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Seine süßen Kreationen sind in aller Munde

Vom „Nutella-Junkie“ zum Startupper: Jens Eschke betreibt mit seiner Frau Susan die Loeffelnuss GmbH in Goldenstedt. Produziert wird laktose- und palmölfreie Nuss-Nougat-Creme.

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Jens Eschke und eine seiner beiden Mahlmaschinen - Stückpreis: rund 25.000 Euro. Foto: Ferber<br>

Jens Eschke und eine seiner beiden Mahlmaschinen - Stückpreis: rund 25.000 Euro. Foto: Ferber

Jens Eschke hat kein Problem damit, über seine Sucht zu reden. Die "Drogen"-Beichte kommt dem Goldenstedter leicht über die Lippen. "Ich bin früher ein klassischer Nutella-Junkie gewesen. Ich habe Nutella geatmet, auch wenn ich nicht so aussehe. Ich konnte Schokolade und Nuss-Nougat-Creme essen, ohne, dass es ansetzte." Für den Vertriebler ist es ein abendliches Ritual. Wenn er von einer 500-Kilometer-Tour zurückkommt, gehört zur Beruhigung ein frisches halbes Brötchen, "dick mit Nutella drauf", zum Abschluss eines stressigen Arbeitstages dazu – "so wie andere sich vor den Fernseher setzen und ein Feierabendbierchen trinken".

Thema ist gegessen - aber nur vorübergehend

Doch dann macht sich vor 15 Jahren seine Laktoseintoleranz bemerkbar. "Es fing schleichend an, dass ich frische Milch nicht mehr trinken konnte, und wurde immer schlimmer, so extrem, dass heute minimale Spuren reichen, dass ich darauf reagiere", berichtet Jens Eschke. Was also tun? Die Ernährung umstellen? Veganer werden? Alternativen suchen - auch für das eigene Verlangen nach Nuss-Nougat-Creme? Der vorhandene Anbieter am laktosefreien Markt, MinusL, kann den 43-Jährigen nicht überzeugen - geschmacklich, aber auch wegen der Verwendung von Palmöl. Werden dafür doch große Teile des Regenwaldes abgeholzt. Zudem verträgt er die verwendete Rezeptur nicht wirklich gut. "Also habe ich das Ganze ad acta gelegt. Gedacht, Nuss-Nougat-Creme ist für mich gegessen, ich muss mich mit Marmelade befriedigen, was ich auch jahrelang getan habe."

Dann stolpert Jens Eschke im Internet über ein Rezept für die Alleskönner-Küchenmaschine Thermomix – für ihn (zunächst) der "Heilige Gral" auf dem Weg zur eigenen verträglichen Nutella-Mischung. "Ich habe angefangen zu experimentieren und relativ schnell feststellen müssen, dass das mit Nutella noch nichts zu tun hatte. Es ergab Margarine, die ein bisschen nach Schokolade schmeckt", erinnert sich Jens Eschke an die Anfänge. Damals geht es ihm, wie er zugibt, nur um die eigene Gierbefriedigung. Er googelt, liest, befasst sich intensiv mit Lebensmittelherstellung - völliges Neuland für den Vertriebler.

Das komplette Sortiment: Während die 130- und 260-Gramm-Gläser zu kaufen sind, werden die 45-Gramm-Gläser vor allem an Hotels geliefert. Fotos: FerberDas komplette Sortiment: Während die 130- und 260-Gramm-Gläser zu kaufen sind, werden die 45-Gramm-Gläser vor allem an Hotels geliefert. Fotos: Ferber

Einen entscheidenden Schritt weiter bringt ihn schließlich eine Sachgeschichte in der "Sendung mit der Maus". Dort wird die Technik in einem Backwerk erklärt, wie Grundzutaten auf eine Größe gemahlen werden, "sodass wir sie im Mund als Creme erfassen, und nicht mehr als sandig". Weitere Recherchen führen Jens Eschke zu einer indischen Maschine mit Mühlwerk, ein Edelstahltopf mit Steinwalzen drin, die die Zutaten bis zur gewünschten Feinheit zerkleinern.

"Es sind bestimmt 60 Kilo in den Müll geflogen, die man nicht essen konnte."Jens Eschke, Loeffelnuss Goldenstedt

Für den Goldenstedter beginnt eine monatelange Experimentierphase. Learning by doing, trial and error: "Es sind bestimmt 60 Kilo in den Müll geflogen, die man nicht essen konnte." Eschke muss lernen, dass es verschiedene Kakaosorten gibt - und unterschiedliche Nüsse. "Ich bin als Erstes in den Supermarkt gerannt und habe mir einen Beutel Nüsse gekauft und gedacht, die klopp' ich da jetzt einfach rein. Doch deutsche Nüsse sind gar nicht geeignet, weil sie zu wenig Ölgehalt haben." Nach einem halben Jahr etwa hat Jens Eschke Zutaten wie Haselnüsse, Kakao, laktosefreies Magermilchpulver sowie Sonnenblumenöl im richtigen Mischungsverhältnis vereint, das dem Nutella-Geschmack aus seiner Erinnerung nahe kommt.

Und damit ist der 43-Jährige nicht alleine. Im Freundeskreis ist seine Eigenkreation schnell in aller Munde. "Sie kam geschmacklich so gut an, dass Freunde und Bekannte auf mich eingeredet haben, du, lass' das nicht einfach im Schrank stehen, mach' da irgendwas draus." Jens Eschke folgt dem Rat.

Die Loeffelnuss GmbH & Co KG - Geschäftsführerin des Start-ups ist Ehefrau Susan - nimmt Gestalt an, vom ersten Tag an wird mit dem Lebensmittelamt in Vechta zusammengearbeitet. Der Verkauf via Online-Shop mit den Geschmacksrichtungen Haselnuss und Mandel läuft offiziell seit Juli vergangenen Jahres. Bis Anfang 2019 leistet die indische Maschine ihren Dienst an der Nuss-Nougat-Front, schafft aber nur ein Kilo in drei Stunden. Die Kapazitätsgrenze ist schnell erreicht. Heute produziert Jens Eschke zehn Kilogramm in 30 Minuten. Dafür hat er zwei größere Maschinen angeschafft - Stückpreis inklusive Anschluss: um die 25.000 Euro –, die in noch viel größerer Ausführung auch bei Branchenriesen wie Ferrero oder Lindt mahlen.

Frisch angebracht: Das neue Firmenschild. Foto: EschkeFrisch angebracht: Das neue Firmenschild. Foto: Eschke

Während Susan Eschke, die wie ihr Mann noch einen Hauptjob hat, die Online-Bestellungen annimmt, Päckchen packt und versendet, ist Jens Eschke für Produktion und Akquise zuständig. Produziert wird von freitags bis sonntags, 70 bis 80 Kilo pro Tag – mittlerweile im Keller "einer ehemaligen Fabrik eines namhaften Chips-Herstellers" an der Barnstorfer Straße. Kommt unter der Woche ein Auftrag rein, schmeißt Jens Eschke auch dann mal seine Maschinen an.

Ansonsten wird alles per Hand erledigt, etwa das Abfüllen und Etikettieren der 45-, 130- oder 260-Gramm-Gläser. Wobei: "Die Nüsse machen wir nicht mehr selber klein. Am Anfang haben wir tatsächlich geschlossene Nüsse bestellt und mit einem Nussknacker bearbeitet, aber das ist ab gewissen Mengen nicht mehr praktikabel. Da kriegen Sie einen Tennisarm", schildert Jens Eschke, der das Mahlen der Haselnüsse mittlerweile an seinen Thermomix delegiert hat. Bezogen werden sie vor allem aus der Türkei, während Eschke Kakao aus Südafrika und Südamerika ordert.

75 Prozent Verkauf über stationäre Stellen

800 bis 1000 Loeffelnuss-Gläser gehen im Monat raus. Während der Online-Handel, so Jens Eschke momentan etwa 25 Prozent des Absatzes ausmacht, laufe der Rest über stationäre Verkaufsstellen im Landkreis Vechta – etwa in Bäckereien, Metzgereien oder Hofläden, wo Zeit bleibe, das Produkt zu erklären. Mit dem neuen Rewe in Wildeshausen kommt nun auch ein Supermarkt hinzu. Zudem gebe es immer wieder neue Händleranfragen, die via Instagram oder anders auf Loeffelnuss aufmerksam werden. Das Marktpotenzial allgemein - Jens Eschke spricht von etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit Laktoseintoleranz - sei vorhanden.

Heißt aber auch: Die Arbeit wird mehr. Jens Eschke überlegt daher, eine 450-Euro-Kraft dazuzuholen. Er selbst komme an einen Punkt, wo seine (Frei)Zeiten aufgebraucht sind und er nicht mehr davon opfern könne - auch wenn er die Produktion am Wochenende durchaus genieße, dabei Musik höre und die Alltagslasten vergesse. Doch die Verstärkung muss passen. "Es ist nicht so, dass man die Zutaten reinkippt, einen Knopf drückt, nochmal drückt und die fertige Creme rauskommt. Das sind Labormaschinen, je nach Raumtemperatur haben Sie einen anderen Produktionszyklus was die Zeiten betrifft."

Noch, sagt Jens Eschke, sei Loeffelnuss ein teures Hobby und man könne nicht davon leben. Doch perspektivisch, wenn das Wachstum weiter anhält, will er sich nur noch um seine Nuss-Nougat-Creme kümmern. "Wir sind in den letzten vier Monaten stärker gewachsen als davor in einem halben Jahr. Es potenziert sich momentan." Daher wird bereits über eine weitere Maschine - für weiße Creme - nachgedacht.
Der Name Loeffelnuss hängt übrigens damit zusammen, dass "die ersten Cremes von den Leuten mehr gelöffelt als aufs Brötchen geschmiert wurden", erklärt Jens Eschke.


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