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Madita Kohorst: Mit Gelassenheit durch eine schwere Zeit

Die Handball-Torfrau arbeitet nach ihrem zweiten Kreuzbandriss an ihrer Rückkehr in den Sport. Eine Entscheidung ihres Klubs Borussia Dortmund bestärkt sie darin.

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Da war es schon passiert: BVB-Torfrau Madita Kohorst wird vom Feld geleitet. Fotos: Stummbillig

Da war es schon passiert: BVB-Torfrau Madita Kohorst wird vom Feld geleitet. Fotos: Stummbillig

Am Telefon klingt Madita Kohorst munter – unerwartet munter für eine, der das Sportlerinnen-Schicksal gerade mal wieder übel mitgespielt hat. Es gehe ihr „verhältnismäßig gut“, bestätigt sie und lacht. Vielleicht liegt's auch an der neuen Freiheit. Nach zwei Wochen an Krücken und sechs Wochen mit Schiene am Bein kann sich Madita Kohorst seit kurzem wieder relativ normal bewegen. Sogar Autofahren geht schon wieder. Gerade fährt sie von der Uni Bochum zurück nach Dortmund.

Kreuzbandriss. Es ist eine der schlimmsten Diagnosen, die einen als Leistungssportler treffen können. Madita Kohorst, Handball-Torfrau beim Bundesligisten Borussia Dortmund und zu Hause in Wulfenau (Dinklage), ereilte diese Diagnose im Frühjahr schon zum zweiten Mal. Fast genau vier Jahre nach ihrer ersten schweren Knieverletzung im April 2018 – damals beim VfL Oldenburg – erwischte es die 25-Jährige am 30. April dieses Jahres erneut, ausgerechnet im Spitzenspiel gegen den späteren Meister SG Bietigheim (24:32). Beim ersten Mal war es das linke Knie, diesmal das rechte.

Vier Tage später wurde sie bei Dr. Peter Schäferhoff in der Orthopädie Media Park in Köln operiert. Den ersten Eingriff hatte 2018 Dr. Heinz-Jürgen Eichhorn aus Regensburg vorgenommen, doch der operiert aus Altersgründen nicht mehr. Die OP verlief gut. „Das Kreuzband ist stabil und hält jetzt, aber es sind noch keine Muskeln drumherum“, sagt sie. Mittlerweile hat sie sich auch mental von dem erneuten Niederschlag erholt. „Im ersten Moment hat es mich diesmal mehr schockiert und tiefer getroffen, weil ich eigentlich viel besser trainiert war und immer viele Extra-Übungen für die Kniestabilität gemacht habe“, erzählt sie: „Aber dafür war ich diesmal schneller wieder lebensfähig. Ich bin diesmal ein bisschen entspannter, weil ich weiß, wie lange es dauert. Ich kann es sowieso nicht ändern. Und wenn es jetzt im Knie mal knackt, weiß ich, das ist normal. Die Sehne, die mir eingesetzt wurde, braucht halt acht bis zwölf Monate, um zu begreifen, dass sie jetzt ein Kreuzband ist.“

Schmerzhafter Moment: Madita Kohorst reißt im Topspiel gegen Bietigheim das Kreuzband.Schmerzhafter Moment: Madita Kohorst reißt im Topspiel gegen Bietigheim das Kreuzband.

Sie sagt auch: „Für mich wäre es schlimmer gewesen, wenn es wieder das linke Knie gewesen wäre.“ So weiß sie, dass sie sich in ein paar Monaten wieder ganz auf ihr Knie verlassen kann. „Denn eigentlich sagt man, dass gemachte Kreuzbänder besser halten als nicht operierte.“

Jetzt ist täglich Reha angesagt. Dazu gehören auch Laufbewegungen auf einem Anti-Schwerkraft-Laufband. Den geplanten Urlaub bei einer Freundin in Südtirol mussten Madita Kohorst und ihr Freund Marius Wendeln absagen. „Wandern ist gerade nicht so gut“, sagt sie. Doch schon in Kürze soll Lauftraining wieder möglich sein. Und wenn der BVB am Montag in die Vorbereitung startet, will sie zumindest das Krafttraining und Teile des Torwarttrainings mitmachen: „Alles, was im Stehen gemacht wird, geht ja.“

Wann sie wieder in der Bundesliga im Tor stehen wird, weiß sie nicht. „Allgemeine Zeitpläne sind absoluter Quatsch. Es kann so viel passieren“, sagt sie. Wenn es so liefe wie beim letzten Mal, hätte sie nichts dagegen: „Da ist es ungefähr zwei Wochen früher im Jahr passiert und ich habe Weihnachten wieder gespielt.“

Ihr Verein macht ihr keinen Druck. In Sophie Amalie Moth (23) verpflichtete der BVB als Reaktion auf Madita Kohorsts Verletzung eine neue zweite Torfrau für die kommende Saison. Dass die Dänin nur einen Einjahresvertrag erhielt, wertet Madita Kohorst auch als Zeichen des Vertrauens. Ihr eigener Vertrag läuft noch bis 2023.

Den Auftakt wird Madita Kohorst verpassen

Den Bundesliga-Start im September wird sie verpassen, ebenso den Auftakt in der European League. Für die höherklassige Champions League hat der BVB als Vizemeister keine Wildcard erhalten. Was die Aussichten in der Liga angeht, ist Madita Kohorst realistisch. „Meister ist im Moment schwierig. Wir haben eine junge Mannschaft mit vielen Neuzugängen, da wird eher perspektivisch etwas aufgebaut. Und an Bietigheim mit seinen Mitteln kommt auch in der nächsten Saison keiner vorbei.“

Trotz Verletzung treibt Madita Kohorst ihr Studium (Deutsch und Bio auf Lehramt) in Bochum voran. „Ich will nicht noch mal die Uni wechseln“, sagt sie. Aber auch ins Referendariat möchte sie nicht zu früh starten – dann würde es mit dem Leistungssport wohl schwierig. Jetzt freut sie sich erst mal aufs Dinklager Schützenfest (23. bis 25. Juli). „Da haben wir eine Woche frei und ich muss nur zur Reha“, erzählt sie gut gelaunt. Bei der Terminplanung habe sie sich nicht eingemischt, beteuert sie: „Aber ich habe mich auch nicht beschwert.“

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