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Sven Stratmann: "Die Menschen sprudeln nur so vor Ideen"

Der Kandidaten-Check von OM Online: Sven Stratmann (SPD) ist Bürgermeister der Stadt Friesoythe und will sein Amt über den 12. September hinaus behalten. Ideen für die Zukunft gebe es genug, sagt er.

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Geld für die Dörfer: Neuvrees ist eines der 14 Friesoyther Dörfer, die an der Sozialen Dorfentwicklung teilnehmen. Für die daraus entstehenden Projekte müsse die Stadt, so Bürgermeister Sven Stratmann, Geld aufbringen. Foto: Stix

Geld für die Dörfer: Neuvrees ist eines der 14 Friesoyther Dörfer, die an der Sozialen Dorfentwicklung teilnehmen. Für die daraus entstehenden Projekte müsse die Stadt, so Bürgermeister Sven Stratmann, Geld aufbringen. Foto: Stix

Der Kandidaten-Check von OM Online. In dieser Reihe stellen wir zur Kommunalwahl im September die Bürgermeister- und Landratskandidaten in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vor. Das Konzept: Einen thematischen Treffpunkt darf der Kandidat wählen, den anderen bestimmt die Redaktion. In dieser Folge: Friesoythes amtierender Bürgermeister Sven Stratmann im Talk mit Reporter Heiner Stix.

Seit 2014 ist Sven Stratmann (SPD) Bürgermeister in Friesoythe, im Rat sah er sich in diesen Jahren einer Mehrheit aus CDU und FDP gegenüber. "Da gab es natürlich auch mal harte Auseinandersetzungen", sagt er, "aber wenn dann ein Mehrheitsbeschluss gefasst ist, dann hat man das zu akzeptieren, auch wenn man anderer Meinung ist."

Von einer Niederlage will er deshalb mit Blick auf seine Pläne für das Friesoyther Schwimmbad Aquaferrum nicht sprechen. Eine Kita und eine Sporthalle wollte er dort ansiedeln, ein Sport- und Freizeitquartier in dem Areal etablieren. Die Kita steht jetzt 80 Meter entfernt auf der anderen Seite der Thüler Straße, die Sporthalle baut vermutlich der Landkreis auf einem Gelände am Albertus-Magnus-Gymnasium. Und auch aus der erhofften Aufnahme des Areals in das Städtebauliche Entwicklungskonzept ISEK wurde nichts. "Das ist am fehlenden Weitblick einiger Ratsmitglieder gescheitert", bedauert Stratmann.

Schwimmbad wird um Erlebniswelt und Bewegungsbecken erweitert

Um die Zukunft des Aquaferrums und des umliegenden Gebietes ist ihm dennoch nicht bange. Das Schwimmbad wird noch in diesem Jahr um eine Erlebniswelt für Kinder erweitert, auch ein Bewegungsbecken, von dem in erster Linie die Rheumaliga profitiert, ist in Planung. Für die Zukunft kann Stratmann sich zudem einen Skatepark für Jugendliche und eine Indoor-Spielhalle für Kinder auf dem Areal vorstellen. "Das wäre dann ein wirklich generationenübergreifendes Gebiet", sagt er.

Beim Rückblick auf seine Amtszeit ist Stratmann vor allem die Dorfentwicklung wichtig. "Wir haben 14 Dörfer in das Programm der sozialen Dorfentwicklung gebracht, so viele wie keine andere Kommune in Niedersachsen", sagt er. In der ersten Phase sei es darum gegangen, Ideen zu entwickeln, erste Maßnahmen umzusetzen und das Miteinander zu stärken. „Die Menschen sprudeln nur so vor Ideen“, hat er festgestellt. Jetzt komme der Punkt, große Projekte auf den Weg zu bringen.

Investitionen in die kommunale "Hardware"

Das Geld dafür müsse die Stadt, ergänzend zu den hoffentlich fließenden Fördermitteln, analog zur Innenstadtsanierung in den nächsten 8 Jahren aufbringen. "Die eine Hälfte unserer Bürgerinnen und Bürger lebt in der Ortschaft Friesoythe, die andere in den Dörfern drumherum", sagt er. Damit sei für ihn klar, dass für die Entwicklung der Dörfer die entsprechenden Summen einzuplanen sind.

"Mit der Innenstadtentwicklung haben wir im Stadtkern viel Geld in die Hardware investiert", so Stratmann. "Jetzt sind die weichen Faktoren dran: Kultur, Veranstaltungen, die Belebung des Einzelhandels, ein Wohlfühlklima, Gastronomie, einfach die Aktivierung der Innenstadt." Parallel dazu müsse in den Außenortschaften die Hardware als Basis für die weitere Entwicklung angegangen werden.

Insgesamt ist Stratmann mit der Entwicklung Friesoythes zufrieden. Im Bildungsbereich etwa gebe es inzwischen in fast allen Grundschulen ein Ganztagesangebot, die Digitalisierung in den Schulen komme voran, Schulbezirke seien etabliert, die Konfessionsgebundenheit der Grundschulen abgeschafft, die wichtigsten Baumaßnahmen abgeschlossen beziehungsweise in Gang oder – wie etwa in Altenoythe – in Planung. Die Baulandentwicklung und -vermarktung liege jetzt in städtischer Hand, der C-Port entwickle sich gut. "Ich denke, dass in 3 bis 5 Jahren alles das, was dort jetzt erschlossen wurde, auch bebaut ist", sagt er. "Bis auf wenige Flächen ist alles verkauft oder reserviert, für den Rest gibt es Interessenten."

Nachnutzung der Ludgeri-Schule steht an

Pläne, Ideen und Projekte für die Zukunft hat Stratmann nach eigenen Angaben genug. Natürlich stehe das Thema Wohn- und Gewerbeflächen in allen Ortsteilen oben auf der Agenda, immer mit dem Blick auf die Naturverträglichkeit und die Bedürfnisse der Menschen. Ein anderes Thema, die Nachnutzung der Ludgerischule, stehe demnächst ganz konkret an. "Auch hier kann man gut Generationen verbinden", ist er sich sicher. Einen Seniorentreff könne er sich dort vorstellen sowie Beratungsräume, Probenräume für Bands, eine Lehrküche, aber auch das Bildungswerk. Das wäre seiner Ansicht nach dort besser untergebracht als – wie geplant – im ehemaligen Burghotel. "Es tut vielen Friesoythern im Herzen weh, dass die letzte Schankwirtschaft jetzt nicht mehr da ist", sagt er.

Ein weiteres großes Projekt ist für Stratmann die Erlebbarkeit des Naturraumes. "Alle Friesoyther Orte sind irgendwie mit und durch Wasser verbunden", sagt er. "Die meisten Wasserläufe sind aber nicht erlebbar, werden vor allem nicht touristisch genutzt." In der Innenstadt gebe es erste Ideen für die Soeste, auch im Rahmen der Sozialen Dorfentwicklung spiele das Wasser immer wieder eine große Rolle. "Daraus kann ein richtiges Tourismuskonzept werden, das in ein umfassendes Marketingkonzept einzubinden ist", sagt er.

Vor allem aber gehe es ihm darum, was die Menschen vor Ort, in den Ortschaften jenseits neuer Wohnbaugebiete und ihrer Grundschulen brauchen. "An den Baugebieten sind wir dran und von den Grundschulen steht keine infrage", sagt Stratmann. Bei den weiteren Themen setzt er auch auf die Dorfbewohner, ihre Wünsche und Ideen. "Durch die soziale Dorfentwicklung sind die Bücher für die nächsten 8 Jahre voll", sagt Stratmann. "Das umzusetzen ist Tagesarbeit, und in der Tagesarbeit hat Parteibuchpolitik nichts zu suchen."


Zur Person:

  • Sven Stratmann ist 49 Jahre alt und seit 2014 Bürgermeister der Stadt Friesoythe.
  • Von 2011 bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister war er Mitglied im Friesoyther Stadtrat.
  • Von 1990 bis 2014 war Stratmann bei der Bundespolizei tätig, unter anderem an der deutsch-polnischen Grenze und bei der Bundestagspolizei.
  • Stratmann ist verheiratet, hat 3 Kinder und lebt mit seiner Familie in Friesoythe.

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