Und? Wie ging es in letzter Zeit?
Die vergangenen Tage waren für mich sehr aufregend. Vor gut 2 Wochen hatte ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, am Königsschießen teilzunehmen. Als der Adler dann fiel, war die Euphorie natürlich groß. Sie hält, glaube ich, noch eine Weile an. Für mich ist das eine besondere Zeit, und ich freue mich schon auf meine Teilnahme als König am Jubiläumsschützenfest in Benstrup.
Was haben Sie sich einmal so richtig gegönnt?
Das war ein ganz einfacher Urlaub im Allgäu. Wir haben Verwandte besucht und sind die meiste Zeit in den Bergen gewandert. Dabei haben wir uns fernab der Touristenzentren gehalten. Das Wichtigste war aber, dass ich mein Diensthandy zu Hause gelassen habe. Das war Erholung pur.
Wenn Sie König von Deutschland wären: Was gehört als Erstes abgeschafft?
Das wäre dieses ewige Klagen auf hohem Niveau. Es gibt zweifellos Menschen im Land, denen geholfen werden muss, aber insgesamt geht es uns immer noch sehr gut. Trotzdem wird ständig alles schlecht geredet und nach dem Staat gerufen, wo vielleicht ein bisschen mehr Eigenverantwortung angebracht wäre. Deshalb bin ich auch so ein großer Fan von Vereinen und generell vom Ehrenamt. Da bricht gerade leider einiges weg, weil es sich die Menschen zu einfach machen. Was mich positiv stimmt, war der Einsatz während des Hochwassers in Löningen. Die ganze Stadt hat zusammengehalten, die alten Tugenden existieren also noch.
Welchen Traum werden Sie sich als nächsten erfüllen (können)?
Einen Traum habe ich mir ja gerade erfüllt. Nach 26 Jahren zum zweiten Mal Löninger Schützenkönig zu werden, ist etwas ganz Besonderes. Ansonsten habe ich mir abgewöhnt zu träumen und nehme das Leben, wie es kommt. Vom Aufschieben halte ich daher auch nichts. Ich würde mir aber wünschen, dass das Ehrenamt gesellschaftlich stärker wertgeschätzt wird, vor allem, wenn sich Jugendliche für andere engagieren.
Was tun Sie am liebsten?
Als gelernter Tischler arbeite ich natürlich gern mit Holz. Mit meiner Dekupiersäge stelle ich Figuren und andere Motive her. Das ist so eine Laubsäge für Faule, aber mir hilft das Hobby, um den Kopf frei zu bekommen. Außerdem kann ich Holz schlecht wegwerfen. Irgendwas lässt sich immer daraus machen. Die Geschichte meiner Heimatstadt interessiert mich ebenfalls sehr. Ich stamme ja aus einer alten Löninger Familie und sammele zum Beispiel alte Postkarten.
Welche Eigenschaften mögen Sie an sich selbst? Und welche nicht?
Ich bin keiner, der sich verkrümelt und stehe zu meiner Meinung. Zum Beispiel sind Glaube und Religion für mich nach wie vor ganz wichtige Fixpunkte in meinem Leben, auch wenn das die Gesamtgesellschaft heute anders sehen mag. Andererseits würde ich niemandem meinen Glauben aufdrängen. Da soll jeder nach seiner Façon glücklich werden. Allerdings sage ich oft zu schnell ja, wenn ich um etwas gebeten werde. Solange meine Gutmütigkeit nicht ausgenutzt wird, ist das aber in Ordnung.
Welche TV-Sendung mögen Sie am liebsten?
Historische Dokumentationen gefallen mir am besten. Satiresendungen schaue ich ebenfalls. Ich kann noch immer über die Witze von Otto Waalkes oder Paul Panzer lachen, weil beide es verstehen, mit Sprache zu spielen. Talk-Sendungen nerven mich dagegen meistens, vor allem, wenn darin Themen künstlich aufgeblasen werden.
Mit wem würden Sie sich gern einmal treffen?
Mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Vieles von dem, was in der Vergangenheit im Gesundheitswesen passiert ist, die Freigabe von Cannabis etwa, kann ich nicht verstehen. Da hätte ich einige Fragen an ihn.
Was würden Sie gern einmal wieder essen?
Nach dem Schützenfest ist eine kräftige Hühnersuppe immer das Beste. Ansonsten bin ich ein Fan von Eintöpfen und Saisonessen. Was ich nicht brauche, ist Spargel zu Weihnachten.
Welches Thema in der Zeitung hat Sie zuletzt am meisten beschäftigt?
Das waren leider die ausländerfeindlichen Gesänge auf Veranstaltungen wie dem Schützenfest in Bunnen. Es ist richtig, die Fälle ehrlich aufzuarbeiten und ich finde, dass der Präsident des Bunner Schützenvereins, Gregor Meyer, sich dabei hervorragend verhalten hat. Er hat klare Kante und zugleich Sensibilität nach allen Seiten gezeigt. Die überörtliche Berichterstattung, vor allem die der Zeitung mit den großen Buchstaben, war aber nicht immer fair. Es ist einfach nicht wahr, dass das ganze Zelt das Lied mitgegrölt hat. Trotzdem müssen wir gerade bei den jungen Leuten mehr Aufklärung betreiben. Das betrifft vor allem den Umgang mit Worten.
Zur Person:
- Matthias Hölzen ist seit Montag Schützenkönig des Schützenvereins Löningen.
- Der 54-jährige Tischler arbeitet als Hausmeister an der Gutenbergschule.
- Zudem übt er zahlreiche Ehrenämter aus, ist Pfarreiratsvorsitzender der katholischen Kirchengemeinde St. Vitus, Mitglied im Pastoralrat des Offizialats, Vorsitzender der Lagegemeinschaft und Vorstandsmitglied seines Schützenvereins.
- Daneben entwickelt er zusammen mit anderen Ex-Spielern Fußball-Förderkonzepte im NFV-Kreis Cloppenburg.