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Höhen und Tiefen - und immer BW Lohne

Christian Bröring beendet seine Laufbahn nach 27 Fußballjahren. Es gibt Pläne für die Zukunft – aber Reiten ist nicht dabei.

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Christian Bröring als Bezirkspokalsieger 2018. Foto: Schikora

Christian Bröring als Bezirkspokalsieger 2018. Foto: Schikora

In aller Stille und ohne großes Finale: Die Laufbahn von Christian Bröring endet in der Corona-Phase. Der Lohner Abwehrstratege hat nach 27 Jahren in Diensten der Blau-Weißen seine Fußballschuhe in die Ecke gestellt. Eine offizielle Verabschiedung soll es aber zum Saisonstart noch geben.

27 Jahre nur für einen Verein, 15 Jahre in der ersten Herren-Mannschaft: Christian Bröring, mit der Dinklager Dressur-Olympiasiegerin Kristina Bröring-Sprehe verheiratet und seit gut zehn Monaten stolzer Vater der gemeinsamen Tochter Mila, schaut auf einen wesentlichen Punkt seiner Karriere zurück: „Ich habe durch Fußball viele Freunde gefunden.“ Und nein, er habe trotz einiger Rückschläge auch keins der 27 Jahre bereut.

Für die BWL-Identifikationsfigur ging's oft rauf und runter. Er begann in der F-Jugend, als C-Junior gab's ein Jahr Pause wegen Hüftproblemen. Nach zwei Jahren in der A-Jugend-Regionalliga stieg er in der ersten Herren-Saison 2005/06 gleich aus der Niedersachsenliga ab. Drei Jahre später folgte der Abstieg aus der Bezirksoberliga, 2010 ging's wieder rauf in die Landesliga, 2011 erneut in die Bezirksliga. Nach dem Wiederaufstieg 2012 folgten acht Jahre Landesliga – jetzt mit der Krönung Oberliga-Aufstieg. „Da schließt sich für mich ein Kreis“, sagt Bröring mit Rückblick auf den Niedersachsenliga-Abstieg vor 14 Jahren.

Christian Bröring und Ehefrau Kristina. Foto: BäkerChristian Bröring und Ehefrau Kristina. Foto: Bäker

In der Erfolgsbilanz bei BWL I stehen drei Aufstiege und zwei Bezirkspokal-Triumphe. Die Saison 2009/10 unter Trainer Stefan Stuckenberg bezeichnet er als seine erfolgreichste. „Stefan hat uns richtig fit gemacht. Da haben wir alles gewonnen. Meisterschaft, Pokal, OV-Supercup und Fairness-Wertung.“

Neben den drei Abstiegen waren für Christian Bröring auch zwei verpasste Oberliga-Aufstiege 2017 und 2019 schmerzhaft. „Ein Tiefpunkt war am letzten Spieltag das 3:3 in Bad Rothenfelde – mein bitterster Moment. Aber dafür waren wir selbst verantwortlich“, schaut Bröring auf den verpassten Titel 2017 zurück, den sich Atlas Delmenhorst schnappte. Kurz zuvor spielte Lohne vor 3000 Fans das Schlagerspiel gegen Atlas (1:1). Christian Bröring: „Das war ein echtes Highlight für mich.“

Zwei Jahre später verpasste BWL am letzten Spieltag durch ein 1:4 bei Vorwärts Nordhorn erneut den sicher geglaubten Oberliga-Aufstieg. Und Christian Bröring, der langjährige Kapitän und Leistungsträger, saß nach vorherigen Verletzungsproblemen 90 Minuten auf der Bank. Aber von ihm kam und kommt keine Kritik am Trainerduo Thomas Schmunkamp/David Riesner. „Ich hätte damals wahrscheinlich genau so entschieden“, zeigt er sich sportlich.

Umso glücklicher ist der 34-Jährige jetzt über den Aufstieg in der abgebrochenen Corona-Saison. Er schwärmt: „Das war der beste Kader, mit dem ich jemals bei BW Lohne gespielt habe.“ Die Neuzugänge hätten eine extrem hohe Qualität gehabt und er sei dankbar dafür, dass er dies habe miterleben dürfen.
Aber: 2019/20 stieß Bröring, von Verletzungen gebeutelt, an Grenzen. Und die Konkurrenz im Team wuchs. Der BWL-Haudegen kam nur noch auf eine Handvoll Einsätze. Bröring wollte nie wegen früherer Verdienste eingesetzt werden, er wollte es sich selbst erkämpfen. Er weiß: „Um jetzt noch in die erste Elf zu kommen, muss man schon eine sehr gute Form haben.“ Seinen Entschluss, in diesem Sommer aufzuhören, hatte er schon am Ende der Serie 2018/19 getroffen. Aber demnächst will er sich auf jeden Fall so viele Lohner Oberliga-Spiele wie möglich ansehen. Sein Wunsch: „Ich hoffe, dass die vielen jungen Talente genug Geduld mitbringen.“

A-Jugend 2004: Der junge Christian Bröring. Foto: Kokenge
Erster Herren-Einsatz: Christian Bröring (links) im Test gegen Osnabrück Anfang 2006. Foto: Schikora
Double 2010: Christian Bröring und Trainer Stefan Stuckenberg. Foto: Schikora
In Aktion: Christian Bröring im Derby gegen Dinklage. Foto: Schikora
Tiefschlag 2017: Christian Bröring (2. von rechts) und Team beim verpassten Landesliga-Titel in Bad Rothenfelde. Foto: Wenzel
Beim Torjubel: Christian Bröring (rechts) mit Julius Liegmann im Mai 2018. Foto: Wenzel

Schon Christian Brörings Herren-Karriere begann mit einer Verletzung. In der Saisonvorbereitung 2005/06 zog er sich einen Bänderriss zu. So kam er erst zum Rückrundenstart gegen den BSV Rehden zu seinem Debüt. Er ist dankbar, dass Trainer Josef Buschemöhle – wie auch seine weiteren Übungsleiter – auf junge Leute baute und ihn langsam an die Stammelf heranführte. Und sehr bald war er eine feste Größe. Schnell, robust, kopfballstark, topfit, unerbittlich am Mann, dabei immer fair. „Fairplay war mir immer wichtig. Ich wollte, auch als Kapitän, immer vernünftig auftreten.“ Nur zwei Rote Karten „schmücken“ seine lange Laufbahn. Und dabei musste er in 15 Herren-Jahren ungezählte „Rettungseinsätze“ bestehen.

Kapitän wurde er unter Trainer Herbert Mühlenberg, der von 2006 bis 2009 in der Bezirksoberliga-Ära das Sagen hatte. „Er hat mich am meisten geprägt. Herbert Mühlenberg war so etwas wie mein Ziehvater“, sagt Bröring. Der Osnabrücker habe den Spagat „zwischen Autorität und Kumpelsein“ gut hinbekommen. Und als junger Spieler habe er zu ihm aufgeschaut.

Zu seinen späteren Trainern Daniel Dauny und Thomas Schmunkamp steht er auch heute noch in einem guten Kontakt, auch zu früheren Mitspielern wie Sergei Hofmann („Wir sind zusammen in der F-Jugend angefangen und haben auch bei den Herren noch zusammengespielt“) oder Raphael Dornieden, der heute Manager bei Rasta Vechta ist. Auch dass er damals vom Osterfeiner Michael Bergmann zu dessen Abschiedsspiel eingeladen wurde, bezeichnet Bröring als erinnerungswürdige Ehre. Das zeige vielleicht auch, dass man vom Gegner wertgeschätzt worden sei, bemerkt der Lohner Hauptschullehrer für Mathe und Sport.

Im Laufe seiner Karriere gab es nach dem Abstieg 2009 in die Bezirksliga einmal den ernsthaften Gedanken, den Verein zu verlassen – in Richtung VfL Oy᠆the. Er hat es nicht getan. „Wir haben damals von der Mannschaft beschlossen, den Karren zusammen wieder aus dem Dreck zu ziehen“, begründet er. So kam es dann. Bröring hat sich damals jedoch viele Oyther Spiele angesehen und war „sehr angetan“ vom Oberliga-Niveau. Letztlich ist er immer bei BWL Lohne geblieben, „weil hier alle Rahmenbedingungen perfekt gesteckt sind, schon in der Jugend“, erklärt Bröring.

Kürzlich gab es das Angebot von Thorsten Plogmann – inzwischen auch ein guter Freund – im Trainerteam der Lohner Zweiten mitzumachen. Aber Bröring hat erst mal abgesagt, auch als Spieler, weil er mit 34 Jahren nicht dem ambitionierten Nachwuchs den Platz streitig machen will. Er plant jedoch, demnächst als Trainer zu arbeiten. „Aber zuerst will ich meinen Trainerschein machen“, sagt er.

Freude am Tennis - und Interesse am Triathlon

Nebenbei will Christian Bröring sich seinem neuen Hobby Tennis widmen und beim Triathlon reinschnuppern. Nur Reiten, also das, was Ehefrau Kristina bis zur Perfektion betreibt, kommt nicht infrage. Obgleich er schon mal auf einem Pferd gesessen hat. „Das kann ich definitiv ausschließen, das ist nichts für mich“, lacht er – obwohl er noch eine Reitstunde bei Dressur-Bundestrainer Klaus Balkenhol gut hat. Zuallererst soll in Kürze das neue Eigenheim in Dinklage fertig werden. In Dinklage lebt er schon länger sehr glücklich. Auch als ewiger BWLer.

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