beim BV Garrel, der Reserve des BV Cloppenburg und Jugendcoach sowie sportlicher Berater beim BVC gab er sein fußballerisches Wissen unter anderem an seine vier Söhne weiter. Warum der Klub demnächst eventuell von der fußballerischen Landkarte verschwindet, hat für Scheibel diverse Gründe. Schmutzige Wäsche zu waschen, kommt für ihn indes ganz und gar nicht in den Sinn. „Nur so viel: Die Entwicklung beim BVC finde ich schon sehr, sehr bedauerlich“...

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