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"Senioreneinrichtung An der Gräfte" stößt nicht nur auf Gegenliebe

Die Politik vollzieht die letzten planungsrechtlichen Schritte für das Bauvorhaben nahe des Bahnhofs in Vechta. Der Grundstücksverkauf soll 2 Millionen Euro einbringen.

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Entwurf für ein kompaktes Gebäude: Die "Senioreneinrichtung An der Gräfte" in Vechta soll Platz für 100 Bewohner bieten. Hinzu kommen 16 Service-Wohnungen sowie ein Standort für die Autovermietung Sixt. Zeichnung: IPS Projekte

Entwurf für ein kompaktes Gebäude: Die "Senioreneinrichtung An der Gräfte" in Vechta soll Platz für 100 Bewohner bieten. Hinzu kommen 16 Service-Wohnungen sowie ein Standort für die Autovermietung Sixt. Zeichnung: IPS Projekte

Fast 4 Jahre ist es her, als der Vechtaer Stadtrat dem Verkauf eines attraktiven Baugrundstückes an der Straße „An der Gräfte“ zugestimmt hat. Ein heimischer Investor will dort eine Senioreneinrichtung sowie einen Stützpunkt für eine Autovermietung errichten. Die Fläche neben der Bahnunterführung liegt nach wie vor brach. Doch das könnte sich bald ändern. Die Politik will noch kurz vor Ende der Wahlperiode den Weg für das millionenschwere Bauvorhaben freimachen.

Investor ist "nb Niedersachsen Bau“ aus Vechta

Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Bauen unter dem Vorsitz von Thomas Frilling (CDU) hat sich in seiner jüngsten Sitzung trotz vereinzelter Kritikpunkte mehrheitlich für den entsprechenden Bebauungsplan ausgesprochen. Bei der Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange seien keine gravierenden Bedenken eingegangen, die gegen das Projekt der „nb Niedersachsen Bau“ mit Sitz in Vechta sprechen, hieß es.

Architektin Tanja Roosmann (IPS Projekte, Lingen) präsentierte den Ausschussmitgliedern den leicht überarbeiteten Entwurf für die „Senioreneinrichtung An der Gräfte“. Das Gebäude verfügt über 3 Vollgeschosse plus Staffelgeschoss. Die Senioreneinrichtung bietet Platz für 100 Bewohner, aufgeteilt auf 77 Einzelzimmer, 14 Partnerzimmer und 9 Pflegeappartements. Hinzu kommen 16 Service-Wohnungen in der Größenordnung von 35 bis 50 Quadratmetern.

Das Baugrundstück nahe der Bahnlinie liegt schon seit Jahren brach. Es dient übergangsweise als Lagerplatz. Foto: SpeckmannDas Baugrundstück nahe der Bahnlinie liegt schon seit Jahren brach. Es dient übergangsweise als Lagerplatz. Foto: Speckmann

Im Erdgeschoss des Gebäudes soll eine Autovermietung angesiedelt werden. Die Expansionspläne der Firma Sixt, die bereits einen Standort an der Osloer Straße in Vechta betreibt, decken sich nach Auffassung der Verwaltung mit dem städtischen Mobilitätskonzept. Dabei soll  sich die Nähe zum Bahnhof mit der Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr auszahlen.

Der Straßen- und Schienenverkehr steht dem Bauvorhaben offenbar nicht im Wege. Nach Angaben des Planungsbüros Gieselmann und Müller (Oldenburg), das die Aufstellung des Bebauungsplans begleitet, sei ein Lärmgutachten erstellt worden. Zur Einhaltung der Grenzwerte sei eine Schalldämmung erforderlich. Die Wohnräume sollten daher eine dezentrale Lüftungsanlage für die Nachtstunden erhalten.

"Ich finde diesen Standort katastrophal. Das ist ein Stück weit menschenverachtend."Ratsherr Frank Hölzen (WfV)

Ratsherr Frank Hölzen (WfV) kann sich mit der geplanten Wohnbebauung aufgrund der Verkehrssituation und der damit verbundenen Emissionen überhaupt nicht anfreunden. „Man muss sich fragen, ob man selbst dort wohnen möchte. Ich finde diesen Standort katastrophal. Das ist ein Stück weit menschenverachtend“, meint Hölzen und erntet dabei Zuspruch von AfD-Vertreter Matthias Elberfeld.

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) kann die Kritik nicht nachvollziehen und stellt sich hinter das Projekt. Die Stadt habe ganz bewusst einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufgestellt, um Steuerungs- und Einflussmöglichkeiten auf die spätere Wohnbebauung zu haben. „Es wird alles eingehalten, was wir uns damals vorgestellt haben. Das ist ein sehr gelungenes Konzept“, sagt der Verwaltungschef.

Kater verweist auf die Notwendigkeit, das Wohnen im Alter zu fördern und entsprechende Plätze zu schaffen. Die Politik habe sich damals für das Bauvorhaben in der Innenstadt entschieden, um stationäre Pflege und betreutes Wohnen dort zu ermöglichen, „wo Leben ist“. An dem Standort sei alles um die Ecke, wie Ärzte, Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten, Bahnhof oder auch der Zitadellenpark. „Hier ist man mittendrin.“

Zahl der Parkplätze entspricht den Vorschriften

Was jedoch gleich mehrere Ausschussmitglieder umtreibt, ist die Parkplatzsituation. Sie befürchten, dass die Stellplätze für die Bewohner und Besucher auf dem rund 4.600 Quadratmeter großen Grundstück nicht ausreichen, zumal die Autovermietung weitere Kapazitäten benötigen könnte. Der Entwurf sieht 30 Parkplätze vor. Das deckt sich nach Angaben der Planer mit den gesetzlichen Vorschriften für ein solches Projekt.

Trotz der Kritikpunkte hat der Ausschuss für den Bebauungsplan votiert. Nun soll der städtebauliche Vertrag zwischen Stadt und Investor abgewickelt werden. Der Satzungsbeschluss ist für die Ratssitzung am 11. Oktober (Montag) vorgesehen. Zudem muss die Beurkundung des Kaufvertrags erfolgen. Bei dem vereinbarten Preis von 435 Euro pro Quadratmeter fließen rund 2 Millionen Euro in den Haushalt.

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