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CDU-Experte fordert kleinere Klassen trotz Lehrermangel

Christian Fühner, kultuspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, will Bildung zum Schwerpunktthema der Partei machen. Damit sollen die Christdemokraten bei der Landtagswahl (9. Oktober) punkten.

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Im Fokus der Bildung: Wie gut der Unterricht ist, hängt von den Lehrkräften ab. Aber auch die Größe der Klasse ist entscheidend. Foto: dpa/Gollnow

Im Fokus der Bildung: Wie gut der Unterricht ist, hängt von den Lehrkräften ab. Aber auch die Größe der Klasse ist entscheidend. Foto: dpa/Gollnow

Es herrscht Lehrermangel im Land, und das ist nicht die einzige Baustelle im Bildungsbereich. Inklusion, Integration, Digitalisierung, die Gleichbehandlung verschiedener Schulformen, der Ausbau des Ganztagsunterrichts und die dritte Kraft in Kitas – auch hier stellen sich alte und neue Herausforderungen.

Die CDU sieht eine Chance, bei der Landtagswahl am 9. Oktober mit Lösungen und Konzepten zu punkten. Dafür warb Christian Fühner aus dem Emsland, kultuspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, am Mittwochabend. Die CDU sollte „Bildungspolitik als eines der wichtigsten politischen Themenfelder betrachten“, sagte er  in einer Online-Veranstaltung des CDU-Kreisverbandes Vechta.

Fühner, einst selbst Studienrat an einer Berufsschule,  forderte, dass Bildung ein „klarer Schwerpunkt“ im Programm der CDU zur Landtagswahl wird – und will sich selbst dafür einsetzen. Es gehe um konkrete Lösungen für Verbesserungen und um eine „Grundidee“ von guter Bildung.

CDU grenzt sich von Koalitionspartner SPD ab

Was am Ende im Programm steht, an dem die Parteimitglieder mit je sechs Ideen mitwirken sollen, ist zwar noch offen. Wofür der Bildungsexperte Fühner eintritt, erklärte er im Online-Talk mit der regionale Parteibasis. Dabei nahm er auch Anregungen mit, kritisierte mehrfach die SPD und das von ihr geführte Kultusministerium. Die Angriffe auf den Koalitionspartner zeigten: Die CDU setzt auf Abgrenzung, der Wahlkampf klingt schon an. Ein Überblick:

Pragmatischer Ansatz: Er wolle keine neue Diskussion über Schulstrukturen führen. Vielmehr gelte es, alle Schulformen im Blick zu haben und eine Verbesserung der Qualität von Bildung anzustreben. Die CDU stehe für den Austausch mit Praktikern und für pragmatische Lösungen bei „Problemlagen“, sagte Fühner.

Digitale Bildung: Hier gebe es Nachholbedarf, obwohl durch die Corona-Pandemie durchaus ein Entwicklungsschub stattgefunden habe. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur müsse ein Schwerpunkt sein. Fühner tritt dafür ein, das Geld des Bundes aus dem Digitalpakt den Schulen „pauschal jetzt schon zur Verfügung“ zu stellen – und nicht darauf zu warten, bis die Summen abgerufen werden.

Es gelte auch, sich dafür zu wappnen, falls wegen der Omikron-Variante des Coronavirus wieder digitaler Unterricht stattfinden müsse. Bestimmte digitale Formate des selbstständigen Lernens sollten zudem nach der Pandemie beibehalten werden.

Fühner warb für eine Digitalisierungsoffensive, die nicht nur mit dem Digitalpakt des Bundes und der Länder verbunden ist, sondern auch mit eigenen landespolitischen Anstrengungen. Da ein enormer Bedarf an Fortbildung bei Lehrern bestehe, soll sie kostenfrei sein.

Fordert kostenfreie Lehrerfortbildung: Christian Fühner (CDU) im Online-Talk mit der Parteibasis. Foto: TzimurtasFordert kostenfreie Lehrerfortbildung: Christian Fühner (CDU) im Online-Talk mit der Parteibasis. Foto: Tzimurtas

Inklusion: Bislang ist in Niedersachsen geplant, dass die Förderschulen Lernen auslaufen. Zum Sommer soll es hier zum letzten Mal Einschulungen geben. Fühner setzt sich für den Fortbestand ein. Man solle „Inklusion nicht so denken, dass alle immer gleich behandelt werden, sondern dass alle die bestmögliche Förderung und die bestmöglichen Chancen haben“, sagte er. Es müsse ein bestmögliches Angebot für Eltern und Kinder geben, damit es auch Wahlfreiheit gebe.

Kompetenzvermittlung: „Bestimmte Alltagskompetenzen werden in der Schule nicht mehr vermittelt, viele andere Sachen werden hineinverlagert“, stellte Fühner fest. Deshalb soll es eine „grundsätzliche Debatte“ geben, worauf in Schulen verzichtet werden kann und welche Möglichkeiten anzubieten sind, „um Kinder und Jugendliche bestmöglich aufs Leben vorzubereiten“.

Kompetenzbegriff soll wieder in den Mittelpunkt

Es dürfe nicht nur um Wissensvermittlung gehen. „Wir sollten stärker auf den Kompetenzbegriff setzen“, plädierte Fühner. Es müsse eine „deutliche Überprüfung der Kerncurricula“ geben. In der Grundschule sei stärker auf die Kernkompetenzen Lesen, Rechnen, Schreiben zu  achten.

Maßnahmen gegen den Lehrermangel: Im vergangenen Anstellungsjahrgang seien 2000 Lehrerstellen in Niedersachsen ausgeschrieben worden, nur 1600 konnten besetzt werden – davon seien 1400 Lehrer aus Niedersachsen. Fühner tritt deshalb dafür ein, an den Universitäten mehr Kapazitäten zur Lehrerbildung zu schaffen. Es gebe noch Hochschulen im Land, die für das Lehramtsstudium eine Zugangsbeschränkung durch einen Numerus Clausus haben. „Das verstehe ich überhaupt nicht“, sagte Fühner.

In dieser Angelegenheit sei das Zusammenspiel des Kultusministeriums (SPD-geführt) mit dem Wissenschaftsministeriums (CDU-geführt) „unterirdisch“, kritisierte Fühner. Vom Wissenschaftsministerium sei mehrfach angeboten worden, die Ausbildungskapazitäten an den Unis mit dem Bedarf an Lehrern im Land abzugleichen.

Fühner fordert gezielte Analyse von Angebot und Nachfrage

„Das müssen wir hinbekommen“, betonte Fühner. Das Kultusministerium werde den Lehrermangel nicht lösen, wenn nicht beim Lehramtsstudiengang angefangen werde. Es müsse eine gezielte Analyse von Angebot und Nachfrage geben – mit Blick auf die Schulformen und die Regionen. Auch die Bevölkerungsentwicklung sei zu beachten.

Kleinere Klassen: Um die Qualität des Unterrichts zu verbessern, soll es kleinere Klassen in den Schulen geben. Das steht zwar auf den ersten Blick im Widerspruch zu den fehlenden Lehrern. Doch Fühner sagte: Es sei besser, bei der Verkleinerung der Schülerzahl anzusetzen, auch wenn damit die Unterrichtsversorgung verringert werde. Soll  bestmöglicher Unterricht gewährleistet werden, „müssen wir über kleinere Klassen reden“. So sollen Freiräume für Qualität entstehen.

Es soll das Einstiegsgehalt A13 für alle Lehrer geben

Einstiegsgehalt für Lehrer: Fühner unterstützt die Forderung verschiedener Bildungsverbände, Lehrern aller Schulformen das Einstiegsgehalt A13 zu zahlen – was bisher nur bei Pädagogen an Gymnasien zutrifft. Die Studiendauer sei inzwischen gleich und es gehe um dieselbe Verantwortung für Schüler, argumentierte Fühner. Er zweifelt aber daran, dass mit der Anhebung des Einstiegsgehalts mehr Lehrer für Haupt- und Realschulen gewonnen werden könnten.

Haupt-, Real- und Oberschulen: Für diese Schulformen will Fühner ein Investitionsprogramm, wenn sie einen großen infrastrukturellen Bedarf haben. Mit Blick auf die Belastung durch die Inklusion kritisierte er, dass Gesamtschulen die Möglichkeit hätten, ab einer Quote von 6 Prozent an Schülern mit Förderbedarf weitere Inklusionsschüler abzulehnen. „Das finde ich nicht richtig“, sagte er. Die Inklusion sei über alle Schulformen hinweg auszubauen, „damit die Haupt- und die Realschule ihrem eigenen Bildungszweck gerecht werden können“.

Unterstützung für Schulen in freier Trägerschaft

Integration: Hier tritt Fühner für einen Ausbau der Sprachkurse ein. Er wandte sich gegen den Vorschlag von Ex-Innenminister und CDU-Vizefraktionschef Uwe Schünemann, die ausländischen Schüler mit Sprachproblemen separat zu unterrichten. Integration gelinge im Miteinander, sagte Fühner.

Freie Schulen: Hierzu meldete sich Uwe Kathmann, Vorstand der St.-Benedikt-Stiftung, zu Wort. Der katholische Schulträger verantwortet vier Gymnasien, vier Oberschulen und eine berufsbildende Schule im Oldenburger Land. Kathmann sagte: Es gebe für Schulen in freier Trägerschaft stets Nachteile durch Sonderregelungen in Förderprogrammen – gekürzte Gelder und Fristen.

Außerdem müsste es mehr Landesbeamtenstellen für die freien Schulen geben und mehr Finanzhilfe.

Der CDU-Schulexperte Fühner sagte: „Ich habe es auf dem Zettel“. Er kritisierte, „dass das Kultusministerium es nicht gewollt hat, das Thema anzupacken“. Nur einen Letter of Intent (Absichtserklärung) zu formulieren, sei eine „Bankrotterklärung“, dass es nicht gelungen sei, die Finanzhilfe für freie Schulen zu reformieren. Er rät deshalb von der Unterschrift unter den Letter of Intent ab. 

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