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Ihre Botschaft segelt einmal um die Welt

Der Klimaschutz-Verein „Sports for Future“ aus Mühlen wächst. Die Initiative steht kurz vor einem Meilenstein.

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Auf dem richtigen Weg: Claudia Fischer und Stefan Wagner von Sports for Future. Foto: Wagner

Auf dem richtigen Weg: Claudia Fischer und Stefan Wagner von Sports for Future. Foto: Wagner

Am 8. November brach der gebürtige Oldenburger Boris Herrmann in Frankreich zu seiner Weltreise auf. Einmal rund um den Globus, und das mit dem Segelboot. Der 39-Jährige nimmt an der Non-Stop-Regatta Vendée Globe teil. Verfolgt wird er dabei auch in Mühlen ganz genau. Denn wenn der Segler zu einem Törn aufbricht, schippert immer auch eine Botschaft mit. „A race we must win“, steht auf einem Segel, „ein Rennen, das wir gewinnen müssen“. Und darunter die Forderung „climate action now!“, also „Klimaschutz jetzt!“ Für diese Botschaft kämpfen auch Barbara Wagner und ihr Mann Stefan mit „Sports for Future“. Die Initiative hat seit ihrer Gründung im Juni 2019 zahlreiche Unterstützer für sich gewonnen. Einer davon ist Boris Herrmann, der im vergangenen Jahr die Klimaaktvistin Greta Thunberg mit dem Segelboot nach Schweden brachte.

Wo steht der Sport in der Klimakrise?

Seit der Gründung ist Sports for Future rasant gewachsen – trotz der Corona-Krise. Im Januar wurde aus der Initiative ein eingetragener Verein. Den Vorstand bilden Stefan und Barbara Wagner sowie Claudia Fischer, Lehrerin am Gymnasium Lohne – alle aus Mühlen. „Wir haben uns gefragt: 'Wo steht der Sport in der Klimakrise?'“, sagt Stefan Wagner zu den Beweggründen. Sports for Future will die Kraft des Sports bündeln und Verbände, Vereine und Einzelsportler dazu mobilisieren, sich für den Klimaschutz einzusetzen.

Im Kern bedeutet das: Der Verein drängt darauf, dass das Pariser Klimaabkommen eingehalten wird. „Wir versuchen darzustellen, dass die Gesellschaft es unterstützt, dass wir der Klimakrise auf einem anderen Level begegnen müssen“, erklärt Stefan Wagner. Wie groß die Unterstützung aus dem Sport ist, verdeutlichen die Zahlen. Auf der Unterzeichnerliste tauchen zwar „nur“ 230 Verbände, Vereine, Mannschaften und Einzelsportler auf, aber: Diese repräsentieren über 20 Millionen Sportler. Am 6. November gab auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Unterstützung für die Umweltinitiative bekannt – im Zuge eines digitalen Workshops, an dem neben dem DFB-Präsidenten Fritz Keller und Stefan Wagner auch die deutsche „Fridays for Future“-Frontfrau Luisa Neubauer teilnahm.

Auf dem Segelboot in die USA: Profisegler Boris Herrmann (rechts) reiste im vergangenen Jahr mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihrem Vater Svante. Foto: dpa  Holly Cova  Team MaliziaAuf dem Segelboot in die USA: Profisegler Boris Herrmann (rechts) reiste im vergangenen Jahr mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihrem Vater Svante. Foto: dpa / Holly Cova / Team Malizia

Zu den weiteren prominenten Unterstützern zählen die deutschen Hockey-Nationalmannschaften, die TSG Hoffenheim, Werder Bremen und der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband, aber auch Einzelsportler wie zum Beispiel die deutsche Ruder-Olympionikin Carlotta Nwajide. „Es ist wirklich ganz, ganz bunt gemischt“, berichtet Barbara Wagner.

Entwicklungsministerium will mit Verein kooperieren

Sports for Future steht unmittelbar vor einem Meilenstein: Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird mit dem Verein kooperieren. Für den 24. November ist eine gemeinsame Pressekonferenz terminiert, an der Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller und auch Dietmar Hopp teilnehmen werden. Dabei geht es unter anderem um die Bekanntgabe der Kooperation sowie um Einzelheiten zur Umsetzung von Aufforstungsprojekten.

Die Corona-Krise hat bei Sports for Future zur öffentlichen Zurückhaltung geführt. Im Hintergrund liefen die Planungen jedoch durchgehend weiter. „Trotzdem sind wir überall auf offene Ohren gestoßen“, sagt Stefan Wagner. Er weiß aber: „Viele Vereine haben erst mal mit sich selbst zu tun.“ Signifikant positive Folgen für die Klimakrise habe die Corona-Krise nicht. Man müsse weiterhin „systemisch etwas verändern“.

„Keiner ist verzichtbar.“Stefan Wagner zum Klimaschutz

Etwas Positives sieht Stefan Wagner aber dennoch darin: „Es ist eine Lehre dafür, was wir als Gesellschaft zu leisten imstande sind“. Wenn alle geschlossen hinter dem Klimaschutz stünden, sei er überzeugt davon, „dass wir dann die schlimmsten Folgen der Klimakrise noch abwenden können“.

Sports for Future will dafür sensibilisieren, dass das Engagement für den Klimaschutz für jeden möglich und auch für jeden notwendig ist. „Keiner ist verzichtbar“, stellt Stefan Wagner klar. Der Einsatz fange im Kleinen an: Mit einem Euro könne man zum Beispiel schon für einen Baumsetzling spenden. Man muss also nicht gleich einmal um die Welt segeln.

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