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Mario Stevens vermisst den Turnierzirkus

Die Corona-Krise beeinflusst auch den Reitprofi aus Molbergen. Seit dem Beginn der Pandemie nahm er nur an 12 bis 15 Turnieren teil. Normalerweise ist der 38-Jährige fast jedes Wochenende unterwegs.

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Deutscher Meister: Im Juni 2018 sicherte sich der Molberger Mario Stevens mit seinem Pferd „Talisman de Mazure“ den DM-Titel in Balve (Nordrhein-Westfalen). Foto: picture alliance/dpa/Friso Gentsch

Deutscher Meister: Im Juni 2018 sicherte sich der Molberger Mario Stevens mit seinem Pferd „Talisman de Mazure“ den DM-Titel in Balve (Nordrhein-Westfalen). Foto: picture alliance/dpa/Friso Gentsch

Mario Stevens liebt das Turnierleben. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem der 38 Jahre alte Berufsreiter aus Molbergen nicht irgendwo im In- oder Ausland unterwegs ist, um möglichst fehlerfrei und schnell einen Hindernis-Parcours zu bewältigen. Normalerweise. Denn seitdem vor fast genau einem Jahr die Corona-Pandemie ihren Anfang nahm, ist auch für Stevens, der zu den besten 15 Springreitern Deutschlands gehört, so gut wie alles anders. "Mein Alltag hat sich sehr stark verändert – vor allem auch in sportlicher Hinsicht. Ich bin seit Corona lediglich bei 12 bis 15 Turnieren, die zur Berufsausübung dienten, angetreten, die meisten Veranstaltungen wurden abgesagt", sagt der für den RuFV Lastrup startende Mario Stevens.

Bei einigen kleineren Springwettbewerben sagte Mario Stevens vor allem nur deswegen zu, weil er seinen Pferden eine Abwechslung vom normalen Alltag gönnen wollte. "Zumindest ab und zu mal bei einem Turnier dabei zu sein, hält sie bei Laune und ist für die Ausbildung sehr wichtig", sagt er. Weil so wenig anstand, hätten sich die 8 bis 10 jungen "Hochleistungspferde" in der ereignisarmen Zeit immerhin gut erholen können.

Sportlicher Höhepunkt des vergangenen Jahres war für Stevens die Deutsche Meisterschaft Anfang Dezember. Hier erreichte er in Riesenbeck (Tecklenburger Land) auf seinem Pferd "Landano" Platz 3. "Es hat richtig Spaß gemacht, sich mal wieder mit den Besten messen zu können", sagt er, "auch wenn keine Zuschauer mit dabei sein durften." Im Prinzip habe es das Reitsportjahr 2020 aber eigentlich nicht gegeben.

Gern gesehener Gast: Wenn es seine Zeit erlaubt, startet Mario Stevens auch bei den Cloppenburger Reitertagen. Archivfoto: WulfersGern gesehener Gast: Wenn es seine Zeit erlaubt, startet Mario Stevens auch bei den Cloppenburger Reitertagen. Archivfoto: Wulfers

Finanziell geht die Corona-Krise auch an Mario Stevens nicht spurlos vorbei. "Auf der einen Seite laufen die üblichen Kosten weiter – wie für das Futter der Pferde oder die Gehälter der Mitarbeiter –, andererseits fehlen Einnahmen durch Preisgelder oder aus der Zucht", sagt er. Gespräche bei Zucht- und Sportveranstaltungen könne er derzeit zum Beispiel nicht führen. Beschweren mag er sich jedoch nicht. "Ich habe das Glück, dass sich unser Haus direkt neben dem Stall befindet. Die Kinder können viel nach draußen. Meine Tochter liebt Pferde, mein Sohn spielt sehr gerne Fußball."

Einen sportlichen Ausblick auf 2021 zu wagen, fällt Mario Stevens schwer. "Der Verband und die Veranstalter sind da sehr vorsichtig, vieles wurde bereits abgesagt." Er selbst denkt, dass es erst einmal wichtig ist, die Pandemie in den Griff zu bekommen, um Schritt für Schritt ins normale Leben zurückzukehren. "Momentan macht es leider wenig Sinn, irgendwelche Pläne zu schmieden", sagt der Reitprofi.

Auch wenn Mario Stevens der Corona-Pandemie einige positive Begleiterscheinungen abgewinnen kann ("alles hat sich entschleunigt, es wurde einem bewusst, was wirklich wichtig ist"), verhehlt er nicht, dass er gerne so schnell wie möglich wieder Teil des Turnierzirkus‘ sein möchte: "Der Pferdesport mit all seinen Facetten ist nun mal ein ganz wichtiger Baustein in meinem Leben."


Zur Person:

  • Mario Stevens wuchs als Sohn pferdesportbegeisterter Eltern in Molbergen auf. Schon als Jugendlicher feierte er einige bemerkenswerte Siege: 2002 holte der Springreiter etwa den DM-Titel und ein Jahr später EM-Gold mit der deutschen Mannschaft.
  • Stevens absolvierte eine Ausbildung zum Bürokaufmann und übernahm bereits im Alter von 18 Jahren einen eigenen Ausbildungs- und Handelsstall in Molbergen. Seitdem ist der heute 38-Jährige als Berufsreiter tätig.
  • Im Laufe seiner Karriere feierte Mario Stevens, der auch schon von Ludger Beerbaum und Gilbert Böckmann trainiert wurde, etliche Erfolge. Zu den bislang größten zählen DM-Gold in der Altersklasse "Reiter" (2018) und DM-Bronze 2 Jahre später.
  • Stevens ist verheiratet und Vater eines Sohnes sowie einer Tochter.

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