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95:66 - Rasta meistert den Charaktertest

Vechta sichert sich Platz neun beim Finalturnier der Basketball-Bundesliga - und das ohne Kapitän Josh Young und Topscorer Trevis Simpson. Hier der Nachbericht mit Video.

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Starker Auftritt im Spiel um Platz neun: Rastas Philipp Herkenhoff (links), hier gegen Crailsheims Marvin Ogunsipe, verbuchte am Dienstagabend ein Double-Double. Fotos: nordphoto / Engelbrecht

Starker Auftritt im Spiel um Platz neun: Rastas Philipp Herkenhoff (links), hier gegen Crailsheims Marvin Ogunsipe, verbuchte am Dienstagabend ein Double-Double. Fotos: nordphoto / Engelbrecht

Der Kapitän war wieder nur Zuschauer – und er hatte diesmal Gesellschaft hinter der LED-Bande. Josh Young verfolgte am Dienstagabend das Spiel um Platz neun beim Finalturnier der Basketball-Bundesliga in München nicht alleine, neben dem am Knie verletzten Anführer von Rasta Vechta saß Trevis Simpson in T-Shirt und Jogginghose. Auch der Topscorer der Mannschaft (und des Turniers) war angeschlagen. Kein Einsatz möglich, die nächste Lücke im Rumpfkader – da waren es nur noch acht. Aber: Rastas tapferer Rest holte noch mal alles aus dem Tank und gewann das Duell der Gebeutelten gegen die Crailsheim Merlins, die erneut auf ihr verletztes 42-Punkte-Trio Javontae Hawkins, DeWayne Russell und Jeremy Morgan verzichten mussten, mit 95:66 (50:34).

Das Team von Trainer Pedro Calles meisterte den finalen Charaktertest mit Bravour, der Coach applaudierte stolz und mit einem Grinsen im Gesicht – es war ein versöhnlicher Abschluss nach einer Vorrunde ohne Sieg. „Wir sind erleichtert, dass es noch mit einem Sieg geklappt hat. Wir haben keine gute Vorrunde gespielt. Deshalb hatten wir uns vorgenommen, noch mal vollen Einsatz zu zeigen. Jeder im Team hat einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte Philipp Herkenhoff. Letzteres galt vor allem für den 20-Jährigen. Der Jung-Nationalspieler war mit 18 Punkten bester Werfer und holte zudem zwölf Rebounds – sein drittes Double-Double in der BBL.

Nur 26 Stunden nach dem letzten Gruppenspiel gegen Bamberg mobilisierte Rasta die letzten Kräfte und gewann alle vier Viertel. In der Defense wurde gut gearbeitet, Rasta stand oft in den Passwegen und verbuchte satte elf Steals. „Wir waren gut vorbereitet“, sagte Guard Matic Rebec, der ein starkes Spiel mit 13 Punkten, sechs Assists und sechs Rebounds machte und auch die Freiwurfschwäche aus der Vorrunde (1/9) ablegte. Rebec wird am Mittwoch nicht im Teambus nach Vechta sitzen, sondern direkt von München nach Zagreb fliegt. Neben Herkenhoff und Rebec punkteten auch Ishmail Wainright (16), Jarelle Reischel, Max DiLeo (je 13), Luc van Slooten und Jaroslaw Zyskowski (je 11) zweistellig. Notiz am Rande: Der Pole, der ebenso wie Rebec für das Turnier in München geholt wurde, steht offenbar vor einem Wechsel zum spanischen Erstligisten Bilbao Basket.

Klein gegen Groß: Matic Rebec (rechts) gegen Dejan Kovacevic.Klein gegen Groß: Matic Rebec (rechts) gegen Dejan Kovacevic.

Die Crailsheimer, die zuletzt am Freitagabend gespielt hatten und wieder ohne US-Profis aufliefen, wirkten derweil schläfrig. „Das war sehr bitter. Wir wollten die Saison nicht so abschließen. Wir waren mental nicht da, wir haben keinen Charakter gezeigt“, haderte Kapitän Sebastian Herrera, der mit 21 Punkten Topscorer der Partie war und seine überragende Saison im Sensationsteam der Vor-Corona-Zeit standesgemäß beendete.

Bereits vor den letzten 40 Minuten von München zog Rastas Klubchef Stefan Niemeyer ein Fazit. Er hatte im Vorfeld, wohl wissend um die Schwere der Aufgabe („Es muss alles passen“), auf das Viertelfinale gehofft, daraus wurde nichts. Richtig zufrieden ist er daher nicht. „Der Knackpunkt war sicher das Frankfurt-Spiel. Danach waren die Jungs vielleicht ein bisschen frustriert. Gegen Alba waren wir chancenlos. Und am Ende war's dann auch nicht mehr möglich, gegen Bamberg zu gewinnen“, erklärte Niemeyer: „Mit den personellen Umständen, die wir hatten, waren wir unterlegen“. Er sei auch überrascht gewesen, wie gut einige Teams aufgestellt waren. Rastas Aderlass sei unterm Strich zu groß gewesen, so Niemeyer. Die Lücken, die Steve Vasturia, Jordan Davis, Kamari Murphy, Zabian Dowdell und Justin Raffington hinterließen, konnte Rasta mit Rebec und Zyskowski logischerweise nicht füllen.

Trotz der Unterlegenheit und der Niederlagen verteidigte Niemeyer die Entscheidung, sich der Allianz der Willigen angeschlossen zu haben. Rasta konnte sich zeigen und habe seinen Beitrag dazu geleistet, dass der finanziell so wichtige Re-Start der BBL mit zehn Teams über die Bühne gehen konnte, so Niemeyer: „Das darf man nicht vergessen. Es war doch für alle besser, das Turnier mit zehn Mannschaften zu spielen als nur mit acht oder neun.“

„Wir sind da sehr zwiegespalten. Im Moment geht die Tendenz dahin, nicht teilzunehmen.“Rastas Klubchef Stefan Niemeyer zu einer möglichen Europacup-Teilnahme

Am Rande des Bamberg-Spiels kam zudem die Frage auf, ob Rasta auch 2020/21 im Europacup spielt. „Wir sind da sehr zwiegespalten. Im Moment geht die Tendenz dahin, nicht teilzunehmen“, so Niemeyer. Rasta hatte 2019/20 seine Premiere in der Champions League gefeiert. Der Klub hat zwar erneut für die BCL gemeldet, kann das aber noch rückgängig machen. „Es ist noch zu viel offen“, sagt Niemeyer: „Es macht auch nur mit Zuschauern Sinn. Und noch wissen wir ja gar nicht, wann's losgeht und ob wir überhaupt sportlich qualifiziert sind. Vielleicht stellt sich diese Frage für uns ja gar nicht.“ Fakt ist: Bayern München und Alba Berlin spielen auch in der Saison 2020/21 in der EuroLeague, während Frankfurt und Ulm bereits auf der vorläufigen Liste für den EuroCup stehen.

Für Niemeyer und Co. geht's nun an die Planung der neuen Serie. Eine heikles Unterfangen voller Fragezeichen. Dass die Spielergehälter „drastisch sinken“ werden, ist für Rastas Geschäftsführer klar. Bis zu 50 Prozent, so seine Prognose. Die Abhängigkeit von den Zuschauereinnahmen ist im Basketball riesig. Für Niemeyer ist daher eine Koppelung der Spielerverträge an die Zuschauerzahlen keine Utopie.


Crailsheim Merlins - Rasta Vechta 66:95 (34:50)

  • Viertel: 13:26, 21:24, 14:18, 18:27
  • Punkte Crailsheim: Sebastian Herrera (21), David Brembley (15), Fabian Bleck (8), Maurice Stuckey (6), Liam Carpenter, Vladan Lazic (je 5), Dejan Kovacevic (4), Marvin Ogunsipe (2).
  • Punkte Vechta: Philipp Herkenhoff (18), Ishmail Wainright (16), Max DiLeo, Jarelle Reischel, Matic Rebec (je 13), Luc van Slooten, Jaroslaw Zyskowski (je 11). 

Alle Spiele des BBL-Finalturniers 2020 gibt's live bei MagentaSport.

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