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Nebenrolle an Topf und Herd

Kolumne: Batke dichtet - Der 13. Juni ist der internationale Tag der verhinderten Köche. Dazu zählen auch diejenigen, die über weite Strecken des Lebens bekocht wurde.

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Es kann gelegentlich ganz amüsant sein, im Kalender der kuriosen Feiertage zu stöbern. Vor allem dann, wenn die meisten Corona-Alltagsgeschichten auserzählt sind oder man einfach keinen Bock mehr auf das Thema hat – so sehr es noch präsent ist. Schauen wir uns also mal den 13. Juni an. Es ist nicht nur der Namenstag von Antonius, Bernhard, Randolf und Bernhilde (Glückwunsch an alle, die so heißen!), sondern auch der internationale Tag der verhinderten Köche.

Wie so vieles an Unsinnigem wurde dieser zweifelhafte Ehrentag in den USA erfunden, dort steht der 13. Juni als "National Kitchen Klutzes of America Day" in den Registern. Es dreht sich dabei hauptsächlich um den "Klutz", der sich vom deutschen Wort "Klotz" ableiten soll. Im übertragenen Sinn ist damit ein Tölpel, Tollpatsch oder Trottel gemeint, und wenn man es dann auf das Wirken in der Küche überträgt, ahnt man schnell, wer damit gemeint sein könnte: Ich nämlich.

Kochen war nie mein Ding. Das liegt wohl daran, dass ich über weite Strecken meines Lebens bekocht wurde. Sei es von mir nahestehenden Personen oder in Mensen, Kantinen, Schnellimbissen oder Restaurants. Und es gab Zeiten, in denen ich auch die Vorzüge der Lieferdienste schätzen lernte. Wenn man also weiß, dass die Versorgung gesichert ist und man nicht am Hungertuch zu nagen hat, ist die Bereitschaft, Gemüse zu putzen, selbiges zu schnibbeln, einen fast schon ideologischen Kampf um das richtige Olivenöl (Nativ oder Dativ oder so) zu führen, eher gering ausgeprägt. Wobei: Manch edler Tropfen vom Olivenbaum ist so teuer wie ein 16 Jahre alter Single Malt, aber das nur am Rande.

"Dosenravioli ist mir dabei ebenso gewärtig wie allerlei Pottkieker-Eintöpfe, gern will ich auch die Mockturtle und die herzhafte Bihunsuppe erwähnen ..."Alfons Batke, Journalist

Jedenfalls ist der heutige Feiertag ein für mich gemachter. Wenn ich an die Studentenzeit und gemeinsames Kochen zurückdenke, war ich in der Regel für das Zerkleinern der Zwiebeln zuständig. Ein kreativeres Mitwirken wurde mir nicht zugetraut, und am Ende fügte ich mich meinem Hiwi-Schicksal.

Und wenn es auf Reisen in unterschiedlichen Prägungen darum ging, sich kulinarisch selbst zu versorgen, meldete ich mich schnell zu Wort und bot an: "Ich kümmere mich um die Getränke."

Freilich gab es auch Phasen, in denen man auf die Segnungen der Schnellküche angewiesen war: Dosenravioli ist mir dabei ebenso gewärtig wie allerlei Pottkieker-Eintöpfe, gern will ich auch die Mockturtle und die herzhafte Bihunsuppe erwähnen oder zahllose Tiefkühlpizzen, die sich mühelos mit persönlich geschätzten Beilagen wie Kapern, Sardellen, einer extra Streuschicht Käse oder aber als Highlight mit einem Spiegelei verfeinern ließen. Natürlich kam es auch immer auf das richtige Timing an. Denn in der Regel war es eher kontraproduktiv, wegzunicken – aus welchen Gründen auch immer -, wenn die Pizza im Backofen vor sich hin brutzelte. Insofern macht der verpflichtende Einbau von Rauchmeldern schon einen Sinn.

Egal, am 13. Juni ist der Tag der verhinderten Köche. Ich werde dabei an mich denken, und bin bereit, jedwede Art von Spott zu ertragen. Gleichwohl weiß ich, dass Teller und Magen nicht leer bleiben werden. Und denke schon voller Vorfreude an den 14. Juni: Es ist der Tag des Erdbeertörtchens.


Zur Person:

  • Alfons Batke (64) ist Journalist und lebt in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter: info@om-online.de.

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