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Dr. Berghegger erhält Rückenwind für Bundestagskandidatur

Spontan gab es für den CDU-Amtsinhaber im Landkreis Osnabrück einen Gegenkandidaten. Am Ende verlor der Herausforderer aber dann doch deutlich.

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Alle Teile müssen beim Puzzel zusammenpassen: Das erste hat Dr. Andre Berghegger (rechts) nun durch seine Wahl zum CDU-Spitzenkandidaten gelegt. Christian Calderone (links) übergab ihm darum symbolisch das Brandenburger Tor. Foto: Schmutte

Alle Teile müssen beim Puzzel zusammenpassen: Das erste hat Dr. Andre Berghegger (rechts) nun durch seine Wahl zum CDU-Spitzenkandidaten gelegt. Christian Calderone (links) übergab ihm darum symbolisch das Brandenburger Tor. Foto: Schmutte

Die Anwesenden waren wohl überwiegend von einer "One-Man-Show" ausgegangen, bei der Dr. Andre Berghegger als einziger Kandidat der Kreis-CDU erneut gekürt werden sollte. Dr. Uwe Alschner warf allerdings überraschend seinen Hut in den Ring und trat gegen ihn an. Mit 7 zu 116 gültigen Stimmen unterlag der Herausforderer.

Der Vorstand des CDU-Kreisverbandes Osnabrück-Land hatte beschlossen, seinen Kandidaten für die im Herbst 2021 stattfindende Bundestagswahl von den Mitgliedern direkt wählen zu lassen. Deshalb war nach Venne zur Wahlkreismitgliedervollversammlung eingeladen worden. 117 Mitglieder folgten der Einladung, um ihren Bundestagskandidaten für den Bundestagswahlkreis Osnabrück-Land (Landkreis Osnabrück ohne die Kommunen Belm, Georgsmarienhütte, Hagen, Hasbergen und Wallenhorst) zu nominieren.

Der CDU-Kreisvorsitzende Christian Calderone (Quakenbrück) schlug Dr. Andre Berghegger zur Wiederwahl vor. Dieser Vorschlag wurde vom gesamten Kreisvorstand einmütig unterstützt. Auf die Frage Calderones, ob es weitere Kandidatenvorschläge gäbe, war wohl nicht ernsthaft mit zusätzlichen Namensnennungen gerechnet worden. Überraschend meldete sich allerdings Dr. Uwe Alschner, um seine Kandidatur zu bekunden.

Gegenkandidat Alschner arbeitete auch für Wulff

Dr. Uwe Alschner ist 1965 geboren, wohnt in Schledehausen (Gemeinde Bissendorf), ist verheiratet und Vater von 3 Kindern. Der Versammlung stellte er sich als selbstständiger Unternehmensberater vor, mit langjähriger Erfahrung in der Beratung von Entscheidern in Politik und Wirtschaft. Er studierte Rechts-, Literatur- und Geschichtswissenschaften in Osnabrück, York und Cambridge. Seine erste berufliche Station war das Auswärtige Amt. Unter anderem arbeitete er 5 Jahre mit Christian Wulff zusammen.

Bei der Begründung für seine Kandidatur fokussierte sich Alschner auffallend einseitig auf das Thema Covid-19-Pandemie. An der Bewältigung der Fragen und Problemen rund um die Pandemie möchte er in Berlin gerne mitarbeiten. Aufgrund eigener gesundheitlicher Probleme habe er sich im Frühjahr 2020 eingehend damit beschäftigt, auch mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen. Dabei habe er festgestellt, dass "wir fragwürdigen Zahlen, auch vom Robert-Koch-Institut vertrauen".

Die Versammlungsteilnehmer forderte er auf, Corona-Maßnahmen stärker zu hinterfragen. Das während der Pandemie offensichtlich viel falsch gelaufen sei, begründete er auch damit, dass die Milliardäre in den USA während der Corona-Monate ihr Vermögen um 20 Prozent steigern konnten. Weiter bemängelte er das auf Profitabilität ausgerichtete Gesundheitssystem in Deutschland, da es zur Daseinsvorsorge gehöre.

Uwe Alschner erklärte in einem Gespräch mit unserer Redaktion, er habe sich relativ spontan für die Kandidatur entschieden, weil er sich intensiv mit der Pandemie beschäftigt habe. Das Thema müsse unbefangen und ohne Angst angegangen werden. Je schneller das gelinge, desto geringer würden die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden ausfallen.

Berghegger sieht Schwerpunkte in der Haushaltspolitik

Seit 2013 als Direktkandidat für den Wahlkreis Osnabrück-Land im Deutschen Bundestag ist der 1972 geborene Jurist Dr. Andre Berghegger, der somit auch von seinem Amtsbonus profitieren konnte. Durch seine politischen Tätigkeiten seit 1996 im Landkreis Osnabrück, unter anderem als Ratsherr in Ostercappeln oder Bürgermeister in Melle, ist er in der Landkreis-CDU bestens vernetzt.
In seiner Vorstellung gab er einen Abriss seiner bisherigen Tätigkeiten, mit der überwundenen Wirtschafts- und Finanzkrise, den Gefahren durch den Islamischen Staat, die große Flüchtlingsbewegung oder seit einigen Monaten den Folgen der Pandemie.

Seine Arbeitsschwerpunkte in Berlin sieht Berghegger in einer soliden Haushaltspolitik und soliden Finanzen. Er ist stellvertretender haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion und in die Verwaltungsräte der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BImA) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewählt worden.
Er zählte eine Reihe von Zuschüssen und Maßnahmen auf, die er für den Wahlkreis erreichen konnte. Positive Stimmung, Zuversicht und Geschlossenheit forderte er von den Versammlungsteilnehmern, damit könnten Wahlen gewonnen werden.

Für die Zukunft sieht er die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Erholung und finanziellen Solidität als Grundlage für weitere Sozialpolitik, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Bildung. Im Zusammenhang mit einer ausreichenden Mobilfunk- und Breitbandversorgung möchte er Hemmnisse hinterfragen und Verfahren vereinfachen. Er möchte als Bindeglied zwischen den Menschen seines Wahlkreises und Berlin fungieren und sich um Themen kümmern die die Menschen vor Ort bewegen.

Vor der Wahl kam es zu einer breiten Diskussion, in der auch die Politikverdrossenheit zur Sprache kam, häufig bedingt durch verfehlte, zu bürokratische EU-Politik, oder Reformen wie zur Versorgung der Abgeordneten, die seit Jahren nicht angefasst werden. Während Berghegger auf die Mehrheitsverhältnisse und Notwendigkeit von Kompromissen hinwies, forderte Alschner weniger Kompromisse in der EU, um eigene Interessen stärker durchzusetzen. Aufgrund der Pro-Berghegger-Stimmung im Saal war das eindeutige Votum der CDU-Mitglieder für diesen Kandidaten keine Überraschung. Bei einer ungültigen Stimme erhielt er 109, Alschner sieben.

Andre Berghegger betonte, das Wahlergebnis sei für ihn Rückenwind, den er gerne mit nach Berlin nehme. Christian Calderone überreichte ihm ein Puzzle, „da müssen alle Teile zusammenpassen, wie bei der Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Partei“, so Calderone.

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