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Eine Zwangspause, die auch was Gutes hatte

Tennis-Talent Julia Middendorf wurde von der Coronavirus-Krise ausgebremst. Bei den „German Ladies' Series“ in Versmold feiert die 17-Jährige aus Dinklage ihr Turnier-Comeback.

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Bauchmuskelübungen in der Garage: Julia Middendorf in Aktion.

Bauchmuskelübungen in der Garage: Julia Middendorf in Aktion.

Der letzte Einsatz in einem Punktspiel oder bei einem Turnier? Julia Middendorf muss kurz überlegen, schließlich ist es lange her. „Das müsste das Spiel gegen den Club zur Vahr gewesen sein. Oder? Doch, danach kam nichts mehr“, sagt die 17 Jahre alte Tennisspielerin aus Dinklage. Das Spiel gegen den Club zur Vahr – es fand am 29. Februar statt und war der Abschluss der Wintersaison in der Regionalliga Nord-Ost. Durch die 2:4-Niederlage fielen Julia Middendorf und ihre Teamkolleginnen vom TV Visbek auf den vorletzten Platz zurück – ein bitterer und ärgerlicher Abstieg.

Drei Monate sind inzwischen vergangen. Drei Monate, in denen Julia Middendorf eigentlich weitere Punkte für die Juniorinnen-Rangliste des Tennis-Weltverbandes ITF sammeln wollte. Drei Monate, in denen die Elftklässlerin der Liebfrauenschule Vechta ihrem Traum von den „Junior Grand Slams“ näher kommen wollte. Aber: Die Coronavirus-Pandemie bremste alles aus, die Krise fegte die Turnierkalender leer, national und international. „Nach dem letzten Spiel in der Regionalliga war eine Tour nach Frankreich geplant, aber schon die ist ausgefallen“, sagt Julia Middendorf über die Anfänge der Vollbremsung.

Nach Wochen voller Ungewissheit ist das Ende der Corona-bedingten Turnierpause in Sicht. Ab dem 16. Juni startet Julia Middendorf bei den „German Ladies' Series“, einer neuen Einladungsserie des Deutschen Tennis Bundes (DTB). In Versmold trifft sie unter anderem auf Anna-Lena Friedsam und die Ex-Visbekerin Vivian Heisen. Julia Middendorf, Nummer 38 der nationalen Damen-Rangliste, kam über das ITF-Juniorinnen-Ranking und ihre Mitgliedschaft im „Porsche Junior Team“ des DTB ins 24er Teilnehmerfeld. Die ambitionierte Dinklagerin liegt in der weltweiten U-18-Rangliste auf Platz 105 und ist damit die sechstbeste Deutsche nach Alexandra Vecic (15.), Mara Guth (56.), Angelina Wirges (69.), Eva Lys (73.) und Nastasja Schunk (85.). Alle sechs Talente der Jahrgänge 2002 und 2003 mischen in Darmstadt, Versmold und Stuttgart mit, sie bilden die „Next Gen“, also die nächste Generation.

Bereit zum Neustart: Julia Middendorf beim Aufschlag. Foto: SchikoraBereit zum Neustart: Julia Middendorf beim Aufschlag. Foto: Schikora

Julia Middendorf spricht von einer „interessanten Gruppe“, sie freut sich auf eine „tolle Erfahrung“. Vier Spiele sind garantiert – wichtige Matchpraxis und auch eine kleine Reise ins Ungewisse. „Ich denke, alle werden ein bisschen nervös sein, alle haben ja seit Wochen kein Turnier mehr gespielt“, sagt Julia Middendorf. Favoritin in ihrer Gruppe ist Anna-Lena Friedsam; die 26 Jahre alte Fed-Cup-Spielerin, die bereits in zwei WTA-Tour-Endspielen stand und bei 13 Grand-Slam-Turnieren spielte, ist aktuell die Nummer 106 der Welt.

Für den Restart in Versmold fühlt sich Julia Middendorf gerüstet. „Ich hab' in der Pause mega viel Fitness gemacht“, sagt sie über den achtwöchigen Power-Block. Kraft, Kondition, Koordinationen, Schnelligkeit, Arme, Beine, Bauch, Rücken – das volle Programm. Vom DTB gab's einige Pläne für die Zwangspause, ihr Coach Michel Dornbusch half bei der Umsetzung. Zweimal am Tag wurde intensiv trainiert, mal draußen, mal in der zum kleinen Fitnessstudio umfunktionierten Garage, mal auf einem Hof in Höne, der zur Familie gehört. Und nur sonntags war frei.

Immer feste drauf: Julia Middendorf am Boxsack.Immer feste drauf: Julia Middendorf am Boxsack.

Den Tennisschläger mal in die Ecke zu stellen, war für sie kein Problem. Ganz im Gegenteil. Die Junioren-Nationalspielerin (2019 EM-Bronze und WM-Vierte mit der U16 des DTB) konnte der Zwangspause auch etwas Positives abgewinnen. Mehr Zeit für das Homeschooling, mehr Zeit für die Fahrschule und den Führerschein. „Die erste Zeit war echt gut. Vom Kopf her hab' ich die Pause gebraucht, ich hab' mir vorher zu viel Stress gemacht. Seitdem ich klein bin, hab' ich ja mit Tennis nie länger als eine Woche Pause gemacht“, erzählt Julia Middendorf. Die Last, im eigenen Trainings- und Turnierkalender gefangen zu sein, war mal kurz weg. Inzwischen ist die Lust längst wieder da, das Feuer brennt lichterloh. Seit dem 6. Mai steht Julia Middendorf wieder regelmäßig auf dem Court. „Das erste Tennistraining war richtig cool – viel lockerer und viel entspannter“, erzählt sie. Und bald geht's auch wieder um Punkte.


Fakten

  • Die Coronavirus-Pandemie hat auch die drei Profi-Tennistouren (ATP, WTA, ITF) stark ausgebremst. Die neue Einladungsserie des Deutschen Tennis Bundes (DTB), die bis zum 26. Juli dauert, soll Spielerinnen und Spielern die Möglichkeit geben, Matchpraxis zu sammeln.
  • Die „German Ladies' Series“ beginnt am 16. Juni mit 24 Spielerinnen in sechs Gruppen. Spielorte sind Darmstadt, Versmold und der DTB-Stützpunkt Stuttgart.
  • Die Spielerinnen kamen über ihr WTA- und DTB-Ranking bzw. die Jugendrangliste ins Teilnehmerfeld – und dank sechs Wildcards, die Barbara Rittner in ihrer Funktion als DTB-Damen-Chefin verteilen durfte. Angeführt wird das Feld von den Fed-Cup-Spielerinnen Laura Siegemund und Anna-Lena Friedsam.
  • Julia Middendorf trifft in Versmold in Gruppe 1 auf Anna-Lena Friedsam, Vivian Heisen und Joelle Stoer.
  • Alle Teilnehmer spielen in der Vorrunde über drei Turniertage jeweils einmal in der Gruppe gegeneinander. Am vierten Turniertag finden gruppenübergreifend die Platzierungsspiele statt.
  • Die Top 4 pro Spielort erreichen die Zwischenrunde, die Plätze fünf bis acht spielen in einer Bonusrunde weiter. Die Sieger der Bonusrunde können als Lucky Loser in die Halbfinalrunden kommen.
  • Die Finalrunde der Damen steigt in Versmold.
  • Alle Spiele der Serie werden unter Corona-konformen Bedingungen ausgetragen – also ohne Linienrichter und Ballkinder, es gibt nur einen Stuhlschiedsrichter.
  • Die Herren legen am 8. Juni los. Der Ablauf ist identisch. Einziger Unterschied: Hier sind es acht Gruppen à vier Spieler. Spielorte sind Überlingen, Troisdorf, Neuss und Großhesselohe (auch Finale).

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