Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

So ist die Lage im Kriegsgebiet in der Ukraine

In Mariupol rücken prorussische Einheiten laut Moskau weiter vor. Bei der Evakuierung von Zivilisten aus der Stadt sollen erneut Schüsse gefallen sein.

Artikel teilen:
Eines der Hauptziele der russischen Streitkräfte: die Stadt Charkiw. Hier werden ukrainischen Angaben zufolge auch zivile Gebäude attackiert. Foto: dpa/Marienko/AP

Eines der Hauptziele der russischen Streitkräfte: die Stadt Charkiw. Hier werden ukrainischen Angaben zufolge auch zivile Gebäude attackiert. Foto: dpa/Marienko/AP

In der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind prorussische Einheiten nach Angaben aus Moskau weiter auf dem Vormarsch.

Kämpfer der selbst ernannten Volksrepublik Donezk seien seit dem Ende einer Waffenruhe bereits knapp einen Kilometer weit vorgedrungen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Auch an anderen Frontabschnitten in der Ostukraine erzielten Separatisten und russische Einheiten nach eigenen Angaben Erfolge. Der Chef der von Russland als unabhängig anerkannten "Volksrepublik" Luhansk, Leonid Passetschnik, sagte, die Stadt Popasna sei erobert und ukrainische Kräfte seien eingekesselt worden.

Separatisten räumen eigene Verluste ein

Erstmals räumten die Separatisten eigene Verluste ein. Seit Beginn der "Spezialoperation", wie Russland den Krieg in der Ukraine nennt, seien 47 Kämpfer der "Volksrepublik Donezk" getötet und 179 verletzt worden, sagte der Sprecher der prorussischen Kräfte im Gebiet Donezk, Eduard Bassurin, örtlichen Medien zufolge.

Das russische Verteidigungsministerium machte zu eigenen Verlusten erneut keine neuen Angaben. Zuletzt wurde die Zahl von fast 500 getöteten Soldaten genannt. Bisher seien 2581 militärische Ziele zerstört worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Darunter seien zahlreiche Raketenabwehrsysteme, Kontrollposten und Radarstationen, Hunderte Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie 84 Kampfdrohnen.

Erneut Schüsse bei Evakuierung aus Mariupol

Mariupol am Asowschen Meer wird seit Tagen belagert, die Lage in der Stadt gilt als katastrophal. Auch bei einem neuen Anlauf für eine Rettung von Zivilisten fielen am Dienstag laut Angaben aus Kiew Schüsse.

"Waffenruhe verletzt! Russische Streitkräfte beschießen jetzt den humanitären Korridor von Saporischschja nach Mariupol", schrieb der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko, bei Twitter.

Acht Lastwagen und 30 Busse stünden bereit, um humanitäre Hilfe nach Mariupol zu liefern und Zivilisten nach Saporischschja zu bringen. "Der Druck auf Russland MUSS erhöht werden, damit es seine Verpflichtungen einhält", schrieb Nikolenko weiter. Von russischer Seite gab es zunächst keine Angaben dazu. Am Morgen hatte der Sprecher der prorussischen Kräfte im Gebiet Donezk, Eduard Bassurin, behauptet, ukrainische "Nationalisten" blockierten die Evakuierung.

Fast 3000 Menschen aus Irpin evakuiert

Besser scheint die Evakuierung der Bevölkerung inzwischen in Irpin, nordwestlich von Kiew, zu laufen. Aus der umkämpften Stadt sind nach Behördenangaben bisher etwa 3000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. "Die Evakuierung der Bevölkerung aus der Stadt Irpin nach Kiew geht weiter", teilte der ukrainische Katastrophenschutz mit. Einwohner haben der Agentur Unian zufolge weder Wasser noch elektrischen Strom.

Um Irpin wird seit Tagen erbittert gekämpft. Russische Truppen halten einen Teil der Stadt besetzt, die in Friedenszeiten etwa 45.000 Einwohner zählte. Zuletzt hatten Bilder aus Irpin gezeigt, wie Hunderte Zivilisten unter einer zerstörten Brücke zusammengekauert Schutz suchen und von ukrainischen Soldaten über Behelfsstege geleitet werden.

Am Sonntag waren mindestens acht Menschen getötet worden, als russische Truppen nach Angaben aus Kiew die Fluchtroute beschossen. Die Nato geht davon aus, dass Angaben über russische Angriffe auf flüchtende Menschen der Wahrheit entsprechen. "Zivilisten ins Visier zu nehmen, ist ein Kriegsverbrechen, und es ist vollkommen inakzeptabel", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Ukraine: Fluchtkorridor von Sumy funktioniert

Auch der mit der russischen Armee vereinbarte Fluchtkorridor von Sumy ins zentralere Poltawa ist offenbar zustande gekommen. Das ukrainische Außenministerium in Kiew veröffentlichte ein entsprechendes Video beim Kurznachrichtendienst Twitter. Darin war zu sehen, wie Zivilisten mit Gepäck in mit Wasserflaschen gefüllten Kleinbussen saßen. Autos schlossen sich der startenden Kolonne an.

Sumy liegt nur etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Seit Tagen wird die Stadt von russischen Truppen angegriffen. Das zentralukrainische Poltawa liegt etwa 170 Kilometer südlicher und ist bisher von direkten Kämpfen verschont geblieben.

Bürgermeister von Charkiw: Angriffe auf zivile Infrastruktur

Der Bürgermeister der ebenfalls umkämpften Metropole Charkiw warf den angreifenden russischen Truppen den vorsätzlichen Beschuss ziviler Infrastruktur vor. "Kindergärten, Schulen, Entbindungsstationen, Kliniken werden beschossen", sagte Bürgermeister Ihor Terechow dem US-Fernsehsender CNN laut Übersetzung. "Wenn es um Hunderte zivile Gebäude geht, dann ist das kein Versehen. Das ist ein gezielter Angriff." Terechow fügte hinzu: "Ich betrachte dies als einen Akt des Völkermordes an der Stadt Charkiw."

Charkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Terechow sagte, die Metropole mit ihren rund 1,5 Millionen Einwohnern sei unter konstantem Beschuss.

Lwiw: Brauchen Unterstützung für Flüchtlinge

Die westukrainische Stadt Lwiw bittet internationale Organisationen um Unterstützung bei der Unterbringung von Kriegsflüchtlingen. Die Stadt sei zu einem Zufluchtsort für etwa 200.000 Menschen geworden, die vor Bombeneinschlägen und Raketenangriffen geflohen seien, sagte Bürgermeister Andrij Sadowyj einer Mitteilung zufolge. Die Menschen bekämen warmes Essen und alles Nötige. "Dies ist eine extrem schwere Belastung für die Stadt, und heute stehen wir am Rande unserer Fähigkeiten", warnte er.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

So ist die Lage im Kriegsgebiet in der Ukraine - OM online