Sabine Wenck lacht. „Wochen?“, fragt sie etwas ungläubig. „Es sind Monate.“ Monate, in denen ungezählte Helferinnen und Helfer des Reit- und Fahrvereins Cloppenburg die Cloppenburger Reitertage vorbereitet haben. Von Mittwoch bis Sonntag steigen sie auf dem Gelände in den Bührener Tannen. „Es soll ein großes Familienevent werden“, betont Wenck. Ein Familienevent, bei dem auch der Reitsport im Mittelpunkt stehen wird: So werden unter anderem die Weser-Ems-Meisterschaften in Dressur und Springen ausgetragen. Doch nicht nur deshalb sollen die bevorstehenden fünf Tage ganz besondere für den Reit- und Fahrverein werden.
Denn der Klub feiert seinen 100. Geburtstag. Zwar gebe es keine Gründungsurkunde mehr, die sei wohl irgendwann verloren gegangen, verrät Sabine Wenck, die beim Reit- und Fahrverein als Pressewartin aktiv ist. Aber dass 1923 das Gründungsjahr war, ist sicher. „Das steht auf der Standarte“, erklärt sie. Die Reitertage sind also zugleich auch eine Geburtstagsparty – und auf der dürfen aus sportlicher Sicht nationale und internationale Spitzenreiter nicht fehlen.
Stevens' Heimspiel vor Freunden und Familie
So wird etwa der Molberger Mario Stevens im Sattel sitzen. Der 40-Jährige freut sich, quasi vor der Haustür zu starten. „Cloppenburg ist immer ein schönes Turnier. Die Ausschreibung ist gut, der Zuspruch auch.“ Das ist treffend formuliert: Knapp 2000 Meldungen liegen für die 50 Prüfungen vor. „Das ist eine gute Zahl“, freut sich auch Wenck.
Stevens hat gleich dreimal für die Große Tour gemeldet. Dabei wird er unter anderem sein neues Pferd Maximus und Carrie in den Parcours führen. Welches Pferd den dritten Platz einnehme, stehe noch nicht fest. Schließlich muss Stevens auch an die kommende Woche denken. Dann wird er beim CHIO in Aachen im Sattel sitzen, für den er sein Top-Pferd Starissa zuletzt schonte. Seinen Auftritt bei der internationalen Top-Veranstaltung wird er in den kommenden Tagen allerdings nicht im Kopf haben. Sein voller Fokus liege auf Cloppenburg – der Top-Veranstaltung der Region. „Meine ganze Familie und meine Freunde werden da sein“, erzählt Stevens, der auch sportlich etwas bewegen will. „Weser-Ems-Meister zu werden wäre schön. Ein paar Mal habe ich es ja schon geschafft.“ Als Favorit sieht er sich nicht, aber: „Ich bin ein Wettkampf-Typ und werde alles versuchen.“
Ein Olympia-Medaillengewinner ist auch dabei
Stevens, der in der Youngster-Tour zudem auf Lasino Grande dabei sein wird, ist jedoch nicht der einzige hochdekorierte Reiter, der beim Jubiläumsturnier seine Visitenkarte abgeben wird. Mit dabei sein wird auch Marco Kutscher, der bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Bronze im Einzel und mit der Mannschaft gewann und zudem dreimal EM-Gold (zweimal im Team, einmal im Einzel) holte. Er wird direkt zum Turnierstart am Mittwoch ab 10 Uhr in der Springpferdeprüfung Klasse L im Sattel sitzen. In der Dressur hat die schwedische Spitzenreiterin Therese Nilshagen für die Große Tour gemeldet. Dazu kommen etliche Reiterinnen und Reiter aus der Region. Wenck freut sich unter anderem auf die Paschertz-Geschwister Clara und Max in der Junioren-Tour. „Sie sind zwei Top-Talente.“
Bereits am Dienstag werden die ersten Reiter zum Warm-Up auf dem Dressurplatz erwartet. Die ersten beiden Turniertage stehen ab Mittwoch im Zeichen der Qualifikation zum Bundeschampionat in Warendorf, Donnerstag startet zudem die Qualifikation zum Oldenburger Jugendchampionat. Höhepunkte der Großveranstaltung sind am Sonntagnachmittag ab 15 Uhr die Großen Preise in Springen und Dressur. Beim Großen Preis der Öffentlichen Versicherungen reiten die Teilnehmer dieses Mal um 10.000 Euro Preisgeld. Auch in dieser Hinsicht hat sich der Reit- und Fahrverein, der am Samstag zum ersten Mal einen Showabend mit Wettkämpfen im Mannschaftsspringen sowie Live-Musik und Freibier ausrichtet, angesichts seines runden Geburtstags nicht lumpen lassen.