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Enno Klaphake und der schwere Abschied vom "Herz aus Gold"

Der junge Springreiter aus Mühlen spricht über den Tod von seinem Erfolgspferd Urus.

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Ein absolutes Highlight für Enno Klaphake: Der junge Springreiter aus Mühlen belegte im Juli 2019 beim U-25-Springpokal in Aachen mit Urus den zweiten Platz. Foto: Lafrentz

Ein absolutes Highlight für Enno Klaphake: Der junge Springreiter aus Mühlen belegte im Juli 2019 beim U-25-Springpokal in Aachen mit Urus den zweiten Platz. Foto: Lafrentz

Wenn Enno Klaphake von seinem Erfolgspferd Urus redet, dann schwingt in seiner Stimme eine Mischung aus Begeisterung und Stolz mit. Er sei "das authentischste Pferd, das ich je erlebt habe“. Ein Vierbeiner mit Ecken und Kanten, aber immer "unglaublich loyal“, ein echter Freund eben. "Er hatte ein Herz aus Gold“, schwärmt der Mühlener. Er spricht von der Vergangenheit. Denn das Herz von Urus hat vor rund zwei Monaten nach einem Unfall aufgehört zu schlagen. Ein schwerer Schicksalsschlag für den Springreiter.

Das tragische Unglück ereignete sich an einem normalen Trainingstag. Urus lief an der Longe. "Dann hat er sich erschrocken und ist hochgesprungen“, berichtet Enno Klaphake. Dabei knickte der Oldenburger Schimmel-Wallach hinten links um. Allein anhand des Geräuschpegels habe man gemerkt, dass etwas Schlimmes passiert sein muss, erzählt Klaphake. Das Bein war gebrochen. Schnell war klar: Der Reitsport ist für Urus Geschichte, "aber wir wollten ihm noch ein schönes Leben auf der Weide ermöglichen“. Dort sollte Urus gemeinsam mit Enno Klaphakes früherem Pferd Baretano die Rente genießen. Urus wurde nach dem Unfall operiert. Es sah zuerst gut aus, doch danach verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Letztlich musste er von seinen Qualen erlöst werden.

"Das war hart“, sagt Enno Klaphake mit Nachdruck. "Danach war ich erst mal genug mit mir selbst beschäftigt.“ Als Außenstehender könne man sich nur schwer vorstellen, wie viel einem Reiter sein Pferd bedeutet. "Es ist halt ein Freund“, kommentiert es der 21-Jährige, "man ist jeden Tag zusammen.“ Nach etwa zwei Monaten entschied sich Enno Klaphake dazu, seinen Verlust öffentlich zu machen und sich in den sozialen Netzwerken von Urus zu verabschieden. "Weil ich ihm die letzte Ehre erweisen wollte“, begründet er diesen Schritt. "Mein Freund, Partner und Kämpfer“, schrieb er auf Instagram, "leider ist dein Weg schon viel zu früh vorbei. Danke für alles, mein Großer, ruhe in Frieden.“ Die Nachricht schlug hohe Wellen. Bekannte Reitsport-Medien berichteten über das Unglück – und viele Reiter drückten per Nachricht ihr Beileid aus.

Klaphake denkt gerne an das "Highlight in Aachen" 

"Ich war überwältigt, wie viele sich gemeldet haben“, sagt der Mühlener: "Das zeigt, was für einen tollen Ruf Urus immer noch hat.“ Den hat er sich zusammen mit Enno Klaphake in den vergangenen Jahren erarbeitet. Der größte Triumph des erfolgreichen Paares war der Gewinn des Nachwuchswettbewerbs um den Goldenen Sattel im Jahr 2019 in Leipzig. Bei diesem Wettkampf mit Reiterwechsel absolvierte Urus vier fehlerfreie Runden. Genauso gerne denkt Enno Klaphake an das "Highlight in Aachen“ zurück. Im Finale des deutschen U-25-Springpokals belegte er mit Urus beim CHIO ebenfalls 2019 den zweiten Platz. Hinzu kamen weitere starke Platzierungen des Duos.

Urus hatte im Jahr 2005 in Paul Schockemöhles Gestüt Lewitz das Licht der Welt erblickt. Er entwickelte sich anschließend zu einem Top-Springpferd, wurde zunächst von Manuela Schweizer und später von der russischen Olympionikin Liubov Kochetova geritten. Einerseits war er schon ein erfahrenes Turnierpferd, als Enno Klaphake vor rund zwei Jahren erstmals mit ihm startete. Andererseits bewahrte sich Urus auch stets seine kindliche Neugierde. "Er hat immer viel rumgeguckt“, erzählt Enno Klaphake und lacht. "Er hatte auch seine Ecken und Kanten im Alltäglichen. Wenn er was gehört hat, ist er oft total losgerannt“. Urus spielte immer mit offenen Karten. Seine Laune konnte er nicht verbergen. "Man wusste immer, woran man ist“, beschreibt es Klaphake.

Klaphake für den U-25-Springpokal in Hagen nominiert

Der Abschied vom Pferd mit dem goldenen Herzen fiel ihm schwer, "aber es muss ja weitergehen“. Eine Reitpause kam für den 21-Jährigen nicht infrage. Er trainiert weiterhin tagtäglich und reitet unter anderem Campino (10) und NC Verso Red Wine (9). Zudem wurde er kürzlich für den U-25-Springpokal in Hagen a.T.W. (21.bis 25. April) nominiert. Allzu weit in die Zukunft blicken will er aber nicht. Man könne derzeit sowieso nicht planen. Neben den generellen Einschränkungen durch Corona kam zuletzt auch noch eine weltweite Turnierpause wegen des für Pferde gefährlichen Herpes-Virus hinzu. "Wir versuchen, die Pferde fit und zufrieden zu halten“, beschreibt Enno Klaphake das aktuelle Prozedere.

Angesichts des Corona-Stillstandes und der Möglichkeit, sein Hobby weiter auszuüben, merkt er an: "Ich kann mich eigentlich glücklich schätzen.“ Ein wenig Glück im Corona-Unglück. Aber die Zukunft steht auch für alle Reiter in den Sternen. Die Fotos, die Enno Klaphake zum Abschied von Urus gepostet hat, wirken wie aus einer anderen Welt: ein eingespieltes Duo vor üppig gefüllter Tribüne in Aachen. Die schöne alte Normalität. Früher war alles besser. In diesem Fall stimmt es.

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