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Wie Peter Stuckenberg Altes bewahren möchte

"Mensch der Woche": Der 43-jährige Dammer sammelt leidenschaftlich gern Fahrräder und ist Gründungsmitglied des Göricke-Clubs, wo er sich mit Gleichgesinnten austauscht.

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Peter Stuckenberg hat ein „Faible für Fahrräder“: Sein wertvollstes Schmuckstück steht sogar in seiner guten Stube. Foto: Röttgers

Peter Stuckenberg hat ein „Faible für Fahrräder“: Sein wertvollstes Schmuckstück steht sogar in seiner guten Stube. Foto: Röttgers

Im vergangenen Jahr bei den „Steinfeld Classic“ ist „1911“ die magische Zahl gewesen. Peter Stuckenberg vom Göricke Fahrradclub Damme steuerte nämlich das älteste Ausstellungsstück des Treffens historischer Fahrzeuge der Motorsportfreunde (MSF) Steinfeld bei. Dieses Jahr will sich Stuckenberg noch einmal „um ein paar Jahre“ selber unterbieten. Zusammen mit seinem Präsidenten Frank Themann hat er sich bereits wieder für die Neuauflage am 26. Mai (Sonntag) angemeldet, wenn bei der mittlerweile 9. Auflage der „Steinfeld Classic“ nur als historisch gekennzeichnete Fahrzeuge durch den Ortskern fahren dürfen. Stuckenberg präsentierte sein über 100 Jahre altes Artistenrad aus dem Jahre 1911 der „Kultmarke“ Göricke.

Fahrrad aus dem Jahr 1904

„Das habe ich aus einer Haushaltsauflösung bei den Kleinanzeigen auf Ebay aufspüren können“, erinnert er sich, der seinen historischen „Drahtesel“ ganz aus Leipzig ergattern konnte. Die Nostalgie reicht für ihn dieses Jahr sogar noch weiter zurück: Seine „jüngste“ Errungenschaft, die er aus Amsterdam abgeholt hat, datiert sogar um die Jahrhundertwende – natürlich ebenfalls ein Fahrrad der Marke Göricke, das er bis dahin restauriert in Steinfeld wieder zur Schau stellen möchte. „Das ist ungefähr im Jahre 1904 hergestellt worden, wenn man die Rahmennummer für die Altersbestimmung hinzuzieht“, schätzt Stuckenberg.

Faible für Fahrräder entwickelt sich schon als Kind

Der 43 Jahre alte gebürtige Dammer habe nach eigenen Angaben ein persönliches „Faible für Fahrräder“. Schon im Alter von jungen 3 Jahren brachten ihm seine Eltern Marlies und Erwin Stuckenberg das Fahrradfahren im Dammer Stadtteil Clemens-August-Dorf bei. „Mein Opa hat sich nach dem Krieg als erstes ein Fahrrad der Marke Göricke gekauft“, schwelgt Stuckenberg in nostalgischen Erinnerungen. „Ich habe das gute Stück aus dem Jahre 1953 geerbt und aufwendig restaurieren lassen“, was Stuckenbergs Herz höher schlagen lässt. Seither habe das Schmuckstück sogar seinen Ehrenplatz in seiner guten Stube.

Herren schrauben mit Herzblut

Stuckenberg ist Gründungsmitglied des Göricke Fahrradclub Damme. Hier erlebt der „gute alte Drahtesel“ eine Renaissance – zumindest der der Marke Göricke. 6 junge und jung gebliebene Männer aus Damme und Holdorf haben vor 5 Jahren den Göricke Fahrradclub Damme in ins Leben gerufen. Mit viel Herzblut schrauben und werken die Herren an alten Fahrrädern der ehemaligen Firma Göricke aus Bielefeld, sind begeisterte Radfahrer, fachsimpeln regelmäßig gemeinsam und lassen die gute alte Zeit des „Drahtesels“ wiederaufleben.

Gemeinsamer Ausritt auf uralten Drahteseln

Ein Rückblick in die Geschichte der Marke Göricke: Vor fast 150 Jahren gründete August Göricke am 24. Dezember des Jahres 1874 seine Maschinenfabrik und stieg im Laufe der Zeit als einer der bedeutendsten Fahrradhersteller in ganz Deutschland mit insgesamt über 8 Millionen verkauften Zweirädern empor. 1964 wurde die Firma dann an die Pantherwerke AG verkauft. Nachfolgeräder firmieren seitdem unter dem Namen Göricke und Panther. Das Sextett hat sich auf die Fahnen geschrieben, „Altes zu bewahren“. Alle 4 bis 6 Wochen starten die Frischluftfans einen gemeinsamen „Ausritt“ – standesgemäß ausschließlich auf ihren uralten Göricke-Drahteseln.

"Mittlerweile bin ich auf der Suche nach allem, was mit Göricke zu tun hat."

Peter Stuckenberg schildert seine Sammelleidenschaft

Ein motorisiertes E-Bike mit Hilfsantrieb lehnen alle Fahrradfreunde unisono kategorisch ab. „Das geht ja gar nicht. Da fehlt der Kultstatus komplett“, betont Stuckenberg, der seine Lehre als Maschinenbaumechaniker bei Metallbau Böckmann in Holdorf absolviert hat. „Mittlerweile bin ich auf der Suche nach allem, was mit Göricke zu tun hat“, schildert Stuckenberg seine Sammelleidenschaft. Sein Herrenfahrrad aus dem Jahre 1904 habe eine „abenteuerliche Weltreise“ hinter sich: Das deutsche Fabrikat sei lange Zeit in Schweden gefahren worden und gelangte irgendwie auf einen Motorradmarkt in Dänemark, wo es ein Niederländer im Konvolut mit Motorrädern gekauft habe. „Ich habe es dann von ihm aus Amsterdam abgeholt und nach Deutschland zurückgebracht“, freut sich Stuckenberg über seine historische Errungenschaft. Er halte akribisch Ausschau nach Rädern, Ersatzteilen und historischen Sammlerobjekten der einstigen Weltmarke.

Es geht auch ohne Fahrzeuge

Wenn er dann doch mal nicht mit einem seiner mittlerweile 20 Göricke-Fahrrädern unterwegs ist, fährt Stuckenberg seine scheckheftgepflegte E-Klasse von Mercedes. Sein V8-Modell „W124 E 420“ aus dem Jahre 1993 diente seinerzeit als standesgemäßes Diplomatenfahrzeug in der Schweiz. Ganz ohne Fahrzeuge geht es bei ihm allerdings auch – gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Marina, mit der er seit nunmehr 5 Jahren liiert ist, und den beiden Dackeln Rudi und Benny beim Spazierengehen.

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