Denkwürdige Wahlperiode geht in Vechta zu Ende
Der Großteil der Mitglieder scheidet aus dem Stadtrat aus. Zum Abschluss warten Urkunden, Gummibären und gute Ratschläge.
Thomas Speckmann | 17.10.2021
Der Großteil der Mitglieder scheidet aus dem Stadtrat aus. Zum Abschluss warten Urkunden, Gummibären und gute Ratschläge.
Thomas Speckmann | 17.10.2021

Letztes Treffen im Rathaus: Zum Ende der Wahlperiode ernteten die Mitglieder des Vechtaer Stadtrates den Dank für ihre ehrenamtliche Arbeit. Es waren nicht alle Ratsvertreter anwesend. Ein Großteil wird in der konstituierenden Sitzung am 1. November nicht mehr dabei sein. Foto: Speckmann
In den vergangenen Jahren hatte es im Vechtaer Stadtrat einige Male gekracht. Da gab es verbale Attacken zwischen den Fraktionen und auch parteiinterne Streitigkeiten, die sogar in Austritten oder Lagerwechseln mündeten. Doch bei der letzten Zusammenkunft war davon nichts mehr zu spüren. Zum Abschluss der Wahlperiode herrschte eine äußerst harmonische Stimmung. Dass es am Freitagabend keine Querelen im Rathaus gab, lag sicher auch daran, dass die letzten Beschlüsse bereits einige Tage zuvor gefasst worden waren und die Politik nun außen vor blieb. In Begleitung ihrer Partner erfuhren die Ratsleute Dank und Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit in den letzten 5 Jahren. Dies geschah mit lobenden Worten sowie Urkunden und Präsenten. Josef Kläne erhielt den goldenen Ehrenring der Stadt Vechta. Der CDU-Mann war 35 Jahre ohne Unterbrechung im Stadtrat tätig, bekleidete seit 2005 das Amt des Ratsvorsitzenden und erwies sich dabei über die Fraktionen hinweg als „fairer, kompetenter, immer bestens vorbereiteter und verlässlicher Leiter sämtlicher Ratssitzungen“, erklärte Bürgermeister Kristian Kater (SPD). „Wir verlieren mit Josef Kläne einen äußerst erfahrenen Kommunalpolitiker, der an den meisten Entscheidungen dieses Rates seit 1986 in führenden Funktionen beteiligt war“, sagte Kater. Dass Vechta und Langförden sich so prächtig entwickelt hätten, sei natürlich eine Gemeinschaftsleistung vieler Akteure, aber Kläne habe einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu dem Erfolg geleistet. Der Bürgermeister blickte auf eine „denkwürdige Wahlperiode“ zurück. Denkwürdig, weil die Corona-Pandemie den Alltag auf den Kopf gestellt habe. Dennoch sei der Stadtrat immer handlungsfähig geblieben, habe wegweisende Entscheidungen getroffen und mit der Verabschiedung eines investitionsfreudigen Haushaltes in Krisenzeiten die weitere Entwicklung Vechtas vorangetrieben. Nun musste der Verwaltungschef feststellen, dass 20 Mitglieder mit insgesamt 247 Jahren kommunalpolitischer Erfahrung den Stadtrat verlassen. Nur 12 der bisherigen Ratsvertreter werden auch bei der konstituierenden Sitzung am 1. November wieder dabei sein. Damit verändert sich die Zusammensetzung des Kommunalparlaments stärker als in früheren Jahren. Zu den ausscheidenden Mitgliedern zählt Hans-Joachim Zumbrägel, der für seine 25-jährige Zugehörigkeit eine Urkunde des Niedersächsischen Städtetages erhielt. Der CDU-Ratsherr gehörte diversen Ausschüssen an, fungierte zeitweise als stellvertretender Bürgermeister und rührte die Werbetrommel für den Stoppelmarkt, indem er fast 20 Jahre die Traditionsfigur Jan verkörperte. Der Referatsleiter des Niedersächsischen Städtetages, Ulrich Mahner, hatte noch eine weitere Auszeichnung im Gepäck. Die Ehrung wurde Günter Nyhuis zuteil, der nach 10 Jahren ebenfalls den Stadtrat verlässt, aber dem Ortsrat Langförden weiter erhalten bleiben wird. In seinem Heimatort kann der Christdemokrat auf 25 Jahre kommunalpolitische Tätigkeit zurückblicken. Verbunden mit seinen Glückwünschen, stellte Mahner die Bedeutung der Kommunalpolitik heraus. Das Engagement vor Ort werde in Zeiten der Globalisierung immer wichtiger. Im Vergleich zur großen Politik hätten die Ratsvertreter einen viel engeren Bezug zum Bürger. Eine Umfrage habe jedoch gezeigt, dass auch sie häufig persönlichen Anfeindungen und sogar Hassbotschaften ausgesetzt seien, bedauerte der Referatsleiter. "Wir sollten uns manchmal nicht zu wichtig nehmen.“ „Wir sollten uns manchmal nicht zu wichtig nehmen“, meinte der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Vatterodt in seinem Abschiedsgruß. Er erinnerte daran, dass Ratsmitglieder in den Gremien sitzen würden, um die Interessen der Bürger zu vertreten anstatt eigene Interesse zu verfolgen. Und weil es in der Politik auch um die Zukunft der Kinder gehe, spendierte der Sozialdemokrat als kleinen Fingerzeig eine Runde Gummibären. Nach dem offiziellen Teil gingen die Ratsvertreter zum gemeinsamen Abendessen in die Elmendorffburg und beherzigten damit einen guten Rat, den Josef Kläne allen Kommunalpolitikern zuvor mit auf den Weg gegeben hatte: „Nach-Sitzungen sollte man nicht vernachlässigen. Das ist ein wertvoller Beitrag, über Parteigrenzen hinaus Menschen kennenzulernen. Dadurch lassen sich auch politische Dinge einfacher lösen.“Josef Kläne mit goldenem Ehrenring ausgezeichnet

Stadtrat verliert 247 Jahre an Erfahrung
Auszeichnungen und Ehrungen:
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