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André Hüttemeyer ist neuer Chef der CDU im Kreis Vechta

Der 30-Jährige bekam 91,5 Prozent der Delegierten-Stimmen. Er forderte ein Update der CDU-Politik im Kreis, Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund und klare Positionen in der Klimapolitik.

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André Hüttemeyer aus Erlte (Gemeinde Visbek) ist mit 91,5 Prozent der Stimmen zum neuen CDU-Chef gewählt worden. Foto: M. Niehues

André Hüttemeyer aus Erlte (Gemeinde Visbek) ist mit 91,5 Prozent der Stimmen zum neuen CDU-Chef gewählt worden. Foto: M. Niehues

Der Vechtaer CDU-Kreisverband hat einen neuen Vorsitzenden. Am Dienstagabend wählten die Christdemokraten André Hüttemeyer aus Erlte (Gemeinde Visbek) mit 91,5 Prozent der Stimmen zum neuen CDU-Chef. 

Der 30-jährige Wirtschaftsingenieur und Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) kandidierte als einziges Parteimitglied um die Nachfolge von Dirk Lübbe, der seit Ende 2018 den Vorsitz inne hatte. Der Langförderer hatte zuvor bekannt gegeben, sein Amt in jüngere Hände abgeben zu wollen.

Hüttemeyer forderte bei seiner Vorstellung vor der Wahl den CDU-Kreisverband dazu auf, einen neuen Kurs einzuschlagen. Er verwies dabei auf das „schmerzliche“ Ergebnis der CDU bei der Europawahl im Mai 2019. Damals rutschte die Partei im Kreis Vechta erstmals auf unter 50 Prozent.

Votierten mehrheitlich für den Erlter Wirtschaftsingenieur: Die CDU-Mitglieder des Kreisverbandes Vechta. Foto: M. NiehuesVotierten mehrheitlich für den Erlter Wirtschaftsingenieur: Die CDU-Mitglieder des Kreisverbandes Vechta. Foto: M. Niehues

„Die absolute Mehrheit im Landkreis ist nicht mehr selbstverständlich“ sagte Hüttemeyer. Um an alte Erfolge anknüpfen zu können, sei keine Revolution nötig, aber „definitiv ein Update“. Die CDU müsse alle Wählerschichten ansprechen, auch auf allen Kanälen der heutigen Zeit. Es sei wichtig, für fast alle Wähler im Landkreis Vechta wählbar zu sein und digitaler zu werden.

Zugleich machte er deutlich, dass sich diese Wählbarkeit in der Mitgliederschaft widerspiegeln müsse. Die CDU im Kreis Vechta sei im Durchschnitt zu alt, zu männlich und zu deutsch. Auch für Menschen mit Migrationshintergrund gelte es Angebote zu schaffen, inhaltlich und personell, ohne dabei die Kernwählerschaft zu vernachlässigen. Der 30-Jährige warb für Projektgruppen, in denen spezifische Themen bearbeitet werden sollen, um Lösungen herauszuarbeiten.

Auch die Klima- und Umweltpolitik sei ein Thema, das immer präsenter werde. Hier erwarteten die Wähler ein klimapolitisches Konzept der CDU im Kreis. Dies dürfe nicht den Grünen und anderen Parteien überlassen werden. Anreize und Innovationen statt Verbote seien hier die Antworten.

Zeigte sich sichtlich erfreut über sein neues Amt: Der 30-jährige Erlter André Hüttemeyer. Foto: M. NiehuesZeigte sich sichtlich erfreut über sein neues Amt: Der 30-jährige Erlter André Hüttemeyer. Foto: M. Niehues

Der Kreisparteitag der CDU wurde im großen Saal des Waldhofs in Vechta abgehalten, um wegen der Corona-Pandemie den nötigen Sicherheitsabstand zwischen den Delegierten gewährleisten zu können.

Die Linderner CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Silvia Breher gab während der Wahlvorgänge einen kurzen Einblick in das aktuelle Berliner Politikgeschehen. Sie gratulierte Hüttemeyer schließlich zu seinem neuen Amt und warb angesichts der jüngsten Ereignisse vor dem Reichstag darum, sich mehr für Demokratie zu engagieren. Es dürfe keine schweigende Mehrheit geben. In der Politik streite man um Positionen und um die Sache. Dies dürfe aber nie persönlich werden. Die politische Arbeit gelinge in der CDU mit guter Teamarbeit. "Das Team fängt bei den Mitgliedern an", sagte sie und zeigte sich zugleich sehr angetan von den Kandidaten für den neuen Vorstand der Kreis-CDU.

Die für den geschäftsführenden Vorstand traten ohne Gegenkandidaten an. Zu neuen stellvertretenden Kreisvorsitzenden wurden gewählt: Jochen Steinkamp aus Lohne, Simone Göhner aus Vechta, Georg Reinke aus Langförden und Claudia Westendorf aus Damme. Neuer Schatzmeister ist Oliver Kühne aus Damme. 13 Beisitzer wurden in den neuen Vorstand gewählt: Petra Ahlers (Vechta), Nicole Bramlage (Dinklage), Heinz Bröer (Holdorf), Tim Dorniak (Dinklage), Dr. Gabriele Grieshop (Bakum), Joseph kl. Holthaus (Steinfeld), Thomas Hoping (Bakum), Fabio Meyer (Lohne), Matthias Möller (Vechta), Natalie Schwarz (Damme), Alexandra Seidel (Goldenstedt), Stefan Wehinghaus (Neuenkirchen) und Katharina Willenbrink (Steinfeld).

Gruppenfoto im Waldhof: Der neue Vorstand des CDU-Kreisverbandes Vechta. Foto: R. GerdesCDUGruppenfoto im Waldhof: Der neue Vorstand des CDU-Kreisverbandes Vechta. Foto: R. Gerdes/CDU

Zuvor hatte Heinrich Wolking aus Calveslage nach 22-jähriger Amtszeit angekündigt, nicht erneut als Schatzmeister zur Verfügung zu stehen. Er präsentierte in seinem Abschlussbericht einen ausgeglichenen Haushalt. Eine solide Finanzbasis sei ihm persönlich immer sehr wichtig gewesen, betonte er und dankte allen Spendern und Untestützern. Aktuell habe die CDU im Landkreis 2901 Mitglieder. "Wir wollen jetzt 3000 haben", sagte er. Vor 20 Jahren sei das Ziel 4000 Mitglieder gewesen, gab er zu bedenken. Dem neuen Vorsitzenden wünschte Wolking "viel Erfolg und eine glückliche Hand". Er selbst erhielt lang anhaltenden Applaus.

Kreisgeschäftsführer Walter Goda, der zwischen den Rednern immer wieder das Pult und das Mikro desinfizierte, präsentierte den Delegierten einen 40-seitigen Tätigkeitsbericht und verdeutlichte anhand von Grafiken die sinkenden Mitgliederzahlen. Land und Bund würden im Vergleich zwar noch schlechter darstehen, sagte er. Dies sei aber nur ein "schwacher Trost". "Die Geschlossenheit der Partei ist wichtig", betonte er. "Streit wollen die Mitglieder nicht."

Dort wo die CDU im Landkreis bei den Bürgermeisterwahlen geschlossen aufgetreten sei, habe sie einen Wahlerfolg erzielt, betonte Goda. Bei der Wahl in Goldenstedt und Vechta sei die Partei aber gespalten gewesen und habe es nicht geschafft. Neue Kandidaten müssten frühzeitig gewonnen und in die Parteiarbeit eingeführt werden, sagte er. "Nur mit den besten Kandidaten lassen sich Wahlen gewinnen."

Wie es war, in schwierigen Zeiten, die Kreis-CDU zu führen, machte Dirk Lübbe gleich zu Beginn deutlich. Er sei der einzige gewesen, der vor knapp zwei Jahren bereit gewesen sei, "das Schiff zu steuern". Ziel sei es gewesen, "Ruhe in die Partei zu bekommen". Sein Team habe an "Steuerbord und Backbord" immer Ausschau gehalten und ihm "Vorschläge für einen besseren Kurs gemacht". "Nur mit Kritik kann man besser werden", betonte er. Auf diese Weise sei es gelungen, in Arbeitskreisen in vorher nicht da gewesener Dynamik zu arbeiten. Auf einer Leinwand präsentierte Lübbe eine umfangreiche Bilderschau seiner Tätigkeit und wünschte André Hüttemeyer viel Erfolg in seinem neuen Amt.

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