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Röttgen spricht sich für Schwarz-Grün aus

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz stellt sich in einer Videoveranstaltung den Fragen der Basis im Oldenburger Münsterland. Er punktete mit Offenheit.

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Setzt auf ehrliche Worte: Norbert Röttgen im Austausch per Video mit regionalen CDU-Mitgliedern. Foto: Tzimurtas

Setzt auf ehrliche Worte: Norbert Röttgen im Austausch per Video mit regionalen CDU-Mitgliedern. Foto: Tzimurtas

Rot oder Schwarz? Welche der beiden Farben ihm die liebere sei, lautete die Frage des Vechtaer CDU-Kreisvorsitzenden André Hüttemeyer an Norbert Röttgen. „Rot“, antwortete der CDU-Außenpolitiker. Er fügte noch an: Es gebe viele bessere Farben. Doch wenn die Alternative Schwarz oder Rot laute, dann nehme er Rot.

Damit hatte der 55-jährige Christdemokrat, der sich um den Vorsitz der CDU-Bundespartei bewirbt, gleich zu Beginn der Videodiskussionsrunde „Frag den Röttgen“ am Donnerstagabend einen Sympathiepunkt eingeheimst. Denn Röttgen umschiffte mit einer schlichtweg offenherzigen Antwort die Klippe, einfach nur reflexartig mit „Schwarz“ zu antworten – die Symbol-Farbe der Union.

Auch Laschet und Merz haben zugesagt

Das Prinzip Ehrlichkeit – es war ein Kennzeichen von Röttgens virtuellem Auftritt vor der CDU-Basis des Oldenburger Münsterlandes. Der CDU-Kreisverband Vechta hat – im Verbund mit der Cloppenburger Kreis-CDU – alle drei Kandidaten, die an die Parteispitze wollen, zur Teilnahme an dem Video-Format eingeladen.

Alle haben zugesagt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet stellt sich am 11. November (Mittwoch) ab 17 Uhr den Fragen der regionalen Parteimitglieder. Der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz steht am 23. November (Montag) ab 18 Uhr Rede und Antwort.

Röttgen, Laschet und Merz: Sie führen derzeit einen parteiinternen Wahlkampf um die Gunst der Basis, stellen sich dabei auch einzelnen Kreisverbänden vor. Doch: Dass alle drei Bewerber um die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer denselben zwei Kreisverbänden die Gelegenheit geben, sie besser kennenzulernen, dass sei einzigartig, hatte Hüttemeyer zuvor der Redaktion gesagt.

Röttgen beweist Sinn für Humor und Leidenschaft

Die Idee zu der dreiteiligen Reihe mit dem Titel „Frag den...“ im coronakonformen Videoformat geht auf ihn zurück. Mehr als 60 Gäste nahmen am Donnerstagabend die Gelegenheit wahr, darunter auch die heimische CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Silvia Breher. Sie erlebten einen Röttgen, der nicht nur auf Ehrlichkeit setzt, sondern sich mit einem ausgeprägten eigenen Image von den beiden Konkurrenten abhebt.

Während Merz zuweilen durch Polarisierung und Provokation auffällt, vor allem die konservative Seele der CDU ansprechen will, und während Laschet in der Rolle des landesväterlichen Verstehbärs aufgeht, zeigt sich Röttgen als smarter und international erfahrener Politiker, der zugleich fest im ländlichen Raum („Ich wohne auf dem Dorf“) verwurzelt ist, aus katholischem Milieu stammt und Familienvater ist.

Röttgen beweist immer wieder Sinn für Humor, zuweilen Selbstironie und beherrscht den eleganten Wechsel zur staatsmännischen Ernsthaftigkeit. Er, der mit seinem gescheitelten grauen Haar ein bisschen wie der George Clooney der CDU wirkt, scheut sich auch nicht, leidenschaftlich zu werden.

Nationaler Pakt soll Digitalisierung voranbringen

Röttgen, der CDU-Gentleman, kommt glaubwürdig rüber, wenn er sich in der Videodiskussion vor allem für das Thema Digitalisierung ins Zeug legt. Er beklagt mehrfach den Rückstand auf diesem Gebiet. Diese Situation sei umso schlimmer, weil es nicht nur um Chancen für einzelne gehe, sondern vor allem, weil der einzige Rohstoff, über den Deutschland verfüge, das seien „unsere Köpfe“. Deshalb ist er überzeugt: „Wir brauchen einen anderen Ansatz.“

Er wolle einen nationalen Pakt für die Digitalisierung, betont er. Und dieser Pakt solle mit dem „Aufbau Ost“ vor 30 Jahren vergleichbar sein, eine Kraftanstrengung, an der alle mitarbeiten – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Klare Zielvorgaben soll es geben und klare Abschnitte.

Klimapolitik soll mit Marktwirtschaft zusammenpassen

Überhaupt sei die strategische Vorausschau wichtig, wie er auf eine andere Frage aus der Zuhörerschaft antwortete. Und als er auf die Aufforderung von Hüttemeyer hin erklären sollte, warum er CDU-Vorsitzender werden wolle, da griff er das Leitmotiv der Digitalisierung und der Zukunftsgestaltung geschickt wieder auf: Er stehe dafür, „dass wir uns intellektuell und politisch in die Lage versetzen, den großen Herausforderungen gerecht zu werden“.

Und so trat Röttgen auch vehement dafür ein, die Zeit nach der Corona-Pandemie für eine ordnungspolitische Neuaufstellung der Wirtschaft zu nutzen – mit Innovationen, Honorierung von Leistung und als Fortsetzung der sozialen Marktwirtschaft.

Röttgen warb klar für ein Festhalten am traditionellen Profil der CDU – in Verbindung mit der inhaltlichen Modernisierung der Partei. Seit seiner Zeit als Bundesumweltminister hätten ihn Fragen rund um die Klimapolitik und Ökologie „nicht mehr verlassen“. Er betonte, Lösungen müssten in marktwirtschaftliche Konzepte eingebunden sein.

Partei soll sich der Expertise aus der Gesellschaft öffnen

Außerdem: Da Parteien nicht alles wissen könnten, sei es wichtig, die Expertise aus der Gesellschaft einzuholen, Wissenschaftler einzubinden, neue Kommunikationskanäle zu öffnen.

Öffnung, Modernisierung mit Bindung an die Tradition – und Ehrlichkeit. Auf diesen Dreiklang war Röttgen bedacht. Und das zeigte sich auch hieran: Im Gegensatz zu Merz in einem Interview mit „Bild“ bezog Röttgen klar Stellung, ob er Donald Trump oder Joe Biden als US-Präsidenten bevorzuge. „Biden“, sagte er.

Die Frage nach dem favorisierten US-Präsidenten gehörte zum ersten Block der Videoveranstaltung, als Hüttemeyer einige Fragen stellte, bei denen Röttgen sich zwischen einer von zwei Möglichkeiten zu entscheiden hatte. Und so erfuhren die Gäste auch, dass er lieber in den Bergen Urlaub mache als an der See, dass er den Dieselantrieb einem Benziner vorziehe, einem Hybrid-Wagen den Vorzug vor einem E-Auto gebe. Und: Nackensteak statt Tofu, wählte er.

„Wir sollten es nicht wieder mit der SPD machen.“Norbert Röttgen auf die Frage nach einem künftigen Koalitionspartner der Union

Und mit welcher Partei sollte es eine Koalition geben, wenn die Union in Regierungsverantwortung kommt? Auch da war der Bundestagsabgeordnete klar: „Wir sollten es nicht wieder mit der SPD machen“, sagte Röttgen und plädierte für „eine neue große Koalition“ – und zwar mit den Grünen.

Damit hatte er zugleich einen Punkt intoniert, den er später noch einmal aufnahm. Denn: Obwohl Röttgen sich für ein schwarz-grünes Bündnis aussprach, sieht er in den Grünen doch den Hauptkonkurrenten der Union bei der Bundestagswahl 2021. Erkennbar war: Er geht davon aus, dass die Grünen sich als zweitstärkste Kraft etablieren.

Nach einer Stunde war die Videorunde vorbei. „Sehr pfiffig und locker gemacht“ sei es gewesen, sagte Röttgen. „Mal etwas anderes“, befand er. Dann winkte er, denn es sei alles noch eng getaktet bei ihm. Der Mann, der wie der Clooney der CDU wirkt, hatte noch Termine.

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