Traurednerin Kristina Vohsmann: „Auch ich werde schon mal emotional“
Die Garrelerin begleitet Paare bei ihrer freien Trauung. Der Promenade hat sie erzählt, wem sie ihren heutigen Beruf verdankt – und warum Distanz dabei eine große Rolle spielt.
„Ich mache das mit Herzblut“, sagt Kristina Vohsmann über ihre Tätigkeit als freie Rednerin. Foto: Madita Neteler
Die Hochzeit zählt zweifelsohne zu einem der besonderen Tage im Leben. Eine schöne Zeremonie, ein festlicher Rahmen mit Familie, Verwandten und Freunden, eine tolle Location und eine unvergessliche Feier. Das ist der Traum vieler Paare, die den Rest ihres Lebens miteinander verbringen möchten. Viele denken in diesem Zusammenhang an die standesamtliche Hochzeit und eine kirchliche Trauung. Eine Alternative dazu bieten freie Trauungen: Zeremonien ohne religiösen Rahmen und ohne rechtliche Formalitäten, die mit vielen Emotionen, Persönlichkeit und Individualität gestaltet werden.
„Ich mache meinen Job mit Herzblut.“
Kristina Vohsmann, Freie Traurednerin
Die PROMENADE hat sich darüber mit Kristina Vohsmann unterhalten. Seit einem Jahr ist sie freie Rednerin und begleitet Paare an „ihrem besonderen Tag“. Für die Garrelerein, die durch ihren Vater – er ist Diakon in Garrel – schon immer einen großen Bezug zu kirchlichen Festen und auch zu Trauungen hatte, war es eine Eingebung. „Der Wunsch danach war plötzlich da“, erzählt sie. Nachdem der Gedanke zunehmend reifte, hat die hauptberufliche Lehrerin eine IHK-zertifizierte Weiterbildung zur freien Rednerin beim Redekunstwerk in Georgsmarienhütte absolviert. Seither hat sie große Freude daran, gemeinsam mit den Paaren bei ihrer freien Trauung eine schöne und unvergessliche Zeremonie zu gestalten.
Unbegrenzte Möglichkeiten: Das Tolle an freien Trauungen sei der große Gestaltungsspielraum - unter freiem Himmel an jedem Ort, den sich das Paar wünscht, sagt Kristina Vohsmann. Foto: Christine Schwarze
Zunächst führt Kristina Vohsmann ein unverbindliches Kennenlerngespräch. „Es ist wichtig, dass die Chemie zwischen mir und dem Paar stimmt und es eine gewisse Harmonie gibt. Schließlich ist es ein emotionaler und persönlicher Tag“, sagt sie. Deswegen legt sie auch sehr großen Wert darauf, das Paar bei diesem Termin persönlich zu treffen.
Anschließend führt sie dann das Traugespräch. „Hier erzählen mir die Paare ihre Geschichte, wie sich kennengelernt haben, was sie verbindet, welche Hobbys und Leidenschaften sie haben - und vor allem, was sie sich für ihre Trauung wünschen.“ Daraus verfasst Kristina ihre Rede. „Dabei schaue ich, ob ich ein Thema oder einen Rahmen passend zum Paar einfließen lassen kann“, erzählt sie.
„Everything is possible“: Bei einer freien Trauung gibt es keine festen Regeln; auch nicht, wenn das Paar Getränkewünsche während der Zeremonie hat. Foto: Christel Stock
Bei einem Pärchen, das Formel 1 affin war, hat Kristina ihre Liebesgeschichte wie ein Formel1-Rennen interpretiert. So ist jede Rede individuell auf eben dieses Paar abgestimmt. Dass die Paare alle unterschiedlich sind und es jedes Mal etwas Neues ist, macht es für Kristina besonders spannend. „Jedes Paar möchte die Zeremonie unterschiedlich gestalten. Mir macht das Spaß und ich finde es schön, sie an diesem schönen Tag zu begleiten. Ich bin dann wie eine ‚Freundin auf Zeit‘“, verrät sie.
So macht sich die Garrelerin immer viele Gedanken, um es perfekt zugeschnitten und persönlich abzustimmen. „Mir ist bewusst, dass ich mit meiner Rede bei dem Paar und den Gästen Emotionen auslöse“, erläutert sie ihre Motivation. Tolle, individuelle Dinge und Anekdoten fließen bei der Traurede sowie der gesamten Zeremonie ein. Dazu holt Kristina sich gerne auch Informationen bei den Familien und Freunden des Paares. Der Gestaltungsspielraum bei einer freien Trauung ist unbegrenzt. „Ich hatte auch schon eine Trauung, da haben das Paar und die Gäste während der Zeremonie einen Schnaps getrunken“, verrät sie.
Um noch kreativer zu werden, möchte sich die Traurednerin zukünftig weiter fortbilden.
Kristina Vohsmann ist mit einer Gruppe von anderen freien Redner*innen aus Nordwestdeutschland gut vernetzt. „Wir tauschen uns gut aus und vermitteln uns auch gegenseitig Aufträge“, erzählt sie. Auch wenn es nichts Offizielles ist, ist die Nachfrage nach freien Trauungen groß. „Alles ist möglich und die Paare können die Zeremonie, den Ort und den ganzen Tag nach ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen gestalten.“ Natürlich ist Kristina an dem Tag auch ein wenig emotional - das sollte sie auch, um eine schöne Zeremonie abhalten zu können. Aber sie behält immer eine „Grundsouveränität“. „Ich bewahre mir eine freundliche Distanz, um den Überblick zu behalten, denn meistens ist das Paar an dem Tag sehr emotional und nervös“, erzählt sie.
Bei einem Paar hat Kristina Vohsmann während der Zeremonie eine Erinnerungskiste mit ganz persönlichen Dingen gepackt. Foto: Christine Schwarze
Das Tolle an freien Trauungen ist, dass es keine „Regeln“ oder vorgegebenen Abläufe gibt. Everthing in possible. So ist eine freie Trauung auch eine schöne Möglichkeit, wenn Paare ihr Eheversprechen erneuern möchten, beispielsweise zur Silberhochzeit. Aber auch, wer bereits in erster Ehe kirchlich getraut wurde, und nun mit seinem neuen Lebenspartner eine feierliche Zeremonie abhalten möchte, kann sich für eine freie Trauung gerne an Kristina Vohsmann wenden.
„Ich mache das mit Herzblut und kann auch meine Erfahrung einbringen, schließlich bin ich selbst seit 25 Jahren glücklich verheiratet“, lächelt sie. „Für mich ist es eine Herzenssache“, sagt sie und freut sich auf noch viele nette Paare und ebenso schöne freie Trauungen.