„Es gibt zwei Themen auf der Welt, bei denen alle Menschen mitreden können: Freude und Trauer“, erklärt Peter Rörsch aus Vechta auf die Frage, warum wir Tränen brauchen. „Wir alle kennen seit unserer Kindheit Trauer, ob es das erste verlorene Plüschtier oder das verstorbene Haustier ist – anschließend haben wir wochenlang getrauert“, führt er in ein hoch komplexes Thema ein. Denn Rörsch ist ausgebildeter Sterbebegleiter und zertifizierter Trauerbegleiter mit großer Basisqualifizierung.
Schon mehr als 600 Trauergespräche
„Manche Gespräche dauern bis zu über zwei Stunden“, sagt der Trauerbegleiter, der sich seit über 10 Jahren ehrenamtlich in der Trauerarbeit engagiert und bereits über 600 solcher Gespräche mit Trauernden geführt hat. Mittlerweile gibt der 73-Jährige seine Erfahrungen und sein Wissen weiter: Er schult Ehrenamtliche für die Mitarbeit im Hospizdienst. Rörsch selbst war Vorstandsmitglied und sechs Jahre Vorsitzender des ambulanten Hospizvereins Damme, ist Mitglied im Ethikrat des Krankenhauses St. Elisabeth in Damme und im Forum für Identität und Ethik des Landes-Caritasverbands für Oldenburg.
Seit 2007 Mitglied im Hospizverein
Warum beschäftigt er sich überhaupt so intensiv mit Trauer und Tod? „Meine Ehefrau Christel hat eine Ausbildung in der Sterbebegleitung mitgemacht, ein Jahr später bin ich ihr auf diesem Wege gefolgt“, erklärt Rörsch, der selber auch beim Tod seiner eigenen Mutter dabei gewesen ist, die im Alter von 83 Jahren stirbt. „Das ist für mich einer der Gründe gewesen, um mich überhaupt näher mit dem Thema „Tod“ zu beschäftigen“, blickt Rörsch zurück, der seit 2007 Mitglied im Hospizverein Damme ist. Über seine Arbeit mit Trauernden hat er im Oktober dieses Jahres sein Erstlingswerk „Resonanz in der Trauerbegleitung“ veröffentlicht. Mit seinem Buch wolle er Menschen „einen Ratgeber“ an die Hand geben, die Trauernde begleiten. Es sollte ursprünglich den Titel „Trauernde haben anderen Trauernden viel zu sagen“ tragen, erläutert der Verfasser den Schaffensprozess seines Werkes.
Buch liefert keine Rezepte, aber Anregungen
Sein 248 Seiten starkes großformatiges Praxisbuch solle „keine Rezepte bieten, aber Anregungen“, beschreibt der Autor seine Publikation, die er in erster Linie für Kolleginnen und Kollegen von ihm geschrieben hat – also für Menschen, die ebenso wie er andere in ihrer Trauer begleiten, aber auch für Trauernde selbst sei es verfasst. Die Aufgabe einer Trauerbegleitung sei „zu begleiten“. Damit sei jedoch weder nebenherzulaufen noch eine Richtung vorzugeben gemeint, sondern „mitzugehen“ und aktiv zuzuhören. Begleitung von Trauernden setze auf ein „Mitgehen und Stützen, wenn sie wanken“ und „gehört und ernst genommen werden in ihrem Schmerz und ihrer Wut“, so der Buchschreiber.
"Gut gemeinte Ratschläge, sind manchmal eben auch Schläge, die weh tun."
Peter Rörsch
Das alles geschehe auf „sich berühren lassende, liebevolle“ Art und Weise, erläutert Rörsch den titelgebenden Begriff „Resonanz“. Der Autor thematisiert auch die „Hilflosigkeit der anderen“, unbedingt zu Trauernden etwas sagen zu wollen. „Gut gemeinte Ratschläge, sind manchmal eben auch Schläge, die weh tun“. Er wünscht sich, dass sich Trauernde nicht für Tränen rechtfertigen müssen. Denn: „Trauer ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, möchte der Autor seiner Leserschaft vermitteln. Er bietet in dem Buch kreative Anregungen für Trauerarbeit an. Ob Backen, Holz hacken oder einfach in den Wald zu gehen, um seine Trauer herauszuschreien und einen Umgang mit ihr zu finden: „Es gibt nichts Verrücktes. Es geht alles“, ermuntert er.
Individuellen Trauerweg finden
Wie kommen Trauernde – insbesondere im Trauermonat November – zurecht? „Als Trauerbegleiter weiß ich es nie besser. In der Regel findet der Trauernde selbst seinen ganz individuellen Trauerweg, auf dem ich ihn stützend begleite“, erläutert Rörsch. Übrigens trauern die Betroffenen im November nicht mehr und nicht weniger als in den anderen Monaten. „Es sind lediglich die Gedenktage des Novembers, welche die Erinnerung vertiefen. Schwerer zu bewältigen für die Trauernden sind Feiertage, Todestage und Geburtstage“, weiß Rörsch aus Erfahrung.
Gebürtig aus der Pfalz, Studium in Zweibrücken
Gebürtig stammt er aus Zweibrücken in der Pfalz, studiert die Fächer Deutsch und Geschichte an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und macht zusätzlich seinen Master in Schulmanagement. Die Gymnasien in Melle und Sögel, die Deutsche Schule in Paris sind Stationen des Pädagogen, ehe er die stellvertretende Schulleitung an der Liebfrauenschule in Vechta und anschließend die Schulleitung des Gymnasiums Damme übernimmt. Als Ausbilder für das Niedersächsische Landesamt für Schulleiter gibt er sein Wissen an Kollegen weiter. Die letzten 7 Jahre bis zu seiner Pensionierung führt er das Gymnasium Antonianum in Vechta als Schulleiter.
Geschichte, Kultur und Literatur als Steckenpferde
„Literatur, Kultur und Geschichte sind mir schon als Schüler so wichtig gewesen, dass ich meine Studienfächer danach gewählt habe. Da mir die Beziehung zu Menschen vorrangig waren, beschloss ich, nicht den wissenschaftlichen, universitären Weg einzuschlagen, sondern den in Richtung Lehramt“, blickt Rörsch auf seinen Werdegang zurück, der auch heute noch einmal die gleiche Entscheidung treffen würde. „Der Beruf des Lehrers ermöglicht immer die Beziehung zu jungen Menschen. Auch das gegenseitige Lernen schätzte ich im Verlauf der Zeit immer mehr!“
4 Kinder, 6 Enkelkinder
Privat ist der pensionierte Pädagoge seit 50 Jahren mit Ehefrau Christel verheiratet, hat 4 erwachsene Kinder und 6 Enkelkinder. Rörsch ist ein begeisterter Rennradfahrer. Er liest, schreibt und wandert gern. „Meine Lieblingsbücher wechseln. Eine Zeit lang waren es die Veröffentlichungen von Hanns-Josef Ortheil, im Moment ist es Robert Seethaler, dessen Romane mich fesseln“, verrät der Familienvater. „Nennen möchte ich von ihm „Ein ganzes Leben“, weil der Autor nachvollziehbar die Geschichten einfacher Menschen in ihrer Umgebung einprägsam schildert“, begeistert sich der Literat.
Spazierengehen oder mit Wohnwagen unterwegs
Mit seiner Ehefrau Christel bereist er gerne im eigenen Wohnwagen Frankreich und Italien. Mit ihr hält sich der Publizist und Trauerbegleiter auch bei kürzeren oder längeren Spaziergängen mental fit. „Da sie auch Sterbebegleiterin ist, kann ich mit ihr vieles klären und an die richtige Stelle setzen!“ Sein Buch „Resonanz in der Trauerbegleitung“ kostet 28 Euro und ist im Patmos-Verlag erschienen.