Nils Anhuth warnt vor Gesamtausschreibung
Den Vorschlag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans Eveslage sehen Barßels Bürgermeister und der Architekt kritisch. Sie befürchten höhere Kosten und Regressansprüche bei Änderungen.
Hans Passmann | 25.07.2020
Den Vorschlag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans Eveslage sehen Barßels Bürgermeister und der Architekt kritisch. Sie befürchten höhere Kosten und Regressansprüche bei Änderungen.
Hans Passmann | 25.07.2020

Kosten explodieren: Stolz präsentierten Erster Gemeinderat Michael Sope, Markus Wiechmann, Micheale Quappe und Bürgermeister Nils Anhuth hier noch das Siegermodell, das jetzt für Unmut sorgt. Foto: C. Passmann
Der Neubau des Rathauses in Barßel sorgt derzeit für viel Unmut in der Bevölkerung. Kaum jemand hat Verständnis für die Kostenexplosion der zunächst veranschlagten Kosten von rund 5,8 auf nunmehr 8,7 Millionen Euro. Um nun aber einen realistischen Überblick über die zu erwartenden Gesamtbaukosten des Objektes zu erhalten, schlägt der Fraktionsvorsitzende der CDU im Barßeler Gemeinderat, Hans Eveslage, vor, die Bauleistungen für alle Gewerke des geplanten Bürgerhauses mit Verwaltungstrakt zum selben Abgabetermin auszuschreiben. Darauf könne man dann reagieren, so ein Antrag von Eveslage an die Verwaltung. Doch davon halten sowohl der Bürgermeister der Gemeinde Barßel, Nils Anhuth (Parteilos), als auch der Architekt, Dipl.-Ing. Udo Janßen, von der Partnergemeinschaft Janßen-Bär aus Bad Zwischenahn nicht so viel. „Die Angelegenheit will ich noch einmal mit den Fraktionen besprechen. Ich denke, wir sollten die Gewerke für die Bauleistungen doch einzeln ausschreiben. Unterm Strich wird der Neubau durch eine gemeinsame Ausschreibung sicherlich nicht günstiger. Der Vorteil liegt nur darin, dass man dann den Gesamtbetrag hat“, sagt Nils Anhuth. Bei Einzelausschreibungen könne man die Finanzierung im Haushalt beispielsweise durch Verpflichtungsermäßigungen einplanen beziehungsweise aus den kommenden Jahren vorziehen. Die Gefahr bei einem Gesamtwerk liege im Detail. Sei die Ausschreibung erfolgt und die Angebote liegen vor, könne man nicht ohne Weiteres im Nachhinein etwas streichen, damit das Gewerk billiger wird oder gar darauf verzichten. „Da greift die VOB. Dann könnten die Firmen Regressansprüche wegen eines entgangenen Gewinns gegenüber der Gemeinde geltend machen“, erklärt Anhuth. "Es besteht ein hoher Diskussionsbedarf." Ähnlich sieht es auch Udo Janßen. „Bei Großprojekten ist es durchaus üblich, eine gemeinsame Ausschreibung vorzunehmen. Hier rate ich davon ab. Das habe ich dem Rat auch schon erklärt“, so der Architekt. Er könne sich wohl vorstellen, dass gewisse Bauleistungen – so etwa 60 Prozent – insgesamt zu einem Abgabetermin ausgeschrieben werden. Mehr aber auch nicht. Dabei denkt er auch daran, dass bei späteren Änderungen Firmen Ansprüche gegen die Kommune geltend machen könnten. „Zwar hat man bei einem Abgabetermin die Kostensumme, dadurch wird das Projekt aber sicherlich nicht günstiger. Eventuell sogar teurer, denn die Firmen, die erst mit ihren Arbeiten in drei oder vier Jahren dran sind, werden doch höher kalkulieren müssen. Allerdings gibt es hier verschiedene Varianten bei der Ausschreibung“, sagt Janßen. Eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Kostenentwicklung des Rathaus-Neubaus fordert die SPD-Fraktion im Rat der Gemeinde Barßel. Viele Bürger seien empört und hätten kein Verständnis für die „unglaubliche Kostensteigerung“. „Die geschätzten Baukosten von 5,8 Millionen Euro steigern sich schon vor dem ersten Spatenstich auf 8,7 Millionen Euro. Es besteht ein hoher Diskussionsbedarf in der Bevölkerung“, sagt die Fraktionsvorsitzende Ursula Nüdling. Sie fordert Bürgermeister Nils Anhuth auf, den Bürgern in einer öffentlichen Veranstaltung Rede und Antwort zu stehen. Eine Info-Veranstaltung für die Barßeler Bürger hält auch Ratsherr Christoph Raming (CDU) für dringend erforderlich. Dann müssten alle Fakten auf den Tisch – auch der Vergleich zwischen einer Sanierung des jetzigen Rathauses und einem Neubau. „Hier werden noch Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt Raming. Es müsse Ursachenforschung betrieben werden, warum die Kosten explodiert sind. Alle Positionen gehörten auf den Prüfstand. „So wie es sich jetzt darstellt, können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Ich persönlich werde es so nicht durchwinken“, betont Raming. Mittlerweile gibt es auch Stimmen in der Bevölkerung, die sich durchaus das Müllerhaus als Bürgerhaus vorstellen könnten, zumal es günstiger wäre.
SPD will Info-Veranstaltung für Bürgerinnen und Bürger
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