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Fienhage setzt voll auf die Karte Bahnsport

„Der Traum, es als Profi zu versuchen, ist ja schon länger da“, sagt der 20-Jährige, der seine Ausbildung abgeschlossen hat: „Jetzt will ich es probieren.“

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Action pur: Lukas Fienhage (vorn) geht als Profi in die Speedway- und Langbahnsaison. Foto: Bandy

Action pur: Lukas Fienhage (vorn) geht als Profi in die Speedway- und Langbahnsaison. Foto: Bandy

Zugegeben, der Vergleich hinkt ein wenig, aber irgendwie passt er doch. Wie ein junges Rennpferd scharrt Lukas Fienhage in diesen Tagen mit den Hufen. Voller Vorfreude auf jenen Moment, in dem sich die Tür der Startbox öffnet, in dem er endlich Vollgas geben kann. „Ich kann den Start kaum noch erwarten. Ich freue mich auf jede Sekunde auf dem Motorrad“, sagt der Brockdorfer. Für den 20-Jährigen hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen, die Speedway- und Langbahn-Saison 2020 ist seine erste als Vollprofi.

„Der Traum, es als Profi zu versuchen, ist ja schon länger da. Jetzt will ich es probieren“, sagt Fienhage. Seine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker hat er erfolgreich abgeschlossen. Damit erfüllte er die Bedingung seiner Eltern, die dem Profitum vorgeschaltet war. Seit dem 1. März setzt Fienhage nun voll auf die Karte Bahnsport. Schon als Kind und Jugendlicher ist er Rennen gefahren, die Szene ist ihm also vertraut, er kennt sie aus dem Eff-eff. Und doch sagt er: „Es ist eine ganz neue Situation für mich. Ich bin sehr gespannt, was auf mich zukommt.“ Rückenwind und Selbstvertrauen gibt die Saison 2019. „Es war das bislang erfolgreichste Jahr meiner Karriere. Ich hab‘ mich mächtig gesteigert und gemerkt, dass das was werden könnte“, sagt Fienhage, der in seiner ersten vollen Grand-Prix-Saison der Langbahn-WM gleich Vierter wurde und dabei den WM-Lauf in Roden/ Niederlande gewann. Dazu gab‘s für ihn Platz eins bei der U-21-Speedway-DM sowie Bronze bei der Langbahn-Team-WM. Das Profi-Dasein im Bahnsport sei kein kurzfristiger Versuch, sondern ein mittelfristiges Projekt. „Ich will es schon drei, vier Jahre probieren“, sagt Fienhage. Er weiß, dass ein langer Atem nötig ist: „Das erste Jahr ist mit Sicherheit ein Draufzahl-Jahr.“

Der Neu-Profi fährt in den kommenden Monaten zweigleisig – vorausgesetzt natürlich, die Corona-Krise lässt das zu. Neben der Langbahn-WM mit fünf Grand-Prix-Läufen in Herxheim, La Reole, Mühldorf, Forssa und Rzeszow setzt Fienhage voll auf Speedway-Events. Der 20-Jährige fährt in Deutschland für den MSC Brokstedt (1. Liga) und den MSC Cloppenburg (2. Liga). Mit den „Wölfen“ vom MSC Wittstock nimmt er an der 2. Liga in Polen teil, zudem erhielt er einen Vertrag beim schwedischen Zweitligisten Vargana Speedway Club. Auf Fienhage und seine Crew kommt einiges an Reisestress zu: In Schweden wird in der Regel mittwochs gefahren, in Polen sonntags. Freitags und samstags stehen dann Rennen in Deutschland an. Der Saisonauftakt Ende März in Wittstock ist Corona zum Opfer gefallen, demnach geht‘s frühestens im April los. Pro Rennen – egal, ob Speedway oder Langbahn – gibt‘s eine Mindestgage. Weitere Prämien sind abhängig vom Ergebnis. Fienhages Sponsorensuche läuft pausenlos, denn der Motorsport ist kostspielig, das ist kein Geheimnis. Vor der Saison hat das Team Fienhage zwei neue Motorräder aufgebaut, hinzu kamen zwei neue Motoren – alles in allem eine Investition von rund 35 000 Euro. Fienhage hat insgesamt vier Speedway-Motorräder, zwei davon werden fest in Schweden stationiert. Zudem hat Fienhage zwei Maschinen für die Langbahn-WM. „Andere haben zehn Maschinen, aber ich bin gut aufgestellt. Ich hab‘ einen guten Fuhrpark.“

Zu seinem Team gehören eine Hand voll Helfer; angeführt von Manfred Bäker, ein Freund der Familie, der sich auch um die Flüge, die Sponsoren-Aquise und andere Dinge kümmert. Vater Uwe Fienhage, früher selbst im Bahnsport unterwegs, konzentriert sich auf die Betreuung während der Langbahn-WM, ein fest angestellter Mechaniker ist indes für den Speedway-Bereich zuständig. Je nach Bedarf greift Lukas Fienhage zudem auf Hilfe eines Fitnesstrainers und eines Physiotherapeuten zurück.

Und die Ambitionen? Fienhage ist ehrgeizig und sagt: „In der Langbahn-WM will ich in die Top 3.“ Insgeheim träumt er natürlich auch vom WM-Titel, aber diese Hürde ist verdammt hoch. In Brokstedt und Cloppenburg möchte Fienhage unterdessen ein „Punktegarant“ sein, „der jedes Rennen zweistellig punktet“.

Die Engagements in Polen und Schweden laufen derweil unter der Rubrik „Werbung in eigener Sache“. Er fährt dort jeweils für kleines Geld und möchte sich für die 1. Liga und damit bessere Verträge empfehlen.

Sein erstes Rennen in der MSC-Arena ist für den 4. April mit dem Heimrennen der MSC-Fighters im Speedway-Team-Cup geplant. Austragung natürlich fraglich. Klubchef Burkhard Timme: „Wir werden in der nächsten Woche ein komplettes Statement abgeben, wie es in den kommenden Wochen und Monaten mit unseren Veranstaltungen und im MSC insgesamt weitergeht.“

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