Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Ein trüber Abend mit zwei Lichtblicken

Rasta Vechtas Siegesserie in der 2. Basketball-Bundesliga  ProA endet mit einem 87:96-Dämpfer gegen die Uni Baskets Paderborn. Hier gibt's den Nachbericht mit den Reaktionen zum Spiel.

Artikel teilen:
Kein Durchkommen: Rastas Tajuan Agee (links) gegen Peter Hemschemeier und Brad Greene. Foto: Schikora

Kein Durchkommen: Rastas Tajuan Agee (links) gegen Peter Hemschemeier und Brad Greene. Foto: Schikora

Nach einem völlig verkorksten Abend, als das Ende der Siegesserie längst amtlich war und er auch noch über den bitteren Dämpfer im ersten Heimspiel des neuen Jahres reden sollte, suchte Vladimir Lucic händeringend nach einem Lichtblick. Und er wurde tatsächlich fündig. „Die Jungs haben es gut gemacht, das freut mich“, sagte der Trainer von Rasta Vechta. Die Jungs – damit war natürlich nicht das gesamte Team gemeint, das gerade mit der 87:96 (40:44)-Niederlage gegen die Uni Baskets Paderborn den Rückrundenstart in der 2. Basketball-Bundesliga ProA in den Sand gesetzt hatte. Die Jungs – damit meinte Lucic die Youngster Justin Onyejiaka (17) und Johann Grünloh (16), die zuvor ihre Chancen beim Schopfe gepackt hatten. Unbekümmert, mutig, entschlossen.

Onyejiaka, auf der Guard-Position zu Hause und mit 21,9 Punkten pro Partie der Topscorer von Rastas Farmteam in der 1. Regionalliga, absolvierte am Samstagabend nach zwei Kurzeinsätzen in Hagen und gegen Nürnberg sein drittes ProA-Spiel. Im Schlussviertel, 8:16 Minuten vor dem Ende, kam er in die Partie. Rasta lag zu diesem Zeitpunkt mit 60:77 zurück. Und Lucic verriet später, was er dem wankenden Team in der Auszeit mit auf den Weg gegeben hatte: „Ich habe gesagt: ‚Wir haben jetzt nichts mehr zu verlieren. Also werde ich Justin bringen und die älteren, erfahrenen Spieler werden auf der Bank sitzen – schauen wir mal, was passiert.‘“

Es passierte Erstaunliches: Die Rastaner, zuvor fahrig in der Offense und lasch in der Defense, holten im Eiltempo auf und glichen sogar aus (84:84). Zum 24:7-Zwischenspurt binnen fünfeinhalb Minuten steuerte Onyejiaka einen blitzsauberen Dreier (zum 81:84), einen Punkt per Freiwurf (zum 82:84), zwei Rebounds und eine gute Defense bei. Grünloh, Center und 14 Monate jünger als Kollege Onyejiaka, erhielt indes in der ersten Halbzeit seine ersten ProA-Minuten – sein Block gegen Paderborns Jordan Barnes zu Beginn des zweiten Viertels gehörte zu den Highlights des Abends.

Gut gemacht, Junge: Rastas Coach Vladimir Lucic (links) nach dem Spiel gegen Paderborn mit Justin Onyejiaka, der an der 17-Punkte-Aufholjagd im Schlussviertel beteiligt war. Foto: SchikoraGut gemacht, Junge: Rastas Coach Vladimir Lucic (links) nach dem Spiel gegen Paderborn mit Justin Onyejiaka, der an der 17-Punkte-Aufholjagd im Schlussviertel beteiligt war. Foto: Schikora

Vier Profis fehlten Rasta gegen die Ostwestfalen, der Langzeitverletzte A.J. Turner, der gerade seine Reha absolviert und nach wie vor bei Rasta unter Vertrag steht, sowie Kristofer Krause (Sprunggelenk), Tyrone Nash (Pferdekuss) und Sa'eed Nelson (Oberschenkel). Zwei Plätze im Tageskader waren also frei. Sie gingen an Onyejiaka und Grünloh, die nicht mit Rasta II nach Rendsburg fuhren.

Das junge Duo mischte nach Kräften mit. Die zehnte Saisonniederlage, die sechste im Dome, konnten die beiden Talente aber nicht verhindern – das hatten die älteren Kollegen ganz alleine verbockt. „Unsere Defense war nicht gut genug. Wir waren zu oft einen Schritt zu langsam. Wir haben es Paderborn zu leicht gemacht, sie hatten viele offene Würfe“, gab Sheldon Eberhardt zu. Sein Kollege Tajuan Agee sagte: „Die Niederlage ist schwer zu verdauen.“ Von einem Rückschritt wollte der Big Man, der rekordverdächtige zehn Fouls zog, aber nicht sprechen.

Und doch, es war einer. Wer geglaubt hatte, dass Rasta nach den Siegen gegen Ehingen, Quakenbrück und Itzehoe sowie dem Coup beim damaligen Spitzenreiter Jena seinen Kurs in Richtung der Playoff-Plätze fortsetzt, wurde bitter enttäuscht. Rasta hängt auf Rang 13 fest, der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt weiter vier Punkte, der Rückstand auf die Playoffs ist jedoch von vier auf sechs Zähler angewachsen. In der Form vom Samstagabend hat die launische Diva in der Meisterrunde aber ohnehin nichts verloren.

Für Lucic kam der Dämpfer „nicht sonderlich überraschend“. Er nahm gar die Schuld auf sich: „Wir haben in der letzen Woche schlecht trainiert, das ist mein Fehler. Ich habe es nicht geschafft, die Mannschaft nach der Siegesserie und besonders dem Sieg in Jena auf dem Boden der Tatsachen zu halten.“ Einmal in Fahrt, legte Lucic nach: „Es wurde angenommen, dass man viel weiter ist – praktisch in den Playoffs. Und dann gegen Paderborn würde es einfach so weitergehen mit dem Gewinnen.“

So ging es aber nicht weiter. Paderborn bestätigte den guten Eindruck aus der Hinserie (inklusive 99:86 gegen Rasta). „Das ist ein sehr gutes Team“, lobte Lucic den Sieger und gratulierte seinem Amtskollegen Steven Esterkamp zu einem „schönen Geschenk zum Geburtstag.“ Esterkamp, in der Saison 2013/14 fünfmal für Rasta in der BBL aktiv, wurde am Samstag 41 Jahre alt und freute sich sehr, dass sein Team nach Rastas Aufholjagd zum 84:84 cool geblieben war: „Wir haben dazugelernt, sodass wir am Ende die Kontrolle wieder übernehmen konnten.“

Nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit (Agee: „Wir haben viele freie Würfe nicht getroffen“) schaufelte sich Rasta im dritten Viertel ein tiefes Loch. Die Aufholjagd im Schlussviertel fand Lucic „wirklich toll“, sie habe aber „zu viel Kraft gekostet, um auch noch zu gewinnen“. Aus einem 84:84 wurde ein 84:92 – das war's. Eberhardt sagte: „Am Ende haben Kleinigkeiten gefehlt.“

Keine Kleinigkeit war die Diskrepanz auf der Point-Guard-Position: Barnes (neun Assists) war der Chef im Ring und sorgte mit tollen Pässen dafür, dass die beiden Center Lars Lagerpusch (10/12) und Aaron Kayser (7/7) auf Traum-Quoten in Korbnähe kamen. Rastas Point Guards James Washington und Jannes Hundt hatten unterdessen kaum Einfluss auf die Offense. Josh Young (acht Assists) musste übernehmen.


Rasta Vechta - Uni Baskets Paderborn 87:96 (40:44)

  • Punkte Vechta: Joel Aminu (18), Josh Young (13), Devin Searcy (12), Robin Lodders (11), Tajuan Agee, Preston Purifoy (je 8), Sheldon Eberhardt (6), Joschka Ferner (5), Justin Onyejiaka (4), Jannes Hundt (2).
  • Punkte Paderborn: Lars Lagerpusch (26), Jordan Barnes (18), Aaron Kayser (15), Chris Trapp (11), Chavares Flanigan (9), Peter Hemschemeier (7), Brad Greene (5), Badu Buck (3), Johannes Konradt (2).
  • Viertel: 24:27, 16:17, 17:26, 30.26

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Ein trüber Abend mit zwei Lichtblicken - OM online