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Mühlener Initiative macht den Sport fit für die Zukunft

Das Klimaschutz-Projekt "Sports for Future" findet deutschlandweit immer mehr Unterstützer. Darunter auch viele Profisportler.

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Kämpfer für einen nachhaltigen Sport: Barbara und Stefan Wagner aus Mühlen. Foto: Wenzel

Kämpfer für einen nachhaltigen Sport: Barbara und Stefan Wagner aus Mühlen. Foto: Wenzel

Wie sich die Zeiten doch ändern. Als Stefan Wagner 2009 mit dem Hamburger SV parallel zur verheerenden Klimakonferenz in Kopenhagen ein Klimaschutzspiel veranstaltete, hat das trotz großer Mühen und guter Ideen „niemanden wirklich interessiert“, sagt der frühere HSV-Marketingleiter: „Heute ist das völlig anders.“ Die von ihm maßgeblich entwickelte Initiative „Sports for Future“ erfährt in Zeiten globaler Erwärmung und zunehmender Naturkatastrophen immer mehr Zulauf und Aufmerksamkeit.

„Sports for Future steht ein Stück weit für diesen Wandel auch in der Sportwelt“, sagt der Mühlener, der die Initiative zusammen mit seiner Frau Barbara und der Mühlenerin Claudia Fischer – einer Lehrerin des Lohner Gymnasiums – gegründet hat. Unter dem Dach dieser Bewegung haben sich bereits einige Hundert Vereine und Verbände mit 22 Millionen Sportlern für mehr Klima- und Umweltschutz versammelt. Dies sei eine „tolle und vor allem erfolgreiche Initiative“, findet Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Zu den Initiatoren zählen unter anderem die Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim und Zweitligist Werder Bremen sowie die Deutsche Sportjugend. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sowie aktive und ehemalige Sportstars wie Segler Boris Herrmann, Handballer Steffen Weinhold und Eisschnellläuferin Anni Friesinger unterstützen die Initiative.

Auch der FC Bayern unterstützt

„Mit einigen von ihnen setzen wir bereits konkrete Kampagnen um, sammeln Ideen, erarbeiten Konzepte, organisieren Baumpflanzungen oder Spendenläufe“, berichtet Stefan Wagner. Dafür hat seine Initiative unter anderem die Kampagne „Sports4Trees“ ins Leben gerufen, die auch von Fußball-Rekordmeister Bayern München unterstützt wird.

Bei der Spendenkampagne „Ruder-Wald“ hilft „Sports for Future“ zum Beispiel der Ruder-Nationalmannschaft, die CO2-Emissionen der Teams durch notwendige Wettkampfreisen unter anderem zu Olympia nach Tokio zu reduzieren. „Wir möchten unserer Vorbildfunktion als Leistungssportler gerecht werden und unsere Reichweite nutzen, um Mitmenschen zu motivieren, sich für den Erhalt eines lebenswerten Planeten einzusetzen“, sagte Olympia-Ruderin Carlotta Nwajide.

Dieses Bewusstsein wird im Sport immer größer, auch wenn „noch zu selten wirklich pro-aktiv und ambitioniert“ gehandelt werde, so Wagner. Dabei würde ein verstärkter Klimaschutz „auch eine Fülle von Chancen für den Sport“ bereithalten. An dem Thema kommt keine Branche mehr vorbei, will sie zukunftsfähig bleiben. Auch die Fußball-Bundesliga nicht.

Kein moralischer Zeigefinger

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp forderte kürzlich für die Liga das Ziel, „in wenigen Jahren klimaneutral oder sogar klimapositiv“ zu agieren. Rechnerisch sei das durch Kompensationszahlungen „schon morgen möglich“, erklärt Wagner. Kritiker sprechen oft von einem „Greenwashing“, weil die Sache umweltschädlich bleibt. Wagner kann die Kritik verstehen. Aber solche Ausgleichszahlungen, die auch die Uefa während der EM vornimmt, seien zumindest eine pragmatische Lösung. Und ein Ansatz für „einen kritischen Diskurs, um das Problem künftig besser an der Wurzel packen zu können“.

Wagner und sein Team, das seit der Gründung am 18. Juli 2019 stetig gewachsen ist, heben nicht den moralischen Zeigefinger. Auch nach dem vielkritisierten Kurzflug der DFB-Auswahl von Stuttgart nach Basel sei er „nicht in ein Bashing verfallen“, denn „das ist gelebte Normalität in der Gesellschaft“, so Wagner, „in vielerlei Hinsicht ein Spiegel für uns alle“. Der Sport müsse sich mit all seinen Widersprüchen „als Stellvertreter für uns alle“ der Verantwortung stellen, fordert der „Sports for Future“-Vorsitzende. Dann wäre der Sport nicht nur Teil des Problems, sondern auch ein wichtiger Teil der Lösung.

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