„Goldrausch“ für 580 Jahre: KSB Vechta ehrt 20 Ehrenamtliche
Der Kreissportbund Vechta zeichnete beim ersten Ehrenamtsabend inklusive unterhaltsamer Talkrunde in Holdorf das langjährige Engagement einiger Vereinsmitglieder aus.
Geehrte und Ehrende: Der Kreissportbund Vechta zeichnete am Dienstagabend im Holdorfer „Hotel zur Post“ insgesamt 20 Ehrenamtliche aus. Foto: J. Boning
Es war ein kleiner, exquisiter Kreis. 20 Ehrenamtliche aus heimischen Sportvereinen, die zusammengerechnet auf 580 Jahre ehrenamtliches Engagement in ihren Klubs kamen. Hochgerechnet mit drei Wochenstunden summiert sich ihr Einsatz auf 87.000 Stunden. Minimum, der tatsächliche Wert dürfte um das Mehrfache höher sein. „Unglaubliche Zahlen. Es spiegelt vielleicht auch ein Stück diese Region wider. Ich weiß nicht, ob so was in einer großen Stadt möglich ist“, staunte Wolfgang Knabe, der Ehrenvorsitzende des OSC Damme, auf dem ersten Ehrenamtsabend des Kreissportbundes Vechta im Holdorfer Hotel zur Post, wo der KSB insgesamt 20 Goldene Ehrennadeln verteilte.
Wolfgang Knabe gehörte am Dienstagabend zu einer einleitenden Talkrunde, zu der Moderator Franz-Josef Schlömer ebenfalls Fußballer Ralf Böckmann und Behindertensportler Thomas Wedig geladen hatte. Drei Sportler, die vor Generationen von Ehrenamtlichen gefördert wurden, höchst erfolgreich im Sport unterwegs waren und danach als Ehrenamtliche ihrem Sport etwas zurückgaben.
„Eine Talkrunde mit solchen Leuten, das sind doch Persönlichkeiten. Es hat mich total beeindruckt, mit welchen Perspektiven sie den Sport und das Ehrenamt auf den Punkt gebracht haben“, schilderte Martin Ahlrichs, der als „Stimme des Rasta-Domes“ zu den Geehrten zählte, seine Eindrücke.
Die drei Podiumsgäste erzählten die ein oder andere Anekdote, gingen aber auch in die Tiefe. „Ich konnte als Vorsitzender meine Aufgaben dahin schieben, wenn ich Zeit hatte. Aber diese Ehrenamtlichen hier müssen jeden Dienstag um 18.00 Uhr in der Halle sein, Woche für Woche, egal was sonst ist“, sagte Wolfgang Knabe. Ralf Böckmann, der auch Jugendbetreuer und Fußball-Abteilungsleiter bei GW Mühlen war, plädierte dafür, alle Sportler mitzunehmen: „Man sollte die Jugendarbeit nicht darauf ausrichten, den Profi auszubilden. Die Spitze ist so dünn, das schafft kaum einer. Man muss für den Verein ausbilden. Und wenn er dann am Ende in den 3. Herren spielt, ist es ein Gewinn für den Verein.“
Talkrunde in Holdorf: Von links Franz-Josef Schlömer, Ralf Böckmann, Thomas Wedig und Wolfgang Knabe. Foto: J. Boning
Bewegend wurde es, wie Fußballer und Marathonläufer Thomas Wedig nach seiner Unterschenkelamputation aus seiner Verzweiflung und dem tiefen Loch über den Sport wieder ins Leben zurückfand. Heute hält er viele Vorträge über Motivation. Beispielsweise begleitet er seit anderthalb Jahren in Bremen ein halbes Dutzend Motorradfahrer, die nach Unfällen ihr Bein verloren haben. Alle zwischen 22 und 26 Jahren. „Sie glauben mir, was ich ihnen erzähle. Ich will sie dazu bringen, wieder am Leben teilzunehmen. Darum geht’s doch“, erzählte Thomas Wedig.
Die Premiere des Ehrenamtsabends begann mit einer Betriebsbesichtigung von Sport Böckmann. Dort erzählte Ralf Böckmann von den Anfängen, als sein Vater Hans mit einem Koffer auf dem Fahrrad als „fahrender Händler“ in die Nachbarorte fuhr. In dem ersten achtseitigen Sport-Böckmann-Katalog von 1963 durfte geblättert werden. Ungläubiges Staunen herrschte bei allen, als sie in luftiger Höhe des Auto-Stores die 13 Kommissions-Roboter wie in einem Videospiel über 18.000 Boxenbehälter wirbeln sahen, wie sie aus der Tiefe der Halle eine Box mit schwarzen Trainingsjacken der Größe L fanden und nach oben beförderten. Dank des vollautomatisierten Stores können bis zu 2000 Pakete am Tag für Vereine in ganz Deutschland verschickt werden.
Schwerpunkt des Abends war die Ehrung der Ehrenamtlichen, die in persönlicher Ansprache vorgestellt wurden. Beeindruckend die Vielfalt der Sportarten. Böckmann hielt fest: „Toll, von Schützen über Reitsport bis Mutter-Kind-Turnen war alles dabei. Das ist der Breitensportgedanke. Mit diesem Ehrenamt fängt die Vereinsarbeit doch an. Die hier geehrt wurden, sind doch Vorbilder für alle.“ Und Knabe ergänzte: „Es ist so wichtig, dass man diese Anerkennung auch ausspricht. Und alle waren sehr stolz.“ Ein kleiner, exquisiter Kreis von 20 Ehrenamtlichen. Stellvertretend stellte Lohnes „Mr. Volleyball“ Josef Heseding noch vor Mitternacht ein Bild seiner Urkunde auf WhatsApp mit den Worten: „Ich bin gerührt.“
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