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Der Wind ist Niklas von der Assens Sache

"Mensch der Woche" Der 38-jährige gebürtige Steinfelder ist Universitätsprofessor an der RWTH Aachen.

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Niklas Vincenz von der Assen ist jetzt Universitätsprofessor in Aachen. Von seinem Vater, dem Steinfelder Künstler Nikolaus von der Assen, hat er für seine neue Professur das Ölgemälde „Wissenschaft schafft Wissen und beginnt mit Neugierde und Mut“ geschenkt bekommen. Foto: Röttgers

Niklas Vincenz von der Assen ist jetzt Universitätsprofessor in Aachen. Von seinem Vater, dem Steinfelder Künstler Nikolaus von der Assen, hat er für seine neue Professur das Ölgemälde „Wissenschaft schafft Wissen und beginnt mit Neugierde und Mut“ geschenkt bekommen. Foto: Röttgers

Wie erkundet ein Läufer seine neue Heimat am besten? „Na klar, laufend“, erklärt Niklas Vincenz von der Assen sein Projekt „Straße für Straße“. Der ehemalige Steinfelder und Sohn des bekannten Künstlers Nikolaus von der Assen ist berufsbedingt nach Aachen gezogen und hat im vergangenen Jahr sämtliche 1500 Straßen seiner neuen Wahlheimat „erlaufen“. In der Summe sind das 1113 Kilometer. Als „Inspirationsquelle“ und läuferisches Vorbild dient dem Neu-Aachener der US-Amerikaner Rickey Gates. Jener passionierte Läufer rennt durch seine Heimatstadt San Francisco und löst damit in der weltweiten Läuferszene einen „regelrechten Hype“ aus.

Abenteuerlust und Lauffreude

Der 38 Jahre alte von der Assen verbindet seine „Abenteuerlust und Lauffreude“ darüber hinaus mit einem sozialen Projekt. Das Mitglied beim Turnverein Refrath ruft nämlich gleichzeitig zu einer Spendenmission unter anderem zugunsten der Kinder aus der Ukraine von unicef, „Menschenrechte ohne Grenzen“, „Jedem Kind ein Pausenbrot“, eine Aktion von „breakfast4kids“, und Essenstafeln in Aachen auf. „Laufen ist meine Leidenschaft“, so der Marathon-Läufer, dem es 2019 zum ersten Mal gelingt, die 42.195 Meter lange Strecke in unter 3 Stunden zu überwinden: Nach exakt 2 Stunden, 55 Minuten und 50 Sekunden läuft der Marathon-Meister des Leichtathletik-Verbands Nordrhein beim 23. Köln-Marathon ins Ziel. „Nur die letzten Kilometer kam ein störender Wind auf und die Beine wurden schwer“, blickt von der Assen zufrieden auf das „schöne Gefühl von brennenden Oberschenkeln“ zurück.

Wind und erneuerbare Energien als Steckenpferde

Mit Wind und erneuerbaren Energien kennt sich von der Assen auch von Berufswegen bestens aus: Niklas von der Assen ist im Mai 2022 vom Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen), dem Universitätsprofessor Dr. Dr. Ulrich Rüdiger, auf Lebenszeit zum Universitätsprofessor berufen worden und zum Leiter des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik (LTT) ernannt worden. Der junge Professor von der Assen hat nach seinem Abitur im Jahr 2004 am Vechtaer Kolleg St. Thomas Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften bereits an der RWTH Aachen auf Diplom studiert.

Aufbau und Leitung einer Forschungsgruppe

Im Rahmen seiner anschließenden Promotion am LTT analysiert er die stoffliche Nutzung von Kohlenstoffdioxid (CO2) als Rohstoff für Polymere und Chemikalien hinsichtlich Thermodynamik und Nachhaltigkeit. Zeitgleich hat er die LTT-Forschungsgruppe „Life Cycle Assessment“ mit aufgebaut und geleitet. Von 2016 bis 2019 ist er in der Abteilung „Engineering & Technology“ der Bayer AG als Nachhaltigkeitsberater tätig. 2019 leitet er im Rahmen seiner Juniorprofessur „Sustainable Life Cycles in Energy, Chemical and Process Engineering“ die Forschungsgruppe Energiesystemtechnik am LTT.

Beauftragter für Nachhaltigkeit

Außerdem ist der ehemalige Steinfelder einer von 3 Rektoratsbeauftragten für Nachhaltigkeit und setzt sich insbesondere für einen nachhaltigen Betrieb der Hochschule ein. „Das ist quasi mein Steckenpferd, mit Technologien einen nachhaltigen Beitrag zum Klimawandel leisten zu können“, erklärt der Ex-Steinfelder seinen ganz persönlichen „Kompass“ für Forschung und Lehre. Seine Studenten hat der Universitätsprofessor zum Erkundungslauf eines Stadtteils von Aachen gleich mit auf die Straßen genommen. „Wir haben zuerst im Hörsaal ähnliche Probleme der Energietechnik mathematisch berechnet und dann draußen mit Papier und Stift gemeinsam die beste Route entwickelt, da wir möglichst wenig Straßen doppelt laufen wollten“, erklärt von der Assen Anwendungsbeispiele seiner Arbeit. Das Prinzip sei mit dem Zeichnen vom „Haus vom Nikolaus“ zu vergleichen, „wo man ja auch jede Linie einmal mit dem Stift abfährt, ohne abzusetzen und keine Linie doppelt malt.“

Beitrag zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit leisten

In seiner zukünftigen Forschung möchte er den „Aspekt der Nachhaltigkeit“ konsequent mit allen Bereichen der Thermodynamik-Forschung am LTT kombinieren. „Ziel meiner Forschung ist es, mit wissenschaftlichen Methoden einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit zu liefern“, vermittelt der Universitätsprofessor, für den es übrigens genauso eine „Premiere“ ist wie für seine rund 1000 Studenten der Fachrichtung Maschinenbau, im größten Hörsaal der Aachener Uni endlich wieder Vorlesungen zur Thermodynamik in Präsenz erleben zu können.

Klimaneutrale Glasherstellung

Aktuell forsche von der Assen nach eigenen Angaben an einer klimaneutralen Glasherstellung mittels Wasserstoff. Wie „nach Gold fischen im Ozean“ bezeichnet der Professor sein weiteres Vorhaben, Kohlenstoffdioxid der Industrieprozesse, wie sie bei der Herstellung von Zement und Stahl anfallen, aber auch in der Landwirtschaft entstehen, mittels „riesiger Ventilatoren“ wieder aus der Luft filtern zu wollen. „Es gibt erste kleine Prototypen“, verrät von der Assen. Privat ist der Neu-Aachener mit seiner aus Damme stammenden Frau Kathrin verheiratet und mit Malte (5 Jahre) und Moritz (7 Jahre) stolzer Vater von 2 Jungen, die ihrem Vater im Joggen und Wandern bereits nacheifern. Mehr zum sozialen Projekt des Professors gibt es unter: www.strasse-fuer-strasse.de.

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