Viertklässler freuen sich über Unterricht
Unter strengen Hygieneregeln ging der Betrieb gestern wieder los. Auch der Aufenthalt auf dem Spielplatz bereitet Vergnügen. Ein Besuch in drei Schulen.
Giorgio Tzimurtas, Matthias Niehues | 05.05.2020
Unter strengen Hygieneregeln ging der Betrieb gestern wieder los. Auch der Aufenthalt auf dem Spielplatz bereitet Vergnügen. Ein Besuch in drei Schulen.
Giorgio Tzimurtas, Matthias Niehues | 05.05.2020

Philipp schaukelt nach Herzenslust. In dem großen Reifen geht es rauf und runter. Nach Wochen darf er wieder auf den Spielplatz seiner Schule. Er trägt Mundschutz. Die Schaukel, die sonst bis zu sieben Kindern Platz bietet, nutzt er allein. Wie auf dem gemeinsamen Spielplatz der Martin-Luther-Schule und der Alexanderschule in Vechta sind auch auf dem Gelände der Christophorusschule wieder Kinder, und zwar zwölf an der Zahl. Einige laufen umher, andere genießen um 10.15 Uhr stehend die frische Luft, ein Kind ist auf einem Gerüst mit Seilen. Sie tragen einen Mundschutz, halten Abstand zueinander. Es ist Montag, der 4. Mai. An den Grundschulen hat nach der wochenlangen Corona-Zwangspause landesweit der Unterricht in der Primarstufe wieder begonnen – vorerst nur für die vierten Klassen. Die anderen folgen gestaffelt. Die Erfahrungen des ersten Tags sowie Berichte über die Zeit zuhause im Überblick: „Wir hatten einen sehr beeindruckenden, ruhigen und tollen Start mit den Kindern“, sagt Anja Heckmann, Leiterin der Christophorusschule in Vechta. Als sie um 7.45 Uhr auf den Schulhof gekommen sei, „da standen dort die Kinder aufgereiht und hielten den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ein. Sie waren ganz ruhig“. Dann habe sie mit dem Konrektor die Kinder begrüßt und in die zwei Gruppen eingeteilt, wie es die Eltern zuvor per E-Mail erfahren hatten – über eine eigens angelegte Adresse, um den Kontakt zu erhalten. Dann sei es im „Entenmarsch“ ins Schulgebäude gegangen. Klebestreifen auf dem Boden geben hier, wie in den anderen Schulen, den Abstand vor, den Schüler zu ihren Kameradinnen und Kameraden zu wahren haben. Und das Aufhängen der Jacken geschah einzeln – wie auch der Gang ins Klassenzimmer. Dort war Händewaschen angesagt. Dann wurde der Hygieneplan erläutert. Aus Sicherheitsgründen, und um die Abstandsregeln zu gewährleisten, ist nicht die volle Schülerzahl zugleich präsent. Deshalb sind die beiden vierten Klassen der Christophorusschule in je zwei Gruppen geteilt. Und: Die Klasse 4A ist montags, mittwochs und freitags anwesend; die Klasse 4B dienstags und donnerstags. In der Woche darauf wechsele dieses Schema, „sodass wir auf fünf Tage Unterricht pro Klasse kommen“, sagt Heckmann. An den restlichen Tagen gebe es Homeschooling – das Lernen zuhause. Dieses System sei eine von vier Varianten, die das Kultusministerium zur Wahl gestellt habe. In den Schulen wird beispielsweise das Berühren von Türklinken vermieden. Die Türen der Schulklassen stehen offen. Reinigungsfirmen säubern Kontaktflächen öfter als üblich. Die Kinder sollen ihre Hände nur noch mit Papiertüchern abtrocknen, Spiele, bei denen Schüler in Kontakt miteinander geraten könnten, sind nicht gestattet. An der Christophorusschule ist zudem eine Plexiglasscheibe auf den Lehrerpulten installiert, damit auch aus der Nähe etwas begutachtet werden kann. Und: „Die Kinder dürfen Masken benutzen, wenn sie sich so sicherer fühlen“, sagt Heckmann. Lehrer würden einen Mund-Nasenschutz aufsetzen. Während des Unterrichts ist es in der Klasse 4b der Martin-Luther-Schule so leise wie sonst fast nie. Neun statt der üblichen 18 Schüler sitzen jetzt an den Tischen, der nötige Abstand soll so gewahrt werden. Maskenpflicht bestehe nicht, erklärt Schulleiterin Antje Nasch, die auch die Alexanderschule leitet. Dasselbe Bild zeigt sich in er Christophorusschule. Alle sind diszipliniert – und fleißig bei der Sache. Deutlich spürbar ist: Die Kinder sind froh, wieder in der Schule zu sein. Leider sei aber Fußballspielen noch nicht möglich, sagt ein Junge. Susanne Ahlers-Wübbeler, Vorsitzende des Stadtelternrats in Vechta und an der Christophorusschule, berichtet: Beide Schulen, an denen ihre drei Kinder seien, hätten während der Corona-Zeit „alles unheimlich gut organisiert“ – für das Lernen zuhause. Lehrer hätten Materialien in Tüten persönlich vorbeigebracht, mit liebevollen Begleitschreiben, seien telefonisch bei Fragen zu den Übungen immer zu erreichen gewesen. Es sei für viele Eltern aber eine Herausforderung, Homeoffice und Beistand bei den Schulaufgaben in den eigenen vier Wänden unter einen Hut zu bekommen. Und wenn Eltern außer Haus ihrem Job nachgehen müssen, sei der Kontakt des Kindes zum Lehrer umso wichtiger, sagt sie. An den Tagen, an denen die Viertklässler zuhause lernen, setzt die Christophorusschule auch die Lern-App „Anton“ ein – aber nur als freiwilliges Angebot, für Kinder, die weiterlernen wollen. Das Home-Schooling findet vorrangig mit klassischen Materialien satt – wie seit dem 22. April. Antje Nasch berichtet von einer Videokonferenz mit den Kindern via Smartphone, die habe „sehr gut funktioniert“. Am 18. Mai soll der Schulbesuch für die dritte Klasse wieder möglich sein. Am 25. Mai sollen weitere Jahrgänge in allen Schulformen folgen, wie das Kultusministerium gestern bekannt gab. Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Franz-Josef Meyer aus Langförden, mahnte: „Die Rückkehr weiterer Jahrgänge in die Grundschulen sollte nur auf der Basis der Erfahrungswerte der jetzigen Öffnung und unter genauer Beobachtung des Infektionsgeschehens mit genügend Vorlaufzeit erlaubt werden.“ Regionale Gegebenheiten seien dabei zu berücksichtigen. Auch Vechtas Bürgermeister Kristian Kater und die Erste Stadträtin Sandra Sollmann haben sich – da die Stadt Schulträger ist – mit den Corona-Herausforderungen beschäftigt, kennen die Probleme. „In Zukunft sollte nicht nur das Einhalten von Hygienevorschriften geregelt sein, sondern auch, wie das Lernen in einem Pandemiefall ablaufen muss“, fordert Kater. Er hofft, dass die Kinder über den jetzigen Unterrichtsablauf lernen, wie man sich derzeit auch im Alltag zu verhalten hat.Kurz vor Unterrichtsbeginn:

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Die Stadt:

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