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Bernhard Ruholl-Siemer springt gern durch die Wolken

Der Vechtaer ist mit 69 Jahren noch leidenschaftlicher Fallschirmspringer. Er ist davon überzeugt: Das Hobby hält ihn jung.

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"Fallschirmspringen hält jung":  Bernhard Ruholl-Siemer in Varrelbusch vor einem Glanzstück der Luftfahrt, einer Lockheed Electra aus dem Jahr 1937. Foto: Götting

"Fallschirmspringen hält jung":  Bernhard Ruholl-Siemer in Varrelbusch vor einem Glanzstück der Luftfahrt, einer Lockheed Electra aus dem Jahr 1937. Foto: Götting

In den sechziger Jahren lief im Vorabendprogramm der ARD eine Serie mit dem Titel „Sprung aus den Wolken“, die der Sender in den USA eingekauft hatte. Von den Bildern der Action-Sendung, die zunächst in Schwarz-Weiß und später in Farbe über den Bildschirm flimmerte, war ein Junge aus Vechta völlig fasziniert. Die Helden der Serie waren Ted McKeever und Jim Buckley, die gemeinsam eine Fallschirmspringer-Schule betrieben und darüber hinaus ihre professionellen Dienste für Einsätze aller Art anboten.

Dabei gerieten die beiden immer wieder in gefährliche Situationen oder kamen einem Verbrechen auf die Spur. Bernhard Ruholl-Siemer ließen diese Bilder der Freifallspringer nicht mehr los und er fasste schon in jungen Jahren einen Entschluss, der ihn sein Leben lang begleiten sollte. Auch er wollte den freien Fall und dann minutenlang in Richtung Erde schweben. Doch wie sollte man damals auf bezahlbare Weise an die Fallschirmspringerei kommen? In den Zeiten der Wehrpflicht war natürlich die Bundeswehr die erste Anlaufstelle für Interessierte.

„Ich springe, bis ich tot vom Himmel falle oder bis der Arzt ein klares Nein sagt.“Bernhard Ruholl-Siemer aus Vechta

Doch daraus wurde nichts, die Bundeswehr verlangte vorher eine Verpflichtungserklärung. „Die wollten mich als Wehrpflichtigen nicht springen lassen, sondern nur als Zetti“, bedauert Bernhard Ruholl-Siemer noch heute die Entscheidung des Militärs. Doch der junge Mann aus Vechta blieb hartnäckig. Seinen ersten Fallschirmsprung absolvierte er schließlich am 1. April 1973, mittlerweile sind es mehr als 1200 Sprünge geworden, und es sollen noch viele folgen. „Ich springe, bis ich tot vom Himmel falle oder bis der Arzt ein klares Nein sagt,“ ist sich Ruholl-Siemer sicher.

Auf die Vielzahl seiner Sprünge angesprochen, gibt der Vechtaer sich bescheiden. „Das ist doch nichts. Vom Weltklasseniveau mit 3.000 und mehr Sprüngen bin ich noch meilenweit entfernt. Dennoch darf er sich mit seiner Zahl heute schon als „Sky-Angel“ bezeichnen. Auch vom Alter her sei noch viel Luft nach oben – der älteste Springer in seinem Club sei immerhin 82 Jahre alt, betont der 69-Jährige. Dreh- und Angelpunkt seiner Aktivitäten in der Luft ist der Sprungplatz in der Nähe der Start- und Landebahn des Flugplatzes in Varrelbusch (Landkreis Cloppenburg). Hier verfügt die 70 Personen starke Fallschirmsportgruppe Wildeshausen (FSG) über eigene Hallen, Toiletten und ein Vereinsheim. Stationiert ist dort auch die vereinseigene Maschine vom Typ Cessna 206, die Platz für 5 Springer und einen Piloten bietet.

Wann immer es geht, nutzen die Aktiven jedoch den „fliegenden Schuhkarton“, einen „Pink Skyvan“ eines Unternehmens aus Österreich, der fast das ganze Jahr über in Europa unterwegs ist, um Fallschirmspringer abzusetzen. Vor wenigen Tagen feierte Ruholl-Siemer mit seinem Verein das 60-jährige Bestehen der FSG und bot Springern und Besuchern „einen Tag voller unvergesslicher Momente“. Er ist seit 5 Jahren der erste Vorsitzende des Vereins und freut sich grundsätzlich über interessierte Besucher, die den „Skydive“ in Varrelbusch aufsuchen, ob nun zum Jubiläum oder bei passender Gelegenheit während der Sprungsaison. Dabei versuchen er und seine Vereinskameraden natürlich auch, möglichst viele mit dem „Virus“ Fallschirmspringen zu infizieren.

Bernhard Ruholl-Siemer kann den Sonnenaufgang zwei Mal an einem Tag sehen

Einerseits über Information und Aufklärung, andererseits über einen der vielen, begehrten Tandemsprünge, die über Varrelbusch möglich sind. Von den räumlichen und technischen Möglichkeiten her ist der Stützpunkt so komplex ausgestattet, dass dort sogar die Lizenzausbildung für Springer erfolgen kann. Auch personell sei man gut aufgestellt, mit Lehrern, Tandemmasters, Fallschirmwart und eigenem Prüfer. Derzeit seien 6 Schüler in der Ausbildung. „Die Springerlizenz ist ungefähr so komplex wie ein Autoführerschein, auch die Kosten sind ähnlich,“ berichtet der Vorsitzende.

Die Ausbildung sei in Theorie und Praxis aufgeteilt und werde mit größter Sorgfalt ausgeführt. Die Zeitdauer sei ebenfalls mit einer Führerscheinausbildung zu vergleichen. Bernhard Ruholl-Siemer schwärmt übrigens vom Springen in den frühen Morgenstunden. „Mit der Maschine steigt man über 1500 Meter und überwindet die Erdkrümmung. Dabei sehe ich den ersten Sonnenaufgang. Nach dem Sprung und der Landung erlebe ich unten auf der Erde den Sonnenaufgang ein zweites Mal.“


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