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Sarah Bokop serviert jetzt "Dinner Daheim"

Die Rechterfelderin, die jetzt in Senden bei Münster lebt, hat sich mit einem Mietkochservice selbstständig gemacht. Im Interview stellt die 26-jährige Lehrerin ihr neues Angebot vor.

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Da staunt sogar der Meister: Gourmet Johann Lafer begutachtet die Kochkünste von Sarah Bokop in der ZDF-„Küchenschlacht“. Am Ende holt sich die 26-Jährige den Wochensieg in der Adventsausgabe Anfang Dezember 2019. Foto: ZDF/Hertrich

Da staunt sogar der Meister: Gourmet Johann Lafer begutachtet die Kochkünste von Sarah Bokop in der ZDF-„Küchenschlacht“. Am Ende holt sich die 26-Jährige den Wochensieg in der Adventsausgabe Anfang Dezember 2019. Foto: ZDF/Hertrich

Im Dezember entschied Sarah Bokop eine Adventsausgabe der  ZDF-"Küchenschlacht" für sich. Mittlerweile kocht sie nicht mehr im Fernsehstudio, sondern in den Küchen ihrer Kunden im Raum Münster und im Landkreis Vechta. Im Gespräch mit OM online erläutert sie das Konzept des "Dinner Daheim", spricht über Fischfond in der Zabaione und rumzickende High-End-Induktionsherde.

Frau Bokop, als wir uns im Dezember unterhalten haben, haben Sie eine Adventsausgabe der "Küchenschlacht" im ZDF mit Ihrem Finalgericht Rehrücken im Strudelteig mit Preiselbeersauce und Maronen-Gnocchi mit Rosenkohl gewonnen. Was ist seitdem passiert?

Ich habe mein Referendariat als Biologie- und Erdkundelehrerin in Bergkamen beendet, relativ erfolgreich, nicht mit Biegen und Brechen. Dann war ich an einem Gymnasium in Münster mit einer vollen Stelle. Das war aber eine Elternzeitvertretung, die kurz vor den Sommerferien aufgehört hat. Und im Raum Münster gibt es tatsächlich wenig oder keine Stellen an Gymnasien, nur die für Elternzeitvertretungen. Die nächsten Stellen wären in Krefeld oder Duisburg gewesen, aber durch meinen Freund bin ich hier in Senden verwurzelt.

Da reifte die Idee vom Mietkochservice "Dinner Daheim" für private Veranstaltungen?

Ich hatte das schon länger überlegt, aber wie viele auch Angst vor der Selbstständigkeit. Eines Abends habe ich dann auf dem Sofa gesessen und mir ein Buch bestellt, wo drin steht, wie man Gründer werden kann. Dann habe ich den Schritt gewagt, das Gewerbe angemeldet, Flyer erstellt.

Wie funktioniert Ihr Angebot?

Die Kunden melden sich bei mir und wir vereinbaren einen Telefonberatungstermin oder eine persönliche Beratung. Dabei wird besprochen wie viele Personen bei der Veranstaltung zu erwarten sind, ob es ein Buffet oder ein Menü sein soll. Dann geht es ganz nach Kundenwunsch. Wenn er schon eine gewisse Vorstellung hat, was es geben soll, zum Beispiel ein Gericht, das er im Restaurant gerne isst und auch mal zu Hause essen möchte, koche ich das nach. Ich gebe aber auch Anregungen. Viele Kunden sagen: 'Ich mag italienisches Essen so gerne, was könntest du da vorschlagen?' Danach mache ich einen Kostenvoranschlag, schaue, wie groß der Aufwand ist, welche Lebensmittel ich einkaufen muss. Kurz vor der Veranstaltung rufe ich noch mal an und kläre ab, was an Geschirr gebraucht wird, was vorhanden ist.

Geschirr bringen Sie auch mit?

Teller nicht, da sage ich, was der Kunde organisieren soll, das klappt meistens auch ganz gut. In die Küche bringe ich aber alles mit an Messern, größeren Töpfen, Schalen und Gerätschaften wie Pürierstab oder Mixer.

Sie kochen das "Dinner Daheim" also direkt vor Ort?

Ich nutze die Küche des Kunden voll aus und finde mich da nach einer Viertelstunde spätestens auch gut zurecht. Meistens geht es um 9 Uhr los. Ich bringe die Lebensmittel, die ich kurz vorher einkaufe, mit und dann wird gekocht. Ich habe auch kein Problem damit, wenn, wie zuletzt bei einer Taufe, kleine Geschwister mal durch die Küche flitzen.

Sie kennen es ja von der "Küchenschlacht" und anderen Kochsendungen, in denen Sie waren, wenn Ihnen jemand am Herd zuschaut.

Ja. Was ich auch oft von den Kunden höre ist, 'irgendwie ist es komisch, gerade jemand anderes in meiner Küche zu sehen'. Aber sie gewöhnen sich schnell daran und finden es ganz toll.

Arbeiten Sie alleine?

Ja, bisher habe ich das immer alleine geschafft. Bei 15 bis 20 Personen mache ich Tellergerichte, Buffet ist bis maximal 60 Personen.

So könnte ein Dinner Daheim“ by Sarah Bokop aussehen: Zweierlei von der Maispoularde, mit lauwarmem Gemüse-Couscous und Joghurtdipp. Foto: privatSo könnte ein „Dinner Daheim“ by Sarah Bokop aussehen: Zweierlei von der Maispoularde, mit lauwarmem Gemüse-Couscous und Joghurtdipp. Foto: privat

Welche Gerichte haben Sie auf der Speisekarte?

Von Mexikanisch über Deutsch bis Asiatisch mache ich alles auf Wunsch. Ich habe auch öfter schon gebacken, frisches Brot. Vorkochen musste ich bisher noch nicht. Die Leute vertrauen mir, es läuft da viel über Mundpropaganda.

Ihren Mietkochservice bieten Sie ja vor allem für den Raum Münster und den Landkreis Vechta an. Wie waren dort bisher die Kundenwünsche? Eher deftig oder exotisch?

Es sind Kandidaten dabei, die auf jeden Fall eine klassische Variante haben möchten. Gerade im Raum Vechta ist es ja noch häufiger so, dass nicht jeder alles isst. Ich höre aber auch den Wunsch von Kunden, dass sie etwas haben wollen, was sie nicht jeden Tag essen. Bei der angesprochenen Taufe etwa gab es Pulled Chicken mit Brioche Bun Burger. Aber ich hatte eigentlich schon alles, von Ossobuco bis Vitello Tonnato.

Wenn ich jetzt sage, 'ich hätte gerne Würstchen mit Kartoffelsalat', würden Sie dafür auch kommen?

Das kommt darauf an. Wenn Würstchen mit Kartoffelsalat Teil eines Grillbuffets sind, mache ich das auf jeden Fall. Aber es muss sich natürlich für mich rentieren. Der Preis richtet sich immer auch nach der Anzahl der Personen. Innerhalb der Woche ist es einfacher und günstiger für wenige Personen zu kochen als am Wochenende. Da habe ich eher die Kommunionen, Hochzeiten und so weiter.

Wo kriegen Sie Ihre Rezepte her?

Ich schaue viel bei Instagram und YouTube rein, halte aber überall meine Augen offen. Und ich arbeite nebenher in Senden in einem Hofladen. Dort bestellen wir saisonales Gemüse und ich sehe, was es gerade gibt.

Was haben Sie aus den TV-Kochshows gelernt, das Ihnen bei der jetzigen Arbeit hilft?

Ich würde sagen das Improvisationstalent und die Ruhe zu bewahren. Ich habe einmal in einer Fernsehsendung für ein Dessert statt Weißwein leider den Fischfond gegriffen und in die Zabaione gekippt. Da musste ich improvisieren. Und bei einer Veranstaltung für 60 Personen hat der neue High-End-Induktionsherd mit sechs Platten auf einmal angezeigt 'Schwerer Elektronikfehler, bitte den Mechaniker anrufen'. Die Kundin hat dann überall Herdplatten besorgt und meinte zu mir irgendwann, 'wie können Sie denn jetzt eigentlich so ruhig bleiben?'.

Gibt es eine feste Zielgruppe für Ihr Angebot?

Nein, das geht querbeet. Es gibt die Gourmet-Interessierten, die zu Hause gerne mal ein Fine Dining haben würden. Das Angebot richtet sich aber auch an Familien, die zum Beispiel nicht unbedingt mit kleinen Kindern ins Restaurant gehen können. Aber auch an diejenigen, die sich einfach mal einen besonderen Abend mit Freunden gönnen wollen.

Sind Sie mit der bisherigen Resonanz aufs "Dinner Daheim" zufrieden?

Ja, in der letzten Woche hatte ich allein fünf Anfragen für verschiedene Arten von Feiern. Jetzt wird ja vieles draußen nachgeholt, man hat wieder Lust, einzuladen. Auch kleinere Candle-Light-Dinner kommen immer mehr und Anfragen aus dem Landkreis Vechta, zum Beispiel im August für eine Erstkommunion und eine Hochzeit.

Also verfolgt man auch hier Ihren Weg. Wie sind die Reaktionen aus der Heimat?

Durchweg positiv. Viele finden es toll, dass ich mich das getraut habe, und interessieren sich überhaupt sehr fürs Kochen.

Gibt es andere, die etwas Ähnliches wie Sie anbieten?

Nicht sehr häufig. Deutschlandweit habe ich ein paar Mietköche gefunden, aber in der Region noch nicht so. Dann eher in der Form von Catering. Ein paar Kollegen, die ich im Fernsehen kennengelernt habe, machen nun ähnliche Angebote.

Können Sie sich vorstellen, wieder als Gymnasiallehrerin zu arbeiten?

Ich halte die Augen auf jeden Fall offen. Wenn sich hier eine tolle Lehrerstelle ergibt, wäre ich nicht abgeneigt, vor allem auch mit Blick auf die Familienplanung. Der Job macht mir ja auch Spaß. Ich möchte nur nicht, dass ich mein Leben an den Lehrerjob anpassen muss. Ich möchte so leben können wie ich glücklich bin.

  • Info: Sarah Bokop ist erreichbar unter Telefon 0177/ 3461276, per E-Mail an dinnerdaheim@gmail.com oder bei Instagram (dinnerdaheim).

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