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Fluch und Segen der Vizemeisterschaft

Der SV Thüle geht als amtierender Vizemeister in die Saison. Ganz so üppig, wie das Aufgebot auf den ersten Blick aussieht, ist es dann aber tatsächlich nicht.

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SV Thüle: Oben von links: Trainer Sebastian Thunert, Ali Khaled, Tobias Vossmann, Cristian Boicu, Johannes Göken, Niklas Südbeck, Felix Ziemba, Tobias Latta, Trainer Michael Macke. Mitte von links: Betreuer Alex Beigelow, Eugen Spirlicenco, Robert Göken, Claas Göken, Fabian Höhne, Jan-Ole Rahenbrock, Stefan Vogel, Bernd Abeln, Björn Bullermann, Vladimir Bobrov. Unten von links: Lucas Duen, Simon Bickschlag, Max Wilken, Paul Meyer, Andre Hagen, Carsten Hackstette, Tobias Macke, Jonathan Menzen, Matthias Wedermann. Foto: Wulfers

SV Thüle: Oben von links: Trainer Sebastian Thunert, Ali Khaled, Tobias Vossmann, Cristian Boicu, Johannes Göken, Niklas Südbeck, Felix Ziemba, Tobias Latta, Trainer Michael Macke. Mitte von links: Betreuer Alex Beigelow, Eugen Spirlicenco, Robert Göken, Claas Göken, Fabian Höhne, Jan-Ole Rahenbrock, Stefan Vogel, Bernd Abeln, Björn Bullermann, Vladimir Bobrov. Unten von links: Lucas Duen, Simon Bickschlag, Max Wilken, Paul Meyer, Andre Hagen, Carsten Hackstette, Tobias Macke, Jonathan Menzen, Matthias Wedermann. Foto: Wulfers

Neue Töne in Thüle. War es in den vergangenen Jahren so gewesen, dass die Bezirksligakicker des dortigen SVT häufiger ausgesprochen knapp an Personal waren, so haben sie zum Start in die Bezirksligasaison 2020/2021 einen großen Kader zur Verfügung. Nicht weniger als 28 Kicker stehen auf der Spielerliste.

Damit hat das Trainerduo Sebastian Thunert/Michael Macke ein Luxusproblem, mit dem es aber gelassen umgeht: „So haben wir einen schönen Konkurrenzkampf im Aufgebot, es kann sich kaum einer sicher sein, in der Startelf zu stehen.“ Das war schon zur Generalprobe am vergangenen Sonntag im Erstrundenspiel des Bezirks-
pokales (1:0-Sieg gegen den Landesligisten BV Essen) zu sehen. „Da hätten es sicherlich alle verdient gehabt, von Anfang an auf dem Platz zu stehen“, meint Michael Macke. „Nun haben die, die nicht zum Zuge gekommen sind, die Chance, uns im Training zu zeigen, dass wir mit unserer Wahl nicht richtig gelegen haben. Allerdings haben diejenigen, die gespielt haben, durchaus Argumente für ihre Aufstellung geliefert“, sagt Thunert.

Anführer: Claas Göken ist Kapitän und Leistungsträger bei den Bezirksligafußballern vom SV Thüle. Foto: LangoschAnführer: Claas Göken ist Kapitän und Leistungsträger bei den Bezirksligafußballern vom SV Thüle. Foto: Langosch

Ganz so üppig, wie das Aufgebot auf den ersten Blick aussieht, ist es dann aber tatsächlich nicht. Es gibt bereits einige Ausfälle. Die jedoch ist der SVT in der Lage zu kompensieren. So fehlt Innenverteidiger Tobias Latta, seit Jahr und Tag unumstrittener Stammspieler, schon seit geraumer Zeit mit anhaltenden Kniebeschwerden. Wann er zurückkehrt, ist noch offen. Aber dafür haben die Thüler inzwischen Alternativen. Und wenn Bernd Abeln – wie gegen Essen – ebenfalls nicht dabei ist, springt eben ein Robert Göken ein. „Er kann eigentlich auf jeder Position spielen“, ist Michael Macke froh über seinen Allrounder.

Ärger hat es den SV im Sturm getroffen. Mit Hani Hassan, der in der vorigen, abgebrochenen Saison, als Thüle nur auf 14 Spiele kam, neunmal zum Einsatz kam und dabei neun Treffer erzielte, und Matthias Wedermann (achtmal erfolgreich in zwölf Spielen) stehen aktuell die beiden Torschützen der Serie 19/20 nciht zur Verfügung. Beide müssen beruflich bedingt aktuell passen. Möglich, dass sich da etwas ändert, gesichert ist es nicht. „Wenn man sagen muss, dass bei uns der Schuh drückt, dann sicherlich in der Offensive“, räumt Macke ein. Gleichwohl haben er und sein Trainerkollege Thunert mit Steven Sieling, Fabian Höhne, Niklas Südbeck, Johannes Göken, Lucas Duen und Tobias Macke noch einige Angreifer zur Verfügung.

Aufsteiger: Jonathan Menzen (links, im Duell mit dem Essener Lucas Abel) kam vom Kreisligisten FC Sedelsberg zu den Thüler Bezirksligafußballern. Foto: LangoschAufsteiger: Jonathan Menzen (links, im Duell mit dem Essener Lucas Abel) kam vom Kreisligisten FC Sedelsberg zu den Thüler Bezirksligafußballern. Foto: Langosch

Der zweite Platz im vorigen Spieljahr kam auch für die Thüler selbst etwas überraschend. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir uns so schnell finden und dass es dann so gut laufen würde“, meint Macke. Ist die Vizemeisterschaft denn Segen oder Fluch? „Beides“, sagt Sebastian Thunert. „Auf der einen Seite zeigt der zweite Platz natürlich, welches Potenzial in der Mannschaft steckt, auf der anderen Seite ist die Erwartungshaltung natürlich gestiegen. Es würde uns keine abkaufen, wenn wir nun beispielsweise mit dem Saisonziel Platz sechs starten würden.“

Stattdessen hat der SVT seine eigenen Vorgaben mit „Vorsaison bestätigen“ formuliert. Das schließt ein besseres Abschneiden zwar nicht aus, aber auch vereinsintern gibt es kein Muss, was die Meisterschaft angeht. „Wir haben keinen Druck und bekommen auch keinen Druck, dass etwas passieren muss“, sagt Macke.

Das Trainerduo schätzt die Bezirksliga in der Serie 2020/2021 als ziemlich ausgeglichen ein – was Vorhersagen nicht leichter macht. Aber: „Es gibt auch keine herausragende Mannschaft, wie es etwa Hansa Friesoythe in der vorigen Saison gewesen ist“, meint Macke.

Tückischer Modus in der Bezirksliga

Zudem sehen die SVT-Coaches eine Gefahr. Der Bezirksligamodus ist tückisch. Zunächst wird eine einfache Runde gespielt, bevor die Liga in zwei Hälften geteilt wird. Die obere ermittelt den Meister, die unteren acht Mannschaften machen die beiden Absteiger unter sich aus. Also darf man sich keine große Nachlässigkeiten zu Beginn erlauben. „Man muss aufpassen, dass man nicht gleich den Anschluss verpasst. Sicherlich kann man immer noch eine Serie starten, aber dass das gelingt, garantiert ja niemand“, führt Macke aus und erinnert sich ein wenig an den Start vor Jahresfrist. Nach Freilos im Pokal kam in der zweiten Runde beim ersten Einsatz das Aus (2:5 gegen Altenoythe), aus den ersten beiden Punktspielen holte Thüke zudem nur einen Punkt.

Danach aber lief es „wie geschnitten Brot“, der SVT holte aus zwölf weiteren Begegnungen vor dem Ausbruch der Coronapandemie starke 27 Punkte.

Dass es wieder ähnlich gut läuft, dafür soll nicht nur die Größe des Kaders sorgen, sondern auch die Qualität der Zugänge. Die Thüler haben ihre Verpflichtungen mit viel Augenmaß getätigt und ihr intaktes Mannschaftsgefüge gezielt ergänzt. Bei nur einem festen Abgang mit Florian Johanning (Dennis Meyer steht auf Abruf noch zur Verfügung, Tim Runden hat nur eine Pause eingelegt) ist der Kader nahezu unverändert. Mit einigen Rückkehrern aus Friesoythe (Carsten Hackstette, Felix Ziemba, Lucas Duen, Lutz Meyer, Paul Meyer) sowie Jonathan Menzen vom Kreisligisten FC Sedelsberg haben die Thüler ordentlich zugelegt. „Wir haben viel Wert darauf gelegt, dass die Zugänge nicht nur sportlich, sondern auch als Typen in die Mannschaft und ins Umfeld passen. Sie wissen alle etwas mit Thüle anzufangen. Das ist der Schlüssel dafür, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, auch zum Erfolg führt“, erläutert Sebastian Thunert das Konzept, welches die Thüler vor geraumer Zeit entwickelt haben und seitdem umsetzen.

Der Punktspielstart am Sonntag beschert dem SV zwar ein Heimspiel, aber das hat es in sich. Die Zweitvertretung von BW Lohne ist zu Gast. Die Lohner Erste ist gerade in die Oberliga aufgestiegen, die A-Junioren haben den Sprung in die Regionalliga geschafft. Es ist also viel Qualität in Lohne. Vor der muss sich der SV Thüle aber nicht fürchten, wenn er so couragiert und leidenschaftlich wie gegen Essen auftritt. „Nur, wenn wir geschlossen auftreten und alles abrufen, können wir unsere Ziele erreichen“, appellieren Michael Macke und Sebastian Thunert an ihr Team.

Der SVT gehört fraglos in die Spitzengruppe der Bezirksliga und wird sich dort auch behaupten. In der Vorbereitung gingen einige Tests zwar schief (1:3 in Peheim, 2:5 gegen Westrhauderfehn), aber das Team scheint rechtzeitig in Form zu kommen – wie der Pokalsieg über Essen beweist. Mit der Mannschaft des Trainerduos Macke/Thunert wird zu rechnen sein, auch, wenn es nicht ganz so weit nach oben geht, wie in der vergangenenen Saison.


Zur Übersicht der Fußballsaison 20/21


  • Abgänge: Florian Johanning (SV Bösel), Tim Runden (Pause), Dennis Meyer (Standby).
  • Zugänge: Carsten Hackstette, Felix Ziemba, Lucas Duen, Lutz Meyer, Paul Meyer (alle Hansa Friesoythe), Jonathan Menzen (FC Sedelsberg).
  • Tor: Andre Hagen, Carsten Hackstette, Paul Meyer.
  • Abwehr: Tobias Latta, Eugeniu Spirlicenco, Max Wilken, Bernd Abeln, Robert Göken, Simon Bickschlag, Felix Ziemba.
  • Mittelfeld: Claas Göken, Stefan Vogel, Björn Bullermann, Cristian Boicu, Tobias Vossmann, Jan-Ole Rahenbrock, Ali Khaled, Jonathan Menzen, Lutz Meyer, Marco Runden.
  • Angriff: Matthias Wedermann, Hani Hassan, Steven Sieling, Fabian Höhne, Niklas Südbeck, Johannes Göken, Lucas Duen, Tobias Macke.
  • Trainer: Sebastian Thunert, Michael Macke.
  • Cotrainer: Andre Middeke.
  • Betreuer: Alex Beigelow.
  • Saisonziel: Vorsaison bestätigen und junge Spieler einbauen.
  • Meistertipp: SV Holdorf.
  • Der "Startschuss" der Münsterländischen Tageszeitung mit den Vereinen aus dem Landkreis Cloppenburg ist am Freitag, 4. September erschienen - gedruckt oder als ePaper in der App und hier im Online-Kiosk.

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