Wer bei Heinrich Engelmann in Vechta zu Besuch ist, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Denn der 77-Jährige besitzt eine Sammlung von antiken Uhren und automatischen Musikinstrumenten, die unweigerlich die Herzen höher schlagen lässt. Alle rund 300 Exemplare sind funktionstüchtig – und sehr viele davon sind Unikate oder sehr selten. Nicht nur als Sammler, sondern insbesondere als Restaurator tritt der Kreisstädter dabei in Erscheinung. Denn wenn die historischen Relikte in den Besitz Heinrich Engelmanns übergehen, funktionierne sie in aller Regel (noch) nicht.
Mit Hammer und Kneifzange aufgewachsen
Heinrich Engelmann wuchs quasi mit Hammer und Kneifzange auf, er hatte immer Spaß am handwerklichen Arbeiten, baute Seifenkisten und vieles mehr. Beruflich wollte er eigentlich Architekt oder Berufsschullehrer werden, ehe er von seinem Vater in 3. Generation die Leitung des familieneigenen Malerbetriebs übernahm und diesen bis zum Eintritt in den Ruhestand 2008 führte.
Das Uhrenmuseum in Furtwangen weckt die Leidenschaft
Heinrichs Engelmanns Leidenschaft für historische Uhren nahm 1980 bei einem Familienurlaub mit Ehefrau Annelene und Tochter Sigrid im Schwarzwald ihren Anfang. „Wir haben das Uhrenmuseum Furtwangen besucht. Da hat es mich erwischt und ich musste nochmal ins Museum und mir alles in Ruhe anschauen.“ Als erstes setzte er eine Kuckucksuhr vom eigenen Dachboden instand. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Sammelleidenschaft bei Heinrich Engelmann. Gerne erinnert er sich daran, in den 90ern mit 14 Uhren von einem Antiquitätenmarkt in Furtwangen heimgekehrt zu sein. Seine erste Sammlung – rund 400 Exemplare – verkaufte Heinrich Engelmann 2015 an das Junghaus Terrassenbau Museum. Dort sind die Exemplare auf 4 Etagen in der Ausstellung zu sehen.
Räume füllen sich sehr schnell wieder
Doch die Räume im eigenen Heim haben sich sehr schnell wieder gefüllt. Uhren von 1750 bis 1900, Musikautomaten von Polyphon, Symphonion, Komet und Regina sowie Spieldosen mit bis zu 244 Tönen nennt der Vechtaer sein Eigen. Die Exemplare, gekauft oder ersteigert, stammen aus Deutschland, Österreich, England oder Frankreich. Exemplare aus der Mitte des 18. Jahrhunderts aus Frankreich, Uhren aus den früheren deutschen Kolonialländern oder „Knödelesser“ oder „Rattenfresser“ genannte Werke aus dem Schwarzwald: Die Vielfalt ist nahezu grenzenlos.
Engelmanns Buch stößt auf große Resonanz
2012 brachte der Vechtaer sein Werk „Schwarzwalduhren – Sammeln, Restaurieren, Bewahren“ heraus, das internationale Aufmerksamkeit erhielt und Heinrich Engelmann viele neue Kontakte ermöglichte. So wurde das Werk unter anderem nach Japan und Israel verkauft. 42 Exemplare gingen in die USA, wovon 3 im nationalen Watch- and Clock-Museum landeten.
"Es geht darum, den Originalzustand wieder herzustellen – mit Materialien und Farben aus damaliger Zeit."
Heinrich Engelmann
Ob Technik, Materialien oder weitere Besonderheiten: Heinrich Engelmann kann zu dem jedem Gerät eine Geschichte erzählen. Beim Restaurieren kommt es auf Authentizität an: „Es geht darum, den Originalzustand wieder herzustellen – mit Materialien und Farben aus damaliger Zeit.“ Sein Wissen und Können hat Heinrich Engelmann sich selber angeeignet. „Das war learning by doing. Ich habe großes Interesse an diesen Dingen, die Geräte auseinandergebaut, geschaut, wie sie funktionieren und wieder zusammengebaut.“ Heinrich Engelmann bezeichnet sich nicht als Bastler, sondern als Kunsthandwerker.
Viele spezielle Werkzeuge und Maschinen nötig
In seiner Werkstatt verfügt Heinrich Eneglmann über viele spezielle Werkzeuge und Maschinen, um zum Beispiel Zahnräder exakt nachmachen zu können. 2 Drehbänke, eine Drechselbank, eine mehrfach kombinierte Tischlermaschine und eine Fräse für Metall kommen zum Einsatz. Zudem hat der Kreisstädter alle Edelhölzer eingelagert. Viele Stunden liebevolle Detailabeit sind bisweilen für ein Gerät nötig. „Eine kombinierte Flöten- und Hackbrettuhr von Zimmermann um 1800 hat bisher am meisten Arbeit gemacht.“
Ausstellung erstreckt sich über 5 Räume
Heinrich Engelmann ist täglich in seiner Werkstatt anzutreffen, er schätzt, dass er ungefahr 20 Stunden in der Woche mit seinem Hobby verbringt. Die Ausstellung erstreckt sich über 5 Räume, die früher als Garage oder zum Wohnen genutzt wurden.
"Es ist ein tolles Gefühl, eine antike Uhr wieder zum Leben zu erwecken. Das ist vielleicht vergleichbar mit einem Autoschrauber, der den Motor wieder in Gang gesetzt hat."
Heinrich Engelmann
„Man muss diese Dinge lieben“, sagt Heinrich Engelmann, dem auch die Musik der Uhren sehr gefällt. „Es ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Denn viele Gedanken sind damit verbunden“, sagt er mit einem Lächeln und ergänzt: „Es macht Spaß, man sieht die Erfolge.“ Heinrich Engelmann freut sich, einen Beitrag für die Kultur zu leisten. Er sagt: „Es ist ein tolles Gefühl, eine antike Uhr wieder zum Leben zu erwecken. Das ist vielleicht vergleichbar mit einem Autoschrauber, der den Motor wieder in Gang gesetzt hat.“