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Bürger "grillen" Politiker beim Speed-Dating in Löningen

Im Löninger Forum mussten sich die Landtagskandidaten vielen kritischen Fragen stellen. Auch wenn manchmal noch Sand im Getriebe war, hat sich das Experiment gelohnt.

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Wollen in den Landtag: KAB-Sprecherin Anke Wennemann stellte die Kandidaten (von rechts) Christoph Eilers (CDU), Jan Oskar Höffmann (SPD), Yilmaz Mutlu (FDP), Stephan Christ (Grüne) und Tom Dobrowolski (Linke) vor. Foto: G. Meyer

Wollen in den Landtag: KAB-Sprecherin Anke Wennemann stellte die Kandidaten (von rechts) Christoph Eilers (CDU), Jan Oskar Höffmann (SPD), Yilmaz Mutlu (FDP), Stephan Christ (Grüne) und Tom Dobrowolski (Linke) vor. Foto: G. Meyer

Hat die Gesundheitsversorgung in Löningen eine Zukunft? Was muss getan werden, damit niemand im Winter friert? Und wie lässt sich die Mobilität auf dem Land erhalten? Über diese und  andere Fragen haben Löninger Bürger am Montag mit den Landtagskandidaten im Forum Hasetal diskutiert. Ausschweifungen durften die Politiker sich nicht leisten. Beim Speed Dating galt es, schnell auf den Punkt zu kommen. 

Für die 8. Auflage ihres „Sozialpolitischen Forums“  hatte die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) dieses ungewöhnliche Format gewählt. Sprecherin Anke Wennemann hob in ihrer Begrüßung den Versuchscharakter hervor. Rund 60 politisch Interessierte wollten mitmachen. In Gruppen aufgeteilt, fühlten sie den 5 Mandatsbewerbern auf den Zahn. Jeweils nach einer Viertelstunde wurde gewechselt.

Das Fragespektrum erstreckte sich von lokalen Themen bis zur globalen Krisenbewältigung. Immer wieder hingen beide Enden auch miteinander zusammen. So brachten die Besucher ihre Sorge vor hohen Energierechnungen zum Ausdruck. Die konnten ihnen die Politiker letztlich nicht nehmen. "Wir haben in der Vergangenheit gelebt, als ob es ewig so weitergehen würde", befand Stephan Christ von den Grünen. Beim jüngst in Berlin geschnürten Entlastungspaket sei "nicht alles geglückt" räumte er ein. Statt mit der Gießkanne müsse dem Mittelstand gezielter geholfen werden. Dennoch habe die Regierung vieles auf den Weg gebracht, um Deutschland energieunabhängiger zu machen. "Außerdem müssen wir sparen, wo es geht", betonte Christ. 

Mutlu gibt der Ampel-Regierung als Schulnote eine 3 -

Sein Geld für die Ölrechnung muss Tom Dobrowolski derzeit gut zusammenhalten. Der Linken-Kreisvorsitzende aus Löningen möchte die Schere zwischen Armen und Reichen wieder schließen und forderte Steuergerechtigkeit sowie mehr sozialen Wohnungsbau. Mit dem Gesundheitssystem hat Dobrowolski selbst schlechte Erfahrungen gemacht. Sein Fazit: "Es ist eine Katastrophe." Der gelernte Industriekaufmann gab an, in die Politik gegangen zu sein, um die Welt zu verändern. Das sei er seinen Kindern schuldig. 

Kritik an der Ampelpolitik bekam auch Yilmaz Mutlu zu hören. Der FDP-Kandidat schrieb der Koalition nur eine "3 minus" ins Zeugnis.  Für den Unternehmer ist die noch immer unzureichende Digitalisierung die Ursache für viele Probleme auf dem Land. "In den Schulen sind wir da schlecht aufgestellt. Wenn in Huckelrieden kein Empfang ist, ist dort digitales Lernen auch nicht möglich."

Es wird gewechselt: Dorle Schnelle läutete das Ende der Gesprächsrunden ein. Foto: G. MeyerEs wird gewechselt: Dorle Schnelle läutete das Ende der Gesprächsrunden ein. Foto: G. Meyer

Der öffentliche Personennahverkehr ist aus Mutlus Sicht ebenfalls deutlich ausbaufähig. "Es darf nicht sein, dass Schüler morgens keinen Sitzplatz haben. Dann muss eben ein zweiter Bus eingesetzt werden". Der Cloppenburger sprach sich auch für die Reaktivierung von Bahnstrecken – etwa der zwischen Essen und Meppen – aus. Den geplanten Ausbau der E 233 verteidigte er. "Sie ist unsere wirtschaftliche Nabelschnur, die die Region mit Europa verbindet." 

Deutlich zurückhaltender äußerte sich Jan Oskar Höffmann zum gleichen Thema. Für ihn sei der Ausbau "nicht zwingend erforderlich", sagte der SPD-Politiker. Weitere Bahnstrecken und mehr ÖPNV befürwortet er dagegen. "Mein Praktikant benötigt täglich fast 2 Stunden, um mit dem Bus nach Cloppenburg zu kommen". Als "kranke Planwirtschaft" bezeichnete der 33-Jährige die Verteilung der Facharztstellen durch die Kassenärztliche Vereinigung. Sie hatte kürzlich einem Kardiologen die Ansiedlung in Löningen verweigert. Für ihn sei das "systemisches Versagen", erklärte Höffmann.

Eilers: Gesetze behindern Windkraftausbau

Das Thema Stromleitungen brennt vielen Löningern spätestens seit der Bekanntgabe der neuen Trassenvorhaben unter den Nägeln.  Gleichstrom-Erdkabel sollen in einigen Jahren Windstrom aus dem Norden quer durch den Landkreis in Richtung Ruhrgebiet leiten. Auch Löningen wäre betroffen. Es sei klar gewesen, dass mehr Leitungen geplant würden, betonte Christoph Eilers. Der CDU-Mann, der sein Mandat am 9. Oktober verteidigen möchte, wehrte sich gegen Vorwürfe, seine Partei habe den Ausbau regenerativer Energien behindert. "Oft waren es die bestehenden Gesetze", sagte Eilers und nannte als Beispiel einen vor Jahren in seiner Heimatgemeinde Cappeln gebauten Windpark. Dass dort nur 3 statt, wie ursprünglich geplant, 13 Anlagen Strom produzieren, habe nicht mit mangelndem Willen, sondern mit dem Naturschutz zu tun gehabt.

In der Bildungs- und Jugendpolitik wollen alle Kandidaten erwartungsgemäß mehr tun. Während Christoph Eilers den Ausstieg des Bundes aus der Sprachförderung kritisierte, sprach sich Jan Oskar Höffmann für mehr Freiheiten der Schulen bei der Umsetzung der Inklusion aus, ohne diese selbst in Frage zu stellen. Stephan Christ möchte generell die Rahmenbedingungen in den Schulen verbessern und mehr sozialpädagogische Mitarbeiter einstellen. Die dringend benötigten neuen Lehrer könne aber niemand einfach aus dem Hut ziehen.

Nach gut eineinhalb Stunden beendete Anke Wennemann das Speed Dating. Obwohl viele Themen aus Zeitmangel nur angerissen wurden und an manchen Stellen ein wenig mehr Moderation nötig gewesen wäre, zeigte sich die KAB-Sprecherin mit dem Ablauf zufrieden. Auch die Kandidaten spendeten den Organisatoren und den Teilnehmern Applaus. 

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