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Christoph Hugenberg quält sich zum Langstrecken-Gold

Der 55 Jahre alte Triathlet aus Holdorf triumphiert im Nationaltrikot bei der Weltmeisterschaft in Almere. Nach 9:38:36 Stunden war er im Ziel.

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Weltmeister in Almere: Christoph Hugenberg. 

Weltmeister in Almere: Christoph Hugenberg. 

Die letzte 7-km-Runde auf dem abschließenden Marathon war die reinste Quälerei, ein Kampf gegen Kopf und Körper, gegen sämtliche Signale. Aber am Ende sollte sich die ganze Schinderei lohnen: Triathlet Christoph Hugenberg (55) aus Holdorf hat bei den Langstrecken-Weltmeisterschaften in Almere bei Amsterdam den Titel in der Altersklasse 55-59 gewonnen. Nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen überquerte Hugenberg nach 9:38:36 Stunden die Ziellinie und hatte am Ende einen Vorsprung von gut fünf Minuten auf den Belgier Christophe Quartier (9:43:45).

Hugenberg, der 1993 als erster VEC-Sportler den Ironman Hawaii absolvierte und sich mit seiner Firma Roto Frank Dachsystem-Technologie aus Bad Mergentheim seit Jahren für die OV/KSB-Aktion „Sportler gegen Hunger“ engagiert, sprach nach dem Coup in Almere vom „größten Sieg in meiner Sportlaufbahn“ und ergänzte mit Blick auf seine Qualen am Ende: „Es geht immer noch mehr, als man glaubt, leisten zu können. Entscheidend ist die mentale Einstellung. Der Kopf gewinnt.“ Hugenberg, seit seinem DM-Titel 2018 in der Klasse 50-54 in Hamburg Mitglied der Altersklassen-Nationalmannschaft, empfand zudem „eine besondere Motivation“, Deutschland zu vertreten.

Die Schwimmstrecke im Weerwater-See absolvierte Hugenberg in einer Zeit von 1:05:26 Stunden. Eine gute Ausgangsposition, nur der Finne Juha-Pekka Halmeenmäki war 40 Sekunden schneller. Auf der Radstrecke übernahm Hugenberg nach fünf Kilometern die Führung und baute sie kontinuierlich auf 7:30 Minuten aus. Der starke Nordseewind verlangte den Startern alles ab, Hugenberg brauchte 4:48:29 Stunden für die 180 km, was einem Durchschnittstempo von knapp 38 km/h entsprach.

Hugenberg danach „so erschöpft wie noch nie“

Da die Live-Tracker des Veranstalters nicht richtig funktionierten und es beim Schwimmen aufgrund der Corona-Auflagen einen Wellenstart (alle 15 Sekunden vier Teilnehmer) gegeben hatte, gab's auf der Radstrecke und später beim Marathon immer wieder unterschiedliche Informationen über den Vorsprung. Und vor der letzten 7-km-Laufrunde um den Weerwater-See erhielt Hugenberg die Info von außen, dass er nur noch 30 Sekunden Vorsprung habe – eine krasse Fehlinformation, wie sich erst später herausstellte.

Hugenberg, der vier Wochen zuvor beim Ironman Frankfurt wegen Rückenproblemen erstmals vorzeitig ausgestiegen war, entschied sich für einen 7-km-Endspurt. „Gegen jegliche Erfahrungen und gegen alle körperlichen Signale“, wie er sagt. Nach einem Marathon in 3:36:45 Stunden erreichte Hugenberg „so erschöpft wie noch nie“ das Ziel. Und dann folgte die Erlösung: Sieg in der Altersklasse, Weltmeister auf der Langstrecke.

Hugenbergs Tochter Hellena (10) gewann in Almere wie eine Woche zuvor in Roth die „Junior Challenge“ über ein Zehntel der Distanz in der AK 11-16.

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