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Barkeeper Malte Leppek bringt das Urlaubsgefühl bis vor die Haustür

Normalerweise steht Malte Leppek hinter der Theke von Onkel Willis Bar. Wegen der Pandemie ist das gerade nicht möglich. Cocktails mixt der Barkeeper trotzdem - und liefert sie aus.

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Für eine rauchige Note: Dieser Espresso-Martini wird von Malte Leppek mithilfe einer Smoke Gun veredelt. Foto: C. Meyer

Für eine rauchige Note: Dieser Espresso-Martini wird von Malte Leppek mithilfe einer Smoke Gun veredelt. Foto: C. Meyer

Wer kann dieser Vorstellung nicht etwas abgewinnen: Man sitzt gemeinsam mit Freunden in einer Bar. Es ist Abend, die Stimmung ausgelassen und die Lautstärke nimmt mit jeder Stunde zu. Die Eiswürfel schlagen geräuschvoll aufeinander, wenn die Freundin neben einem im Gespräch vertieft mit dem Strohhalm in ihrem Mojito herumrührt. Und dann wacht man auf und es ist immer noch Pandemie. Die Bars sind geschlossen, es gibt Kontaktbeschränkungen und professionell gemixte Cocktails sieht man höchstens in Serien abends auf dem Sofa.

Der Visbeker Barkeeper Malte Leppek kann zwar seine Bar Onkel Willi nicht aufmachen, aber leckere Cocktails möchte er seinen Kunden trotz des Lockdowns mixen. Deswegen bietet der 38-Jährige seit dem Beginn des zweiten Shutdowns Mitte Dezember einen Lieferdienst an. Auf Vorbestellung liefert Leppek frische Cocktails donnerstags bis samstags zwischen 18 und 23 Uhr aus. Kunden haben die Auswahl zwischen 15 verschiedenen Cocktails.

Abgefüllt werden die Getränke in Plastikbeuteln, die Leppek mit eigenen Stickern verziert. Es sind aber auch Lieferungen in Literflaschen möglich. Die komplette Bestellung verpackt der Visbeker in eine Kühlbox, in der die Kunden schließlich alles finden, was sie für einen guten Cocktail-Abend brauchen: Gläser, Strohhalme, Deko und selbstverständlich die Getränke. Am Tag darauf holt Leppek die Box wieder ab.

Trinkpäckchen für Erwachsene: So liefert der Visbeker Barkeeper seine Cocktails aus. Foto: privatTrinkpäckchen für Erwachsene: So liefert der Visbeker Barkeeper seine Cocktails aus. Foto: privat

Die Kunden stammen überwiegend aus dem Raum Visbek. Doch wer bestellt sich tatsächlich Party-Getränke, wenn keine Partys stattfinden dürfen? „Es sind schon kleinere Bestellungen“, verrät der Barkeeper. Beispielsweise habe er einmal 4 Pärchen beliefert, die einen gemeinsamen Abend über Video-Chat verbracht haben. Oder es habe eine Geburtstagsfeier in Form einer Autokolonne gegeben. Da habe Leppek die Cocktails an jedes einzelne Auto gebracht. Manchmal sei den Leuten auch einfach nach einem guten Getränk, wenn sie zu Hause sitzen, so der Barkeeper.

Da der Visbeker derzeit nicht wie gewohnt hinter der Theke in Onkel Willis Bar stehen kann, hat er sich während des Lockdowns prompt eine eigene in seinem Keller eingerichtet. Mittlerweile hat er dort ein eigenes Studio, in dem er die „Cocktails-to-go“ zaubert. „Ich wollte was zu tun haben“, sagt Malte Leppek im Hinblick auf seine berufliche Situation. Werbung für seinen Lieferdienst macht er ausschließlich bei Social Media. Die Resonanz sei gut, verrät der 38-Jährige.

95 Prozent weniger Einnahmen

Doch inwieweit macht sich sein Lieferdienst wirklich bezahlt? „Es ist schon ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Leppek. Das sei überhaupt kein Vergleich zu dem Geschäft in Onkel Willis Bar. So kommt es vor, dass er an einem Samstagabend etwa 50 Cocktails ausliefert, aber „an einem guten Abend im Willis gehen 300 bis 400 über die Theke“, sagt der Barkeeper über das Mengenverhältnis.

Tatsächlich habe er während des Lockdowns, so schätzt er, 95 Prozent weniger Einnahmen. Er lebe deshalb von Ersparnissen, die nach und nach „schmilzen“, wie er sagt. „Ich muss ganz kleine Brötchen backen.“ Zudem habe der Inhaber von Creative Bars kürzlich eine Hilfszahlung für Solo-Selbstständige erhalten. Dauerhaft lässt sich dieser Zustand aber nicht aufrechterhalten. „Wenn ich in den nächsten 2 oder 3 Monaten nicht wieder aufmachen kann, muss ich woanders arbeiten“, lässt Leppek wissen. Deshalb hofft er, dass er sein Angebot mit den mobilen Cocktails noch ausbauen kann und gibt sich zuversichtlich. „Ich halte den Lockdown aus, solange es muss.“

Übt seinen Beruf sehr gerne aus: Malte Leppek ist Barkeeper aus Leidenschaft. Foto: C. MeyerÜbt seinen Beruf sehr gerne aus: Malte Leppek ist Barkeeper aus Leidenschaft. Foto: C. Meyer

Dabei hat Leppek erst im vergangenen Sommer, nach dem ersten Lockdown, angefangen, in Onkel Willis Bar zu arbeiten. Im Frühjahr hatte er die Pächterin kennengelernt. So habe er sich daran gemacht, den Visbekern Cocktails auf „Großstadt-Niveau“ anzubieten, sagt er. „Mir war wichtig, dass das Personal auch dementsprechend geschult ist. Dass es auch etwas zu den Getränken sagen kann“, so Leppek. 8 Angestellte auf Mini-Job-Basis gebe es, die derzeit „mit den Füßen scharren“ und hoffen, bald wieder arbeiten zu dürfen.

Das Angebot sei sehr gut angekommen. Die Samstage seien im Sommer immer voll gewesen, sagt der Visbeker stolz. Dabei hätten ihm die Corona-Einschränkungen durchaus in die Hände gespielt. „Die Leute mussten ja reservieren“, sagt er. So habe es im Laden immer eine gemütliche Atmosphäre gegeben und keine sinnfreien Besäufnisse. Bis zum 2. Lockdown. Dann brach das Geschäft völlig weg. „Auf einmal war tote Hose. Total krass“, erinnert sich der Barkeeper.

Seit 20 Jahren habe er nicht mehr so viel Zeit zu Hause verbracht, sagt Malte Leppek und lacht. In seinem Beruf treffe er andauernd neue Leute. Das falle jetzt weg. Als Barkeeper sei er zudem schon viel rumgekommen. Angefangen habe er damit während seines Studiums in den Niederlanden. Da habe er nebenbei als Barkeeper gearbeitet. Das habe ihm schließlich so gut gefallen, dass er sich dachte: „Gut, das machst du weiter.“ Also hat er sich vor 8 Jahren selbstständig gemacht.

Leppek will mit Leistung überzeugen

Froh sei er darüber, dass er so eine gute Ausbildung bei einem Betrieb für Eventcocktails erhalten habe. Dort habe er viel gelernt, sagt Leppek. Viel Wissen habe er sich zudem selbst angeeignet. Da helfe auch Social Media, gesteht er. Zudem habe er in verschiedenen Bars in Großstädten gearbeitet. „Es hat mich einfach voll erwischt, Leute zufriedenzustellen“, sagt er. Er genieße es, wenn Leute sich darüber freuen, wenn sie etwas Gutes serviert bekommen. „Ein ehrlicher Umgang mit den Gästen ist mir wichtig.“

Ständig entwickle er sich weiter und in den Beruf richtig reinzukommen, das dauere Jahre. „Ich lerne gerne neue Sachen“, sagt der 38-Jährige. Er wolle vor allem mit Leistung überzeugen. Denn für ihn sei ein Barkeeper ein Dienstleister. „Ich weiß wohl, es gibt einige, die meinen, sie könnten dir ins Gesicht sehen und dir den passenden Cocktail servieren“, sagt Leppek. Aber er empfinde das als Bevormundung. Das gehe seiner Meinung nach zu weit.

Lieblingscocktail? Mai Tai!

Ihm macht sein Beruf auf jeden Fall Spaß und er blickt zuversichtlich in die Zukunft. Untätig ist der Visbeker nicht. Derzeit baut Leppek an einem eigenen Verkaufswagen, eine Art Anhänger für den mobilen Einsatz. „Ich rechne damit, dass es vorläufig keine großen Events gibt“, sagt er. Mit dem Wagen könne er sich vorstellen, auf kleinen Festivals, Hochzeiten oder Geburtstagen zu arbeiten. Denn: „Rumkommen ist total geil.“ Das werde er sicher nicht aufgeben.

Auch in Onkel Willis Bar möchte er gerne weitermachen. Er liebäugele sogar mit weiteren Läden in Visbek und Vechta. „In irgendeiner Weise mache ich wieder auf“, sagt er. Onkel Willis Bar möchte er zudem als Ausbildungsstandort begreifen. Die Mitarbeitenden sollen für den mobilen Einsatz angelernt werden. Daf��r setzt er auf einen hohen Standard. „Ich weiß, was in Bars erwartet wird“, sagt er selbstbewusst. Sein Wissen möchte er deshalb gerne weitergeben. Außerdem arbeite er gerne im Team.

Und welchen Cocktail trinkt der Profi selbst am liebsten? „Mein aktueller Liebling ist Mai Tai“, sagt Malte Leppek. „Das ist ein klassischer und ehrlicher Cocktail.“ Die Zubereitung verrate, wie wichtig dem Barkeeper das Getränk ist. Da sei Können gefragt. „Gute Barkeeper können so viel mehr als einen Sex on the Beach zu mischen.“

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