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Project1 freut sich auf das Highlight Le Mans

Am Wochenende startet das Lohner Motorsportteam mit drei Porsches beim Langstrecken-Klassiker 24 Stunden von Le Mans. Project1 will erneut um den Sieg mitfahren. Hier alles Wichtige zum Rennen.

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Unterwegs zum Sieg: Der Project1-Porsche des Teams um Egidio Perfetti bei seinem Triumph im Jahr 2019 in Le Mans. Foto: Sebastian Kubatz

Unterwegs zum Sieg: Der Project1-Porsche des Teams um Egidio Perfetti bei seinem Triumph im Jahr 2019 in Le Mans. Foto: Sebastian Kubatz

Man könnte sagen, Hans-Bernd Kamps geriete ins Schwärmen, wenn es um das Thema Le Mans geht. Aber das wäre maßlos untertrieben. . .

Das Allergrößte: Hans-Bernd Kamps schwärmt nicht – er wählt den Superlativ, und das gleich viermal. „Le Mans ist das wichtigste und größte, das legendärste und prestigeträchtigste Rennen der Welt“, sagt der 64-Jährige und fügt hinzu: „Leider ist das den Deutschen nicht ganz so geläufig.“ Als Gründer und Geschäftsführer der Lohner Firma „tolimit“ und des Porsche-Teams „Project1“ ist Kamps seit Jahrzehnten unterwegs in der Welt des Motorsports. Er hat Timo Glock in die Formel 1 gebracht und war als Manager mittendrin in der Königsklasse. Doch das Größte im Motorsport, das ist für den Dinklager nicht Monaco, Monza oder Spa, sondern das 24-Stunden-Rennen in Le Mans im Nordwesten Frankreichs. Am Wochenende (19./20. September) steigt der Klassiker, der 1923 erstmals ausgetragen wurde, zum 88. Mal. Coronabedingt diesmal ohne Zuschauer. Der Triumph 2019: Die Vorfreude bei Project1 ist riesig. Kein Wunder, denn im Vorjahr gewannen die Lohner durch Egidio Perfetti (Norwegen), Patrick Lindsey (USA) und Jörg Bergmeister (Langenfeld) in Le Mans die Klasse LMGTE Am und feierten damit einen ihrer größten Erfolge. Auch in diesem Jahr ist Project1 mit drei Porsche 911 RSR am Start und rechnet sich gute Chancen aus.

Der Aufwand: Am Project1-Firmensitz an der A1 in Lohne wird es am Wochenende ruhig. Bis auf vier Mitarbeiter aus dem Büro ist das gesamte Team in Frankreich. Insgesamt ist Project1 mit 83 Leuten vor Ort. Dazu zählen aber auch externe Kräfte wie die neun Fahrer, die Ingenieur-Crew aus England und das Hospitality-Team. Der Aufwand ist gewaltig. Schon am vergangenen Wochenende fuhren drei Lkw sowie die Crew nach Le Mans, um dort eine Art Zeltstadt zu errichten. Als Letzte reisen am Donnerstag Hans-Bernd Kamps und drei weitere Mitarbeiter an. „Von der Belastung für die Crew ist Le Mans schon extrem. Von der Organisation her sind die Übersee-Rennen aber deutlich komplizierter, weil alles in Container gepackt werden muss“, erklärt Project1-Sprecher Jan Bodenbach.

Die Vorbereitung: Am 10. September fand auf der Teststrecke in Papenburg ein letzter Technik-Check statt. In Le Mans selbst stehen dann diverse weitere Testfahrten an, darunter eine obligatorische Nachtsession. „Bevor man ein 24-Stunden-Rennen fährt, hat man schon fünf Zwölf-Stunden-Tage in den Knochen“, sagt Jan Bodenbach.

Daumen hoch: Hans-Bernd Kamps (links) und Jörg Michaelis mit dem Siegerpokal aus dem vergangenen Jahr. Foto: BodenbachDaumen hoch: Hans-Bernd Kamps (links) und Jörg Michaelis mit dem Siegerpokal aus dem vergangenen Jahr. Foto: Bodenbach

Die Klassen: In Le Mans gehen vier verschiedene Fahrzeugklassen gemeinsam an den Start: die Prototypklassen 1 und 2 sowie die seriennahen GTE-Klassen LMGTE Pro und Am. Project1 startet in der Le Mans GTE Am, in der mindestens ein Fahrer Amateur sein muss. In diesem Jahr gehen coronabedingt insgesamt nur 59 Autos an den Start. In der LMGTE Am sind 22 Fahrzeuge gemeldet: acht Porsches, zwölf Ferraris und zwei Aston Martins.

Die Amateure: Bei den Amateurfahrern – auch „Gentlemen“ genannt – handelt es sich in der Regel um finanzstarke Hobbyfahrer, die sich mit sehr viel Geld in ein Team einkaufen. Bei Project1 sind dies Egidio Perfetti (45), Vorsitzender des Familienunternehmens Perfetti Van Melle, einem italienischen Süßwarenhersteller (Mentos, Chupa Chups, Centershock), sowie der US-Auto-Unternehmer Ben Keating (49). Im dritten Porsche, der ohne Siegambitionen antritt, sitzt der französische Immobilienmakler Philippe Haezebrouck, (65) der unter dem Pseudonym Steve Brooks startet. In Perfettis Team fahren zudem die Profis Matteo Cairoli (Italien) und Larry ten Voorde (Niederlande). Keating wird von Jeroen Bleekemoelen (Niederlande) und Felipe Fraga (Brasilien) unterstützt.

So läuft das Rennen: Die drei Fahrer wechseln sich am Steuer ab. Pro Stunde wird ein Boxenstopp eingelegt. Ungefähr bei jedem zweiten Stopp erfolgt ein Fahrerwechsel. Einer der beiden Fahrer, die nicht am Steuer sitzen, kann sich in einem Wohncontainer ausruhen, der andere muss wach bleiben, um im Notfall einspringen zu können. Es gibt eine vorgeschriebene Mindestfahrzeit für die Fahrer.

Die Strecke: Der Rundkurs ist 13,6 Kilometer lang. 2019 legte das Team Perfetti 334 Runden zurück – also 4542 Kilometer.

Die Saison: Le Mans gehört zur Langstrecken-WM Fia World Endurance Championship (WEC). Das Rennen sollte eigentlich am 13./14. Juni stattfinden und das Saisonfinale bilden. Doch dann kam Corona. Jetzt ist Le Mans die vorletzte Station. Der Abschluss erfolgt am 14. November in Bahrain. Le Mans bleibt aber sportlich das Highlight – hier winkt den Siegern und Platzierten die doppelte Punktzahl. In der Teamwertung liegt Project1 auf den Plätzen drei (Keating) und sechs (Perfetti).

Die Autos: Project1 startet in Le Mans mit drei Porsche 911 RSR, laut Porsche „das kompromissloseste GT-Langstreckenfahrzeug, das wir je gebaut haben“. Der Sechs-Zylinder-Boxermotor verfügt über 510 PS bei einem Fahrzeuggewicht von 1243 Kilo. Der Top-Speed liegt in Le Mans bei über 290 km/h. Von null auf 100 beschleunigen die Autos in ca. 3,1 Sekunden. Die Project1-Autos tragen die Startnummern 56 (Perfetti), 57 (Keating) und 89 (Brooks). Sportlich verantwortlich für die Autos ist in Le Mans Teamchef Axel Funke.

Fernsehen: Eurosport überträgt das Rennen live im Free-TV, beginnend mit dem 3. Freien Training am Donnerstag (20.00 Uhr). Rennstart ist am Samstag um 14.30 Uhr, Zielankunft am Sonntag um 14.30 Uhr.

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