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Hamburg Towers buhlen um Rastas Coach

Der 36 Jahre alte Spanier, der bei Rasta Vechta noch einen Vertrag bis 2022 hat, informierte seinen Klub, dass er sich insgesamt drei Optionen anhören wolle.

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Sein letzter Einsatz für Rasta? Pedro Calles im Spiel gegen Crailsheim. Foto: nordphoto / Engelbrecht

Sein letzter Einsatz für Rasta? Pedro Calles im Spiel gegen Crailsheim. Foto: nordphoto / Engelbrecht

Eine Woche ist es jetzt her, dass die Basketballer von Rasta Vechta ihre letzte Partie in der BBL-Saison 2019/20 absolviert haben. Beim Finalturnier der Bundesliga in München gab's im Spiel um Platz neun einen 95:66-Sieg gegen die Crailsheim Merlins. Seitdem ist organisatorisch einiges passiert. Der Klub zog seine Meldung für eine weitere Saison in der Champions League zurück. Spieler packen ihre Koffer und forcieren ihre Reisepläne, Autos werden zurückgegeben, Wohnungen aufgelöst – und der Trainer plant die Zukunft. Seine Zukunft. Rastas Chefcoach Pedro Calles, dessen Erfolgsstory an der Pariser Straße Begehrlichkeiten geweckt hat, ist wie vor einem Jahr sehr begehrt – und diesmal geht er die Sache offensiver an.

„Ich habe den Verein informiert, dass ich drei Optionen auf dem Tisch habe und dass ich mir diese Optionen gerne einmal ansehen möchte, um für meine Zukunft und die meiner Familie die richtige Entscheidung treffen zu können. Rasta weiß darüber Bescheid“, sagte der 36 Jahre alte Spanier am Dienstag auf Anfrage.

Vertrag mit Ausstiegsklausel und Ablösesumme

Vor allem bei den Hamburg Towers, die beim Abbruch der Hauptrunde auf dem letzten Platz lagen und nach ihrer ersten BBL-Saison den Vertrag mit ihrem Aufstiegscoach Mike Taylor nicht verlängerten, steht Rastas Trainer hoch im Kurs. „Towers legen sich auf Calles fest“, titelte das Hamburger Abendblatt am Dienstag und hielt zudem fest: „Der Trainer von Rasta Vechta könnte noch in dieser Woche als Nachfolger von Mike Taylor präsentiert werden.“ Auch die Bild-Zeitung zitierte den Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby mit der Botschaft: „Nächste Woche ist der Trainer da.“

"Es ist legitim, dass er sich das alles anhören will, das ist ja auch eine neue Erfahrung für ihn."Rastas Geschäftsführer Stefan Niemeyer.

Rastas Geschäftsführer Stefan Niemeyer erklärte: „Pedro hat uns informiert, dass es drei konkrete Anfragen gibt und dass er sich das näher anschauen möchte. Es ist legitim, dass er sich das alles anhören will, das ist ja auch eine neue Erfahrung für ihn.“ Rasta Vechta sei aber noch von keinem anderen Verein offiziell in der Causa Calles angesprochen worden. Das wird aber nötig sein. Denn: Calles hat im letzten Herbst seinen Vertrag bei Rasta vorzeitig bis Juni 2022 verlängert. In diesem Vertrag gibt's nach Angaben von Niemeyer eine Ausstiegsklausel, an die eine Ablösesumme geknüpft ist.

Marvin Willoughby, seit Jahren die treibende Kraft beim ambitionierten Basketball-Projekt in HH-Wilhelmsburg, erklärte in diesem Zusammenhang, dass es kein Ausschlusskriterium sei, wenn der Wunschtrainer noch woanders unter Vertrag stünde. Mit anderen Worten: Die Towers, die mit nur drei Siegen aus 20 Spielen nur deshalb in der BBL geblieben sind, weil die Liga nach dem Abbruch wegen Corona auf Absteiger verzichtete, sind bereit, eine Ablöse zu zahlen.

Drei Kandidaten haben es offenbar in die Endauswahl beim Hamburger Coach-Casting geschafft – neben Calles sollen dies Denis Wucherer (47/Würzburg) und der langjährige Frankfurter Trainer Gordon Herbert (61) sein. In Sachen Profil hatten sich die Hamburger auf einige Fixpunkte festgelegt: Bundesliga-Erfahrung, Kompetenz als Kaderplaner, keinen Nebenjob. Taylor ist seit 2014 auch Polens Nationaltrainer und übte die zweijährige Tätigkeit in Hamburg in einer Doppelfunktion aus.

Bamberg trennt sich von Coach Roel Moors

Welche Optionen Calles neben Hamburg noch auf dem Tisch hat, wollte der Andalusier nicht verraten. Er sagte nur: „Es gibt kein Ranking. Ich weiß, was ich in Vechta hab'. Die Zukunft ist überall nicht klar. Daher möchte ich mich jetzt informieren.“ Dem Vernehmen nach hat auch ein spanischer Klub großes Interesse. Ein weiterer Kandidat könnte Brose Bamberg sein. Die Franken, die bereits vor einem Jahr um Calles buhlten, trennten sich am Dienstag nach nur einer Saison von Roel Moors; der bis zum 30. Juni 2021 laufende Vertrag des Belgiers wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst.

Calles ist seit 2015 in Vechta tätig. Der zweifache Vater, der mit seiner Familie in Bergstrup lebt, kam von den Artland Dragons und war als Co-Trainer von Andreas Wagner und Doug Spradley maßgeblich an der ProA-Vizemeisterschaft 2016 und dem Titel 2018 beteiligt. Vor zwei Jahren wurde er zum Cheftrainer befördert. Es folgte die sensationelle Saison 2018/19 mit Platz vier nach der Hauptrunde und dem Einzug ins Halbfinale. In dieser Saison lag Rasta bei der Unterbrechung wegen Corona als Tabellensechster auf Playoff-Kurs. In München war der personelle Aderlass dann zu groß, um daran anknüpfen zu können. „Ich hoffe sehr und gehe auch davon aus, dass Pedro bei uns bleibt“, so Niemeyer. Er dürfte aber auch wissen: Die Gefahr ist groß, dass es anders kommt.

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