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"So ein Beispiel sollte Schule machen"

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Christian Dürr, informierte sich in Friesoythe über die Situation des dortigen Krankenhauses. Im Interview fand er lobende Worte.

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Informationsbesuch: Die FDP-Ratskandidaten Heiner Schütte (links) und Andreas Tameling (2. von links), die Cappelner Bundestagskandidatin Carolin Abeln (2. von rechts) und der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr (3. von links) informierten sich bei Krankenhaus-Geschäftsführerin Nadine Krefeld und Aufsichtsratschef Georg Litmathe über die Situation des Friesoyther St.-Marien-Hospitals. Foto: Stix

Informationsbesuch: Die FDP-Ratskandidaten Heiner Schütte (links) und Andreas Tameling (2. von links), die Cappelner Bundestagskandidatin Carolin Abeln (2. von rechts) und der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr (3. von links) informierten sich bei Krankenhaus-Geschäftsführerin Nadine Krefeld und Aufsichtsratschef Georg Litmathe über die Situation des Friesoyther St.-Marien-Hospitals. Foto: Stix

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr (Ganderkesee), war auf Einladung der örtlichen Stadtratskandidaten Andreas Tameling und Heiner Schütte und der FDP-Bundestagskandidatin Carolin Abeln (Cappeln) in Friesoythe. Über 2 Stunden widmete er sich dabei im Gespräch mit Krankenhaus-Geschäftsführerin Nadine Krefeld und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Georg Litmathe der Situation des Friesoyther Krankenhauses und der ärztlichen Versorgung auf dem Land.

Herr Dürr, der Trend in der Krankenhauslandschaft geht zu immer größeren Häusern und der Abschaffung kleiner Standorte. Haben kleine Krankenhäuser wie das Friesoyther St.-Marien-Hospital für Sie eine Zukunft?

Das kommt darauf an, welchen Weg ein Haus geht. In Friesoythe hat man sich für die Zukunft entschieden und klare Schwerpunkte, etwa in der Altersmedizin, gesetzt. Kleine Häuser tun gut daran, keinen Bauchladen aufzumachen, sondern sich zu spezialisieren. Von daher ist mir um die Zukunft des St.-Marien-Hospitals nicht Bange. Ich würde mir vielmehr wünschen, dass so ein Beispiel Schule macht.

Sie würden sich gegen die Zentralisierungsbestrebungen der Krankenkassen im Bereich der stationären Versorgung stemmen?

Zentralisierung macht es nicht immer günstiger, manchmal sogar im Gegenteil. Den Patienten zu kennen und wirklich auf die Bedürfnisse einzugehen, macht die Behandlung ja meistens effizienter und damit auch kostengünstiger. Was ich hier sehe, ist die gute Zusammenarbeit zwischen stationär und ambulant. Das ist auch ein Schlüssel zu mehr Gesundheit und spart am Ende Geld. Ich halte das für mustergültig.



Um die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen ist es ja nicht besonders gut bestellt. Was halten Sie für zielführend, um Ärztinnen und Ärzte aufs Land zu bringen?

Natürlich fällt es leichter, in ländlichen Regionen ärztliches Personal zu finden, wenn in der Nähe eine Universitätsmedizin ist. Die Unterversorgung im Nordwesten hing auch damit zusammen, dass es keine Universitätsmedizin gab. Das ist mit der Universität Oldenburg jetzt ja zum Glück anders. Dann muss der Beruf attraktiv sein, da kann der Bund die Rahmenbedingungen setzen, und wir werden, wie in allen Bereichen der Wirtschaft, auch auf Einwanderung angewiesen sein. Das findet in dem Bereich ja auch statt. Da ist es dann auch wichtig, dass man die Ärzte, die aus dem Ausland kommen, einbindet und Sprachbarrieren abbaut, und das ist dann der Job des Krankenhauses. Da ist man hier schon gut mit dabei.

Immer mehr Krankenhäuser werden privatisiert, von Konzernen betrieben. Ist die Wirtschaft im Krankenhausbereich der richtige Partner?

Das Ziel muss sein, gute Medizin zum Wohle des Patienten zu machen. Ich habe nichts gegen einen bunten Strauß. Es gibt öffentliche Häuser, die sind gut, und es gibt öffentliche, die sind schlecht. Bei den Privaten ist es genauso. Unsere Aufgabe als Politik ist, die guten zu honorieren. Und solche Spezialisierungen und Schwerpunktsetzungen wie in Friesoythe, das ist etwas, was unterstützt werden muss. Wichtig ist mir nicht der Träger, sondern wie gut es dem Patienten geht.

Die Kosten im Gesundheitswesen laufen uns angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung aus dem Ruder. Wie soll das künftig finanziert werden?

2 Antworten: Ich verstehe nicht, warum heute noch Arztbriefe auf Papier mit der Post oder per Fax verschickt werden. Da sehe ich aber nicht die Ärzte in der Pflicht, sondern die Politik, die die Digitalisierung verschlafen hat. Ich erwarte, dass durch ein digitalisiertes Gesundheitswesen Dinge kosteneffizienter funktionieren, dass es nicht doppelte Röntgenbilder und Untersuchungen gibt, dass Hausärzte, Fachärzte und stationäre Versorgung Hand in Hand funktionieren. Das zweite ist die demografische Entwicklung. Wir müssen endlich kapieren, ein modernes Einwanderungsland wie Neuseeland, Australien oder Kanada zu werden. Aus eigener Bevölkerung werden wir es nicht schaffen, diesem demografischen Wandel zu begegnen.

Letzte Frage, ganz anderes Thema: Es ist ja nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass die FDP Teil der nächsten Bundesregierung wird. Wollen Sie Minister werden?

Zunächst will die FDP eine Wahl gewinnen. Zum zweiten: Nach dieser Wahl halte ich das für ausgeschlossen. Was irgendwann mal die Zukunft bringt, kann ich Ihnen heute nicht sagen.


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