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Gänsehaut im spanischen Sonnenschein

Die Dinklager Fußballerin Vivien Endemann hat in La Manga ihre ersten drei Länderspiele für die U19 absolviert.

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Mit den Füßen im Mittelmeer: Vivien Endemann genießt die Verschnaufpause beim gemeinsamen Sonntagsspaziergang an der spanischen Küste. Foto: Ezebinyuo

Mit den Füßen im Mittelmeer: Vivien Endemann genießt die Verschnaufpause beim gemeinsamen Sonntagsspaziergang an der spanischen Küste. Foto: Ezebinyuo

Als Vivien Endemann an diesem besonderen März-Sonntag an der spanischen Küste entlang spazierte, die mediterrane Sonne genoss und mit den Füßen im Mittelmeer badete, hatte sie noch gar nicht richtig verarbeitet, was sie in den vorangegangenen Tagen alles erlebt hatte: die erste große Fußball-Dienstreise, den ersten längeren Lehrgang mit der U-19- Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – und die ersten beiden Einsätze im Trikot mit dem Adler auf der Brust. Viele Eindrücke, die erst mal sacken mussten, nachdem der einwöchige Spanien-Trip nach einem weiteren Länderspiel beim Nationenturnier in La Manga am Dienstag vergangener Woche zu Ende gegangen war. So dauerte es noch ein paar Tage, bis die Dinklagerin realisierte: Ihr großer Traum ist in Erfüllung gegangen.

Wie die Jungfrau zum Kind kam Vivien Endemann nicht zu ihrem ersten DFB-Einsatz. Nach zwei Lehrgängen und der Nominierung für die Reise nach Spanien war klar: Die 18-Jährige, die für den Zweitligisten SV Meppen spielt, wird in La Manga ihr Debüt geben. Nur der Zeitpunkt kam überraschend. „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich im ersten Spiel eingewechselt werde. Vor allem, weil Frankreich so eine starke Mannschaft ist“, erzählt die Angreiferin, die in der 77. Minute in die Partie kam. Im Verein spielt sie in der Spitze, U-19- Trainer Michael Urbansky sieht sie eher auf Rechtsaußen – „wegen meiner Schnelligkeit“.

Um ein Haar hätte dieser schöne Tag gar noch märchenhafte Züge angenommen – mit dem ersten Tor im ersten Spiel. Viel hat nicht gefehlt. Sie war bereits bis in die Gefahrenzone vorgeprescht und hatte den Ball per Lupfer über die französische Torhüterin bugsiert. Ein Stückchen weiter nach links – und er wäre so im Tor gelandet. Aber auch der Fußball lebt nicht im Konjunktiv. Und so entstand aus dieser Szene zwar nicht ihr erstes Tor, aber die erste Vorlage: Teamkollegin Sophie Weidauer drückte den Ball noch zum 2:1- Endstand über die Linie. Damit hatte Vivien Endemann erheblichen Anteil am Auftaktsieg.

Zwei Tage später erlebte sie ihr emotionales Highlight der Reise. Beim Spiel gegen Norwegen (2:0) stand sie in der Startelf und spielte durch. „Wenn man die Nationalhymne auf dem Platz miterlebt und mitsingt, dann kriegt man schon Gänsehaut“, erinnert sich die Stürmerin. In der dritten und letzten Partie des Turniers gegen Island (0:2) kam sie noch zu einem weiteren Kurzeinsatz.

Die sieben vollen Tage in Spanien bestanden zum Großteil aus Training, Spielen, Besprechungen und Schule. Das Lernmaterial hatte sich Vivien Endemann vorher von ihren Lehrern am Gymnasium Marianum in Meppen, wo sie in einer Fußballerinnen-WG wohnt, besorgt. Die Schul-Einheiten dauerten maximal so lange wie ein Fußballspiel. Der Tagesplan war damit voll genug, für ein großes Sightseeing-Programm blieb keine Zeit. „Wir haben uns überwiegend auf der großen Anlage aufgehalten, auf der unsere Appartments waren. Da konnte man zwischendurch aber auch mal kurz die Sonne genießen“, erzählt die Dinklagerin. Die Appartments bestanden aus drei Zweier-Zimmern, Badezimmer, Küche und Balkon. Vivien Endemann teilte sich einen Raum mit Chiara Hahn, die beim 1. FFC Frankfurt II spielt.

Trotz Zwangspause: Die Dinklagerin strotzt vor Optimismus

In den Gedanken von Vivien Endemann scheint die Mittelmeer-Sonne heute immer noch. Bis in ihre Heimatstadt am Burgwald. Hier verbringt die Zweitliga-Kickerin seit dem vergangenen Wochenende die schulische und sportliche Coronavirus-Zwangspause. Aktuell sei es noch nicht allzu langweilig geworden, versichert das Angriffstalent. Das liegt mitunter an den frischen Erinnerungen an La Manga. Aber auch daran, dass die Gymnasiastin, die im nächsten Jahr ihr Abitur machen will, sportlich in Bewegung bleibt. Die Ausdauerläufe und das individuelle Training auf dem Sportplatz dürften für eine Mannschaftssportlerin auf Dauer jedoch eintönig werden. Doch in diesen Zeiten hat wohl niemand eine andere Wahl, als die Entwicklung abzuwarten.

Das gilt im Falle von Vivien Endemann sowohl für den Betrieb in der 2. Bundesliga, der vorerst bis zum 19. April pausiert, als auch für ihre DFB-Laufbahn. Die Qualifikationsrunde für die im Sommer geplante EM-Endrunde in Georgien wird im April definitiv nicht stattfinden. Auch das Großereignis (ab 21. Juli) steht in den Sternen. Chancen auf weitere DFB-Einsätze sieht die Dinklagerin trotzdem. „Das hoff' ich doch!“, sagt sie mit einem angenehmen Optimismus, den man sich dieser Tage vielerorts wünschen würde.

Corona hin oder her: Das Leben von Vivien Endemann ist kürzlich um viele wertvolle Erinnerungen reicher geworden: an den herrlichen Strandspaziergang an der spanischen Mittelmeerküste, an die bedeutende Torvorlage und an den Gänsehautmoment im DFB-Trikot.

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