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Mit dem Rennrad über die Alpen – und zurück nach Damme

Was für eine Tour: Drei Radsportler aus dem Südkreis sind per Muskelkraft von München nach Meran gefahren. Einer von ihnen fuhr anschließend mit dem Rad nach Hause - und war restlos begeistert.

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Verschnaufpause: Thomas Klene (links) und Hendrik Abeln vor dem Anstieg zum Penser Joch. Foto: Rempe

Verschnaufpause: Thomas Klene (links) und Hendrik Abeln vor dem Anstieg zum Penser Joch. Foto: Rempe

Die Beine schmerzten, das Sitzfleisch noch viel mehr, und doch war Hendrik Abeln auch zwei Tage nach dem Ende seiner Deutschland-Tour noch völlig euphorisiert. „Das war ein Mega-Erlebnis. Das hat so viel Spaß gemacht“, sprudelte es aus dem 49-Jährigen heraus: „Eine herrliche Reise, jetzt weiß ich wieder, wie schön unser Land ist.“

Eine herrliche Reise – aber auch eine anstrengende. In vier Tagen fuhr der Dammer auf seinem Rennrad zunächst zusammen mit dem Vördener Urs Rempe (47) und dem Dammer Thomas Klene (45) von München aus über die Alpen nach Meran. Und radelte anschließend alleine von München aus zurück nach Damme. Rund 1000 Kilometer in vier Tagen. Die Nachwirkungen nahm er dafür gerne in Kauf. „Klar tun die Beine weh. Aber das ist nicht das Schlimmste. Das Limitierende ist der Hintern – der tut richtig weh“, erzählt Hendrik Abeln.

Die Idee für die Alpenüberquerung kam von Thomas Klene. In einer Rennrad-Zeitschrift hatte er von der Tour gelesen: An einem Tag von München nach Meran, 290 Kilometer und 4000 Höhenmeter. „Urs und ich waren sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich Hendrik Abeln.

„Mit dem Fahrrad nach Italien reinzufahren – das hat schon was.“Hendrik Abeln

Organisiert wurde die Fahrt von Heiko Wild, der in München den Radladen „Monaco Velo Club“ betreibt. Morgens um 5.45 Uhr ging es los. In drei Gruppen à 15 Fahrern und einem Guide – über Innsbruck, die alte Brenner-Straße und das Penser Joch. Bei gutem Wetter und bester Verpflegung. „Es gab vier Verpflegungsstationen mit einem super Angebot. Heiko und seine Familie haben alles mit Herzblut organisiert. Die haben sogar eine Kaffeemaschine oben auf den Berg gebracht“, erzählt Hendrik Abeln begeistert.

Auch das Panorama begeisterte die Radsportler. „Wir sind über die alte Brennerstraße unter der Europabrücke hindurchgefahren“, berichtet Hendrik Abeln. Ein Erlebnis war auch das Überqueren der österreichisch-italienischen Grenze. „Mit dem Fahrrad nach Italien reinzufahren – das hat schon was“, sagt der Dammer.

Im Ziel in Meran: Hendrik Abeln, Urs Rempe und Thomas Klene (von links). Foto: privatIm Ziel in Meran: Hendrik Abeln, Urs Rempe und Thomas Klene (von links). Foto: privat

Belohnt wurden die Teilnehmer nach dem langen Anstieg mit der Abfahrt über Bozen nach Meran – unfassbare 70 Kilometer lang und zum Teil rasend schnell. „Einmal sind wir mit 75 km/h mit Sonnenbrille durch einen zwei Kilometer langen dunklen Tunnel gefahren“, berichtet Abeln.

Gegen 18.00 Uhr traf die Truppe in Meran ein. „Im Ziel lagen sich alle in den Armen und wir wurden mit Tegernseer Hell von der Orga-Crew empfangen“, erzählt der Privatier, der in Damme 20 Jahre lang die „Brennbar“ betrieb, selbst aber keinen Alkohol trinkt. Die drei waren sich am Ende einig: „Das war ein richtig geiler Tag.“ Und noch etwas stand für sie fest: „Das nächste Mal machen wir anschließend Urlaub am Gardasee.“ Nach einer Übernachtung in Meran ging es mit dem Bus zurück nach München.

Nachtquartier: Weil er kein Hotel fand, ruhte sich Hendrik Abeln in der Nähe von Ingolstadt auf dieser Parkbank aus. Foto: AbelnNachtquartier: Weil er kein Hotel fand, ruhte sich Hendrik Abeln in der Nähe von Ingolstadt auf dieser Parkbank aus. Foto: Abeln

Während die anderen beiden, auf die zu Hause berufliche Verpflichtungen warteten, im Bulli die Heimreise antraten, begann für Hendrik Abeln, den alle „Hinnerk“ nennen, der zweite Teil seiner Vier-Tages-Tour. Unweit der Allianz-Arena stieg er – staubedingt erst gegen 18.15 Uhr – wieder auf sein Rad und fuhr am Sonntagabend noch rund 100 Kilometer.

Ausgestattet mit einem kleinen Rucksack, einer Rahmentasche, Google Maps auf dem Handy, einer Powerbank und einem Hörbuch im Ohr fuhr er bis hinter Ingolstadt. Kleines Problem: Als es um 22.30 Uhr dunkel wurde, war kein Hotel zu finden. „Da habe ich mich für ein paar Stunden auf eine Parkbank gelegt“, erzählt der Dammer.

Am nächsten Morgen startete Hendrik Abeln (Ironman-Bestzeit: 9:36:11 Stunden), der grundsätzlich ohne Tacho fährt, seine Königsetappe: 330 Kilometer bis nach Thüringen. Nach einem Schlenker über die Radstrecke im Triathlon-Mekka Roth fuhr er am Donau-Main-Kanal und der Werra entlang – und saugte die Schönheit der Landschaft förmlich auf. „Mit dem Rad nimmt man seine Umgebung so richtig wahr“, findet er. „Man hält hier und da mal an, macht ein Foto, springt in einen See oder macht an schönen Plätzen einfach mal eine Pause und lässt die Seele baumeln.“

In der Kleinstadt Werra-Suhl-Tal fand er eine nette Pension, wo er wieder zu Kräften kam. „Die Dusche war aber auch nötig“, erinnert er sich.

Am Wegesrand: Dieses Foto machte Hendrik Abeln auf dem Weserradweg kurz vor Bad Karlshafen in Hessen.Am Wegesrand: Dieses Foto machte Hendrik Abeln auf dem Weserradweg kurz vor Bad Karlshafen in Hessen.

Die Schlussetappe seiner Vier-Tages-Tour führte ihn am nächsten Tag über rund 300 Kilometer weiter an Werra und Weser entlang über Hannoversch Münden und Höxter bis nach Hause – mit einem kleinen Schlenker über Kirchlengern bei Herford, wo er sich bei den Eltern seiner Freundin noch ein Stück Erdbeerkuchen abholte. Gegen 19.00 Uhr traf er wieder in Damme ein, wo er sich endlich ausruhen konnte.

Trotz aller Strapazen richtet Hinnerk Abeln den Blick schon wieder nach vorne: „Ich habe unterwegs einen Rennradfahrer getroffen, der sagte, die Mecklenburgische Seenplatte sei auch super schön. Vielleicht fahre ich da auch mal hin.“


Die Etappen im Überblick

  • München - Meran (290 km): Über Innsbruck, die alte Brennerstraße, das Penser Joch und Bozen.
  • München - hinter Ingolstadt (ca. 100 km).
  • Ingolstadt - Werra-Suhl-Tal (ca. 330 km): Über Roth, am Donau-Main-Kanal und der Werra entlang.
  • Werra-Suhl-Tal - Damme (ca. 300 km): Über Hannoversch Münden, Höxter und Kirchlengern.

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