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Radikalisierung im Internet verhindert freie Meinungsbildung

Medienexperte Andre Jachting informiert Vechtaer Begleitausschuss der Partnerschaft für Demokratie.

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Kennt sich aus: Andre Jachting informierte die Mitglieder des Begleitausschusses der PfD über Wege der Radikalisierung von Jugendlichen im Internet. Foto: Böckermann

Kennt sich aus: Andre Jachting informierte die Mitglieder des Begleitausschusses der PfD über Wege der Radikalisierung von Jugendlichen im Internet. Foto: Böckermann

Was bewegt Kinder und Jugendliche im Internet und wie entsteht Radikalisierung in den sozialen Netzwerken? Mit diesen Fragen befassten sich kürzlich – vor der Corona-Krise – die Mitglieder des Begleitausschusses der Partnerschaft für Demokratie (PfD) in ihrer Sitzung im Rathaus Vechta. Zu Gast war der Medienexperte Andre Jachting aus Hannover, der in seinem Impulsvortrag die Wege aufzeigte, wie rechts- beziehungsweise linksextreme Botschaften und radikale religiöse Meinungen im Internet verbreitet werden. Das geht aus einer Mitteilung hervor.

Im Internet hätten Jugendliche heute freien Zugang zu Gewaltvideos, Kinderpornografie, Verschwörungstheorien oder radikalen Themen. „Für Jugendliche ist es oft nicht durchschaubar, was Fakten sind und was Falschbehauptungen“, erläuterte Andre Jachting.

Durch eine sogenannte Filterblase werden die Jugendlichen immer weiterin rechte, linke oder religiöse Extreme gezogen. Über Algorithmen, die unbemerkt im Hintergrund laufen, filtern Google, Facebook und Co., welche Inhalte einem Nutzer angezeigt werden. Diese Algorithmen machen sich auch Anbieter von radikalen Inhalten zunutze. Besonders im rechtsextremen Bereich beobachte er viele Aktivitäten, erklärte Jachting, aber auch linksextreme oder religiös motivierte Medien würden sich der Mechanismen bedienen. Oft seien es scheinbar harmlose Inhalte, wie ein Musikvideo, eine handwerkliche Anleitung oder ein Produktangebot, die mit radikalen Internetangeboten vernetzt seien. Sieht sich ein Nutzer diese Seiten an, werden ihm zukünftig auch andere Seiten dieser radikalen Anbieter vorgeschlagen. „Es ist keine Entscheidungsvielfalt mehr möglich, denn die Algorithmen bestimmen das Meinungsbild“, fasste Jachtig zusammen. Selbst der Zugang zum Darknet sei für viele Jugendlichen heute kein Hindernis. Ein weiteres Problem sei die Provokation in Internet-Chats und die Verrohung der Sprache.

Das Ausmaß der Beeinflussung von Jugendlichen im Internet sei erschreckend, so das Fazit der Begleitausschuss-Mitglieder. Umso wichtiger sei es, durch geeignete Projekte die Jugendlichen zu sensibilisieren und aufzuklären. „Jede Form von Extremismus ist gefährlich“, betonte Vechtas Erste Stadträtin Sandra Sollmann.

Die Begleitausschussmitglieder beschlossen im Rahmen der Sitzung die Förderung mehrerer Projekte in diesem Jahr. Dazu gehören die Projekte „Demokratie gestalten“ und „Werte machen Schule“, „Zeitzeugen“ mit der Holocaust-Überlebenden Lisette van Vlijemen“, „Erinnern“ sowie ein Buch mit Texten von Poetry Slammern. Bereits abgeschlossen ist das Projekt „Extremismus und Demokratie“, an dem rund 900 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben.

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