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Oldenburg gegen Rasta: Duell der Nachbarn feiert kleines Jubiläum

Am Freitagabend treffen die EWE Baskets und Vechta in der BBL zum 10. Mal aufeinander. Ein Blick zurück in die Historie.

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Zwei sind am Freitag dabei, einer nicht: Rastas Ex-Guard Steve Vasturia (Mitte/jetzt in Kaunas) gegen Rickey Paulding; beobachtet von Mladen Drijencic – eine Szene aus dem Oktober 2019. Foto: Schikora

Zwei sind am Freitag dabei, einer nicht: Rastas Ex-Guard Steve Vasturia (Mitte/jetzt in Kaunas) gegen Rickey Paulding; beobachtet von Mladen Drijencic – eine Szene aus dem Oktober 2019. Foto: Schikora

„Auch ohne Zuschauer ist ein Derby ein Derby. Das hat mit dem Tabellenstand nichts zu tun. Es zählen nur die 40 Minuten.“ Drei Sätze, die Mladen Drijencic, Coach der EWE Baskets Oldenburg, Ende Dezember nach dem umkämpften 82:80-Sieg seines Teams beim damaligen Tabellenletzten Rasta Vechta sagte. Und drei Sätze, die auch zum Wiedersehen am Freitagabend passen. Oldenburg und Vechta, in der Tabelle in ganz unterschiedlichen Regionen anzufinden, treffen um 19.00 Uhr zum zehnten Mal in der Basketball-Bundesliga aufeinander. Ein Blick zurück in die Derby-Historie, die bislang ein 7:2 für Oldenburg aufweist.

Eine neue Erfahrung
In der Saison 2013/14 trafen die EWE Baskets und Rasta Vechta erstmals aufeinander. Ein Duell der Gegensätze. Hier die in der BBL-Spitze längst etablierten Oldenburger, amtierender Vizemeister nach einem 0:3 im Finale 2013 gegen Bamberg und Dritter der EuroChallenge; dort der Aufsteiger aus Vechta, in Sachen BBL-Erfahrung noch grün hinter den Ohren. Oldenburg, damals trainiert von Sebastian Machowski, siegte im Hinspiel mit 87:74. Unter den 6000 Zuschauern in der im April 2013 eröffneten EWE Arena waren 1500 Rasta-Fans. Sie feierten Topscorer Dirk Mädrich (27 Punkte), der von Machowski als „derzeit vielleicht bester deutscher Spieler der Liga“ geadelt wurde. Bester Oldenburger war Andrea Crosariol mit 19 Punkten.

Das Rückspiel in Vechta ging mit 82:76 an die Oldenburger, für Rasta war's die zehnte Niederlage in Serie, der Abstieg rückte näher. Topscorer: Richie Williams für Rasta (21 Punkte), Rickey Paulding für Oldenburg (19). Rastas Problem an diesem Derby-Abend: die Freiwürfe, zwölf Versuche gingen daneben. „Das ist unterirdisch“, haderte Mädrich damals.

Guards im Duell: Rastas Scott Machado gegen Frantz Massenat (Saison 1617). Foto: BeckerGuards im Duell: Rastas Scott Machado gegen Frantz Massenat (Saison 16/17). Foto: Becker

Erster Sieg nur ein Strohfeuer
2016/17 war Rasta Vechta zurück in der BBL – der zweite Versuch, der kläglich scheitern sollte. Früh in der Saison, beim Derby in Oldenburg am 3. Spieltag, war das noch nicht zu erahnen. Rasta hielt gut mit, spielte ein starkes Schlussviertel (30:19), verlor am Ende aber mit 76:79 – auch weil man 15 (!) Freiwürfe vergab. Frank Gaines war mit 20 Punkten Rastas Topscorer, Oldenburgs bester Akteur hieß indes Frantz Massenat (18).

Beim Rückspiel in Vechta gab's eine große Überraschung. Das 89:76 mit Topscorer Devin Searcy (16 Punkte) war Rastas erster Sieg nach 17 Niederlagen in Serie. Kapitän Derrick Allen schwärmte von einem „unglaublichen Gefühl“. Es war aber nur ein Strohfeuer, es folgten acht Niederlagen. Und Oldenburg? „Der Frust sitzt tief“, sagte Mädrich, inzwischen Center bei den EWE Baskets, nach der vierten BBL-Niederlage in Serie. Oldenburg, damals aus der Champions League ausgeschieden, zitterte als Achter um die Playoffs, erreichte sie später aber als Fünfter.

Die Annäherung
Oldenburg auf Platz fünf, Vechta auf Rang sieben – im Vorfeld von Derby Nummer fünf im November 2018 hatten sich die beiden Nachbarn tabellarisch angenähert, was vor allem an Rastas Crew um T.J. Bray und Austin Hollins lag. In Oldenburg wurde dem Team von Pedro Calles, das in der Vorwoche mit dem Coup gegen Alba Berlin für Furore gesorgt hatte, ein Schlafmützen-Start (11:32 im 1. Viertel) zum Verhängnis, am Ende hieß es 62:81. Oldenburgs Big Men Nathan Boothe (16 Punkte) und Rasid Mahalbasic (15) dominierten unter den Körben.

Vor dem Rückspiel hieß es dann: Oldenburg Zweiter, Rasta Dritter, ein echtes Topspiel im Schatten von Primus Bayern München. In den 40 Minuten fegte Vechta dann im Vollgas-Modus für die „Donnervögel“ hinweg. 100:85 – Bray (17 Punkte, 10 Assists) und Co. lieferten eine furiose Gala ab. Will Cummings glänzte derweil bei Oldenburg mit 25 Punkten – und Mahalbasic hielt fest: „Vechta war heute besser. Super gespielt, super Saison, da kann man nur gratulieren.“

Außenseiter in der Unterzahl: Rastas Robin Christen (Mitte) gegen die Oldenburger Philipp Schwethelm und Sebastian Herrera – eine Szene aus dem Hinspiel der laufenden BBL-Saison. Foto: SchikoraAußenseiter in der Unterzahl: Rastas Robin Christen (Mitte) gegen die Oldenburger Philipp Schwethelm und Sebastian Herrera – eine Szene aus dem Hinspiel der laufenden BBL-Saison. Foto: Schikora

Letztmals vor Zuschauern
Eine Saison später nahm der Österreicher die Glückwünsche aus Vechta entgegen, Oldenburg gewann beide Derbys der Hauptrunde 19/20, die coronabedingt nach 21 Spieltagen abgebrochen wurde – mit Oldenburg auf Rang fünf und Rasta auf Platz sechs. Das Hinspiel in Vechta gewann Oldenburg mit 73:68; für Rasta war's die dritte Niederlage im dritten Saisonspiel. Paulding, mit 20 Punkten Topscorer der Gäste, verbesserte sich in Vechta auf Platz zwei der All-Time-Scoring-Liste der BBL. Coach Drijencic adelte ihn als „König unter den Spielern“.

Das Rückspiel ging aus Rasta-Sicht trotz eines Double-Doubles von Michael Kessens (15 Punkte, 13 Rebounds) mit 76:83 verloren. Und wieder sorgte Paulding für Schlagzeilen: Er kam nicht nur wie Tyler Larson auf 23 Punkte, sondern eroberte mit seinen BBL-Dreiern 932 bis 936 den ersten Platz der ewigen Bestenliste. Notiz am Rande: Das Derby vom 8. März 2020 war für beide Mannschaften bis heute das letzte Spiel mit Zuschauern.

Die Gegenwart
Oldenburg auf Rang fünf, Vechta auf Platz 17 – das aktuelle Tabellenbild vor Derby Nummer zehn erinnert stark an die ersten vier Duelle, als Rasta nur ein kleines Licht in der BBL war. Die EWE Baskets kämpfen um den Heimvorteil im Playoff-Viertelfinale, Rasta um den Klassenerhalt. Oldenburg, das zuletzt binnen neun Tagen die Top-3-Teams Ludwigsburg (87:98), Alba Berlin (89:81) und Bayern München (102:108) vor der Brust hatte, tat sich im Hinspiel kurz vor dem Jahreswechsel sehr schwer. Es gab elf Führungswechsel und fünf ausgeglichene Spielstände, am Ende führte Nathan Boothe sein Team mit 23 Punkten zum 82:80-Erfolg in Vechta. Rasta hatte den letzten Wurf zum Sieg, Stefan Peno traf aber nicht – und so stand Vechta als drittes Team in den letzten 15 Jahren mit 0:20 Punkten nach zehn Spielen da. Inzwischen hat Rasta vier Siege auf dem Konto, das jüngste 92:77 gegen Ulm dient als Mutmacher – und Oldenburg als Warnung.

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