80:81 – Rasta Vechta verliert Krimi gegen Spitzenreiter Chemnitz
Was für ein Krimi im Rasta-Dome: Die Basketballer von Rasta Vechta hatten den BBL-Tabellenführer Niners Chemnitz am Rande der Niederlage. Hier geht's zum Live-Ticker von OM-Online zum Nachlesen.
Die Basketballer von Rasta Vechta haben in der 1. Bundesliga eine große Überraschung knapp verpasst: Der Aufsteiger unterlag am Mittwochabend dem BBL-Spitzenreiter Niners Chemnitz nach einem tollen Fight mit 80:81 (40:39). Für die nervenstarken Sachsen war es wettbewerbsübergreifend der 20. Sieg im 22. Saisonspiel. Topscorer bei Rasta war Tommy Kuhse mit 22 Punkten, gefolgt von Wesley Iwundu (16), Xeyrius Williams (13), Johann Grünloh und Chavares Flanigan (je 10). Für Rasta geht's am 2. Weihnachtstag mit einem Auswärtsspiel beim Mitteldeutschen BC weiter. Hier gibt's den Live-Ticker von OM-Online zum Nachlesen.
Das 1. Viertel: Kurioser Start für Rasta. Die ersten zehn Aktionen der Partie gingen allesamt auf das Konto von Tommy Kuhse - positiv wie negativ. In Zahlen: fünf Würfe (2/5 aus dem Feld), zwei Rebounds, ein Steal und zwei Turnovers. Coach Ty Harrelson reagierte früh mit einer Auszeit beim Stand von 5:9. Er schien die richtigen Worte gefunden zu haben. Aus dem 5:9 wurde ein 15:11, Auszeit Chemnitz. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit vier schnellen Führungswechseln. Stark in dieser Phase: Johann Grünloh mit sechs Punkten in Serie und zwei Blocks. Nach zehn Minuten führte Rasta mit 23:20.
Das 2. Viertel: Der erste richtige Zwischensprint im zweiten Abschnitt gehörte Rasta. Die Gastgeber zogen mit einer 7:0-Serie auf 32:25 weg. Aber: Chemnitz, ausgestattet mit enormer Physis auf nahezu allen Positionen, antwortete prompt mit zwei Dreiern von DeAndre Lansdowne. Ein tolles Spiel, ein Duell auf Augenhöhe. Ein bisschen ärgerlich für Rasta: Zwei, drei freie Dreier gingen nicht rein. Und Chemnitz nutzte jede kleine Lücke in der ansonsten starken Defense von Rasta. Die letzte Aktion der ersten Halbzeit gehörte Wesley Iwundu: Der Mitteldistanzwurf des Geburtstagskindes verfehlte aber sein Ziel - und so blieb es zur Pause beim 40:39 für Rasta.
Die Statistik zur Pause: Topscorer der ersten Halbzeit war Chemnitz' Routinier DeAndre Lansdowne mit 13 Punkten, gefolgt von Rastas Tommy Kuhse (11). Dessen Teamkollegen Wesley Iwundu (9), Johann Grünloh (8) und Chavares Flanigan (8) stehen ebenso kurz vor der Zweistelligkeit wie Chemnitz' Wesley van Beck (9). Die Gäste haben eine bärenstarke Dreier-Quote (6/12), Rasta liegt hier mit 4/13 (31 Prozent) klar hinter dem bisherigen Saisonschnitt - ein weiterer Beleg für die starke Defense der Sachsen. Bei den Rebounds (17:19) und den Assists (5:10) liegt Rasta zurück, bei den Ballverlusten sieht's dagegen gut aus (6:10). Stark bei Rasta: die Freiwurf-Quote (8/8). Und: Chemnitz hat bereits elf Fouls gemacht, Rasta nur fünf.
Das 3. Viertel: Die ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit waren ein hochklassiges Hin und Her mit hohen Trefferquoten auf beiden Seiten. 46:46, 48:48, 50:50 - kein Team konnte sich absetzen. Dann drehte Chemnitz die Daumenschrauben etwas fester an. Die harte, flinke Defense der Sachsen, mittlerweile gefürchtet in der BBL, machte Rasta das Leben schwer. Folge: Vechta fiel auf 50:56 zurück. Auszeit Ty Harrelson. Danach stabilisierte sich Rasta ein wenig. Mit einem 57:61-Rückstand geht's in das letzte Viertel.
Das 4. Viertel: Xeyrius Williams, der bereits zum Abschluss des dritten Viertels einen Dreier getroffen hatte, machte die ersten fünf Rasta-Punkte im vierten Viertel (Dreier zum 60:61, Zweier zum 62:63) und legte kurz danach einen weiteren Dreier zum 66:66 nach. Chemnitz machte danach das, was ein Spitzenteam halt so macht: einen Gang höher schalten. Mit einer 7:0-Serie setzten sich die Niners auf 73:66 ab. Auszeit Ty Harrelson, es war der bislang größte Rückstand der Partie für Rasta. Die Antwort der Hausherren: eine eigene 9:0-Serie zur 75:73-Führung. Wow, was für eine Partie! 1:04 Minuten vor Schluss traf Tommy Kuhse per Dreier zum 78:75, seine Punkte 20 bis 22. Die Antwort kam von Niners-Center Kevin Yebo: Dreier zum 78:78, noch 44,1 Sekunden, letzte Auszeit Ty Harrelson. Und jetzt? Chavares Flanigan zog zum Korb, Korbleger mit links, 80:78 für Rasta, noch 26,3 Sekunden. Was für ein Krimi! Nichts für schwache Nerven! Zum Matchwinner avancierte dann Wesley van Beck per Dreier zum 81:80 für Chemnitz, der letzte Wurf von Tommy Kuhse verpasste dann das Ziel. Wie bitter für die Gastgeber.
Rasta Vechta - Niners Chemnitz 80:81
Punkte Rasta Vechta: Luc van Slooten (ohne Einsatz), Nat Diallo (0), Joschka Ferner (2), Tommy Kuhse (22), Ryan Schwieger (7), Johann Grünloh (10), Xeyrius Williams (13), Joel Aminu (0), Wesley Iwundu (16), Chavares Flanigan (10), Spencer Reaves (0), Richmond Aririguzoh (0).
Punkte Niners Chemnitz: Aher Uguak (10), Jeff Garrett (8), Wesley van Beck (14), Jonas Richter (ohne Einsatz), DeAndre Lansdowne (22), Kaza Kajami-Keane (6), Benjamin Koppke (ohne Einsatz), Ousman Krubally (4), Dominik Lockhart (0), Kevin Yebo (17).
Halbzeit: 40:39
Viertel: 23:20, 17:19, 17:22, 23:20
Zuschauer: 3140 (ausverkauft)
Die letzten Infos vor dem Spiel
18.25 Uhr: Die beiden Starting-Five-Formationen sind da. Bei Rasta gibt's eine Änderung im Vergleich zum Göttingen-Spiel: Auf der Center-Position beginnt diesmal Richmond Aririguzoh (statt Johann Grünloh). Hinzu kommen Tommy Kuhse, Chavares Flanigan, Wesley Iwundu und Joschka Ferner. Für Chemnitz beginnen Aher Uguak, Jeff Garrett, Wesley van Beck, DeAndre Lansdowne und Kevin Yebo.
18.15 Uhr: Geburtstag kurz vor Weihnachten - das gilt für Rastas Wesley Iwundu. Der ehemalige NBA-Profi ist heute 29 Jahre alt geworden. Logisch, dass er sich zu seinem Ehrentag den sechsten Sieg im siebten BBL-Heimspiel wünscht.
18.10 Uhr: Noch zehn Minuten bis zum Sprungball. Zwei wichtige Männer sind nicht vor Ort. Chemnitz' Trainer Rodrigo Pastore ist aufgrund einer Erkrankung daheim geblieben. Bei den Niners hat heute Gjorgji Kochov das Sagen; der 39 Jahre alte Nordmazedonier, einer von drei Co-Trainern von Pastore, ist seit 2021 in Chemnitz tätig. Und auf der Rasta-Bank fehlt Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele. Der 43 Jahre alte Manager weilt von Dienstag bis Freitag beim Event "NBA G-League Winter Showcase" in Orlando/Florida. Zu den acht Teams, die am "Showcase Cup" teilnehmen, gehören auch die Mexico City Capitanes; dort ist der ehemalige Rasta-Kapitän und -Coach Derrick Allen als Co-Trainer aktiv.
18.00 Uhr: Die erste Warm-up-Phase der beiden Teams ist vorbei, in der Kabine gibt's nun die finalen Anweisungen für das letzte Spiel vor Weihnachten. Zum Personal bei Rasta: Alle Mann an Bord, die zuletzt in Göttingen fehlenden Joel Aminu, Ryan Schwieger und Xeyrius Williams sind wieder an Bord.
Die Rasta-Bilanz gegen Chemnitz: In der 1. Bundesliga gab's das Duell erst zweimal. In der BBL-Saison 2020/21 siegten jeweils die Gastgeber, Chemnitz mit 89:77, Rasta mit 82:69. In der 2. Bundesliga ProA trafen Rasta und die Niners achtmal aufeinander, Rasta führt hier mit 7:1. Das Hinrundenduell der Saison 2015/16 gewann Vechta dabei mit 94:39 - dieses +55 ist bis heute der höchste Sieg in Rastas Profi-Basketball-Historie. Übrigens: Jonas Richter (26), heute einer der Leistungsträger der Niners, war schon bei der Pleite vor acht Jahren dabei.
Auch gegen Chemnitz wieder am Start: Die Marleys von Rasta Vechta. Foto: Becker
Die bisherige Saison der Niners: Das erste Spiel in der BBL ging in Ulm verloren, danach folgten zehn Siege in Serie. Gegen Alba Berlin und Bayern München hat Chemnitz allerdings noch nicht gespielt. Im BBL-Pokal feierten die Niners einen Achtelfinalerfolg gegen Gießen, gefolgt vom bitteren K.o. gegen Ulm. Im Fiba Europe Cup ist die Bilanz der Sachsen makellos: sechs Siege in der Vorrunde, zwei in der zweiten Gruppenphase.
Der Trainer der Niners: Der Argentinier Rodrigo Pastore (51), einst Profi bei Steiner Bayreuth, ist seit Juli 2015 im Amt. "Rodrigo Pastore macht dort seit einigen Jahren einen großartigen Job", sagte Rastas Coach Ty Harrelson im OM-Medien-Interview über seinen Kollegen.
Die BBL-Historie der Niners: Chemnitz stieg 2020 in die 1. Bundesliga auf. Im Debütjahr gab's Platz 14, danach qualifizierten sich die Niners zweimal in Folge für die Playoffs (6./8.).
Die Topscorer der Niners: Wesley van Beck (16,8) ist intern die Nummer eins, gefolgt von Kevin Yebo (15,7), DeAndre Lansdowne (15,1), Kaza Kajami-Keane (14,0) und Jeff Garrett (13,1).
Die Stärke der Niners: Die Defense ist das Prunkstück des aktuellen Tabellenführers. In der BBL ließ Chemnitz im Schnitt 73,0 Punkte der Gegner zu, im Europapokal waren es sogar nur 70,9 Prozent. Die BBL-Gegner hielt man bisher bei einer Trefferquote von 42,4 Prozent, und sie trafen gegen Chemnitz nur 25,7 Prozent ihrer Dreier - das sind allesamt überragende Werte.