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Ära Schulte endet nach fast zehn Jahren

Kapitänin Anna Johanning findet, dass „eine tragende Säule nicht nur der Frauenabteilung, sondern des gesamten Vereins wegbricht“.

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Der Moment des größten Triumphes: Am 18. Mai 2013 gewinnt Tanja Schulte mit dem BV Cloppenburg sein Nachholspiel bei BW Hohen Neuendorf mit 4:0. Mit diesem Sieg machte der BVC die Meisterschaft in der 2. Liga Nord und den Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Foto: Langosch

Der Moment des größten Triumphes: Am 18. Mai 2013 gewinnt Tanja Schulte mit dem BV Cloppenburg sein Nachholspiel bei BW Hohen Neuendorf mit 4:0. Mit diesem Sieg machte der BVC die Meisterschaft in der 2. Liga Nord und den Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Foto: Langosch

Der BV Cloppenburg steht vor einem großen Einschnitt, zumindest, was den weiblichen Bereich des traditionsreichen Fußballvereins angeht. Tanja Schulte, die Leiterin der Frauen- und Mädchenabteilung und darüber hinaus die Trainerin der Zweitligamannschaft, wird den BVC mit Ablauf der – aktuell unterbrochenen – Saison verlassen (die MT berichtete exklusiv). Damit geht eine Ära nach fast zehn Jahren zu Ende.

Am Mittwoch setzte Tanja Schulte nicht nur die Mannschaft von ihrem Entschluss in Kenntnis, sondern teilte per Email auch den Notvorstand in persona Präsident Prof. Lucien Olivier und Laurenz Rake ihre Entscheidung mit. Bis gestern Mittag hat die 45-Jährige darauf indes keine Resonanz erhalten. „Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dazu durchgerungen, Cloppenburg zu verlassen, meine Wohnung in Lastrup habe ich zum 31. Juli gekündigt“, sagt Schulte. „Für Gespräche und Planungen, was die Saison 2020/2021 angeht, stehe ich nicht mehr zur Verfügung.“

Was hat Tanja Schulte dazu bewogen, ihre Zelte beim BVC abzubrechen? „Es sind in erster Linie private und familiäre Gründe“, meint Schulte, die aber auch findet, dass „es ein relativ normaler Schritt ist, den es nach zehn Jahren vielleicht auch einmal braucht“. Ein Weitermachen beim BVC kam für sie unter dem Strich nicht mehr in Frage: „Wenn eine langfristige Planung möglich gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht anders entschieden. Aber das ist hier ausgeschlossen. Ich sehe, wie der Verein in den letzten Jahren aufgestellt gewesen ist, und in der näheren Zukunft wird es nicht besser werden. Bei mir ist jetzt, da mein Entschluss raus ist, eine Riesenerleichterung eingezogen.“ Wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird, weiß Tanja Schulte noch nicht genau. „Ich weiß nur, dass Fußball dabei nicht im Vordergrund steht und ich mich wohl nicht sofort auf die nächste Aufgabe stürzen werde.“ Zunächst einmal wird sie in ihre Geburtsstadt Bochum zurückkehren.

Präsident Olivier nahm den Abschied zur Kenntnis: „Es ist Tanja Schultes persönliche Entscheidung, ich kann sie verstehen. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, die vielen Ups und Downs waren und sind nicht hübsch. Es ist aber gut, wenn ein neuer Wind reinkommt. Es wird ein Generationenwechsel fällig.“ Wer Tanja Schultes Aufgaben übernehmen soll, weiß Olivier nicht: „Wir arbeiten an einer Lösung, da ist noch nichts ausgereift. Aber der Verein kann sich nur am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Wir werden die Lücke aber schließen, jeder ist ersetzbar. Wir müssen jetzt aber erst einmal die Krise überstehen.“

Dabei steht der BVC nach wie vor vor großen Problemen, wieder einmal steht eine Reihe von Gehaltszahlungen aus. „Wir haben deutliche Rückstände“, räumt Olivier ein. „Ich bin aber erst einmal froh, dass die Leute ruhig bleiben, die eigentlichen Söldner. Diejenigen, die noch da sind, wissen, worum es geht.“

Anna Johanning, Mannschaftsführerin des BVC-Teams in der 2. Bundesliga, war von Schultes Entschluss einigermaßen bestürzt: „Nicht nur dem weiblichen Bereich, sondern dem ganzen Verein bricht eine tragende Säule weg. Tanja hat alles zusammengehalten und sich immer vor uns gestellt. Die Nachfolge ebenbürtig zu regeln, wird sehr schwierig. Sowohl menschlich als auch fachlich wird Tanja kaum zu ersetzen sein.“

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