Aufbruch ins Abenteuer: Johann Grünloh spricht über seine Ziele in den USA
Zwei Jahre lang hat der Basketballer bei Rasta Vechta in der BBL und in der Champions League für Furore gesorgt. Nun bricht ein neues Kapitel bei den Virginia Cavaliers an.
Von Rasta Vechta zu den Virginia Cavaliers: Johann Grünloh fliegt in Kürze in die USA. Foto: Becker
Die Check-Liste für das große Kofferpacken ist fertig, der Flug gebucht, das Visum ausgestellt. Kurzum: Johann Grünloh ist bereit für das große Abenteuer. Der 19 Jahre alte Center, der in den vergangenen zwei Jahren im Trikot von Rasta Vechta für Furore in der 1. Basketball-Bundesliga sowie in der Champions League gesorgt hat, fliegt am Anfang der kommenden Woche in die USA.
Sein Ziel: die University of Virginia in Charlottesville. „Ich bin schon ein wenig nervös. Aber ich freue mich riesig, dass es jetzt bald losgeht“, sagt Grünloh kurz vor seiner Abreise im OM-Medien-Gespräch. Von Löningen-Schelmkappe in die große weite Welt. „Ich bin total gespannt auf diese neue Herausforderung“, betont der BBL-Shootingstar der Saison 23/24.
Ein bisschen aufgeregt ist Grünloh schon
Über viele Monate war Grünloh von Scouts aus Amerika beobachtet worden. Diverse Vertreter von NBA-Klubs gaben sich im Rasta-Dome die Klinke in die Hand – schlussendlich entschied sich Grünloh aber wie so viele andere deutsche Talente auch für die US-College-Liga NCAA. Das Angebot der University of Virginia war nicht nur sportlich attraktiv, sondern auch finanziell höchst lukrativ, der Vertrag läuft zunächst einmal für ein Jahr.
Je näher der Tag der Abreise rückt, desto aufgeregter ist Grünloh. „Ich hab’ bei Instagram ein paar Videos von meinen Teamkollegen gesehen, wie sie schon trainieren. Ich kann es kaum abwarten, selbst dabei zu sein“, sagt der 2,12 m große Big Man. Er ist im 13er-Kader der „Virginia Cavaliers“ einer von drei ausländischen Spielern. Dem Import-Trio gehören noch Martin Carrere aus Pontonx-sur-l’Adour in Frankreich und Center-Kollege Ugonna Onyenso aus Owerri in Nigeria an. Letzterer hat bereits Eindruck bei Grünloh hinterlassen. Er sagt: „Der Kerl ist riesig, ein richtiger Brocken. Ein Isaiah Cozart in groß.“
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Mit Point Guard Dallin Hall, der von der Brigham Young University nach Virginia gewechselt ist, tauscht sich Grünloh bereits regelmäßig aus – ein guter Draht zum Spielmacher kann ja nicht schaden. Seine Trikotnummer 17 kann Grünloh behalten, und den Schlachtruf der Cavaliers kennt er auch schon: „Go Hoos!“
Grünloh, der Mitte August 20 Jahre alt wird, geht nach insgesamt 135 Spielen für Rastas Herren (66 in der 1. Liga, sechs in der Champions League, vier im BBL-Pokal, 28 in der 2. Liga ProA und 31 in der ProB) als sogenannter „Freshman“ in die NCAA-Saison. „Ich möchte aber mehr sein als nur ein Rookie. Diesen Anspruch hab’ ich schon“, sagt er.
Ein Ex-Rastaner gehört dem Coaching Staff an
Die University of Virginia, im Jahr 1819 auf Betreiben von Thomas Jefferson, dem dritten US-Präsidenten, gegründet, gehört zu den renommiertesten Adressen im amerikanischen College-Basketball. 2019 holten sich die Cavaliers den Meistertitel in der NCAA. Übrigens: Dem neunköpfigen Trainer- und Betreuerstab gehört auch der Ex-Rastaner Darius Theus als einer von vier Co-Trainern von Coach Ryan Odom an. Der ehemalige Guard, im Sommer 2015 von Aris Leuwarden nach Vechta gekommen, absolvierte vor zehn Jahren aber kein ProA-Spiel für Rasta – nach nur wenigen Wochen packte ihn das Heimweh und er reiste zurück in die USA. Als Ersatz für Theus holte Rasta einen gewissen Josh Young aus Nürnberg.
Zurück zu Johann Grünloh: In Charlottesville, rund zwei Autostunden südwestlich von Washington, D.C. gelegen, wird er sich in den nächsten Monaten eine Wohnung mit einem Mannschaftskollegen teilen. Wer sein WG-Partner sein wird, weiß er noch nicht. „Da lasse ich mich überraschen“, sagt Grünloh. Er reist mit einem „großen Koffer, einem Rucksack und Handgepäck“ an, so Grünloh: „Den Rest besorge ich dann vor Ort.“ Und er geht zudem davon aus, dass es „reichlich College-Outfits“ gibt.
Will's auch in den USA krachen lassen: Johann Grünloh, hier beim Dunking gegen die Rostock Seawolves. Foto: Becker
Die Formalitäten sind auch erledigt. Zu Wochenbeginn weilte Grünloh für zwei Tage in Berlin, um im amerikanischen Konsulat, nicht zu verwechseln mit der US-Botschaft am Brandenburger Tor, die Visum-Prozedur abzuschließen. Hier der Beleg „I 20“, dort das Formular „DS 160“. Gut, dass die Uni hilfreich war. „Das war ganz schön viel Bürokratie“, sagt Grünloh. Offen ist jetzt nur noch, was der Antonianum-Abiturient (2024) studieren möchte. Da er sich noch nicht auf einen bestimmten Studiengang (Major) festgelegt hat, wird Grünloh in der Kader-Aufstellung als „Undecided major“ geführt. „Ich gucke mir vor Ort alles mal an, dann entscheide ich“, sagt er.
Sportlich ist einiges klar. Die Cavaliers, die ihre Heimspiele in der 14.623 Zuschauer fassenden John-Paul-Jones-Arena austragen, spielen in der starken Atlantic Coast Conference (ACC, 18 Teams), die eine von 31 Staffeln in der Division I ist. Zu den Rivalen gehören Teams wie die Duke Blue Devils, North Carolina Tar Heels, Clemson Tigers oder Louisville Cardinals. In der Saison 24/25 belegte Virginia Platz neun in der ACC, gefolgt von einem schnellen Aus in der K.o.-Phase. In Summe gab’s 15 Siege und 17 Niederlagen. Eine Bilanz, die nun verbessert werden soll – mit Hilfe aus Schelmkappe.