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Zwischen Burgen und Gutshäusern unterwegs

Die Fahrradtour „Adelssitze erleben“ bietet abseits des üblichen Verkehrs schöne Strecken durch Wald und Natur.

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Der zarte Haushund passt auf: Edith von Fricken, Hausherrin auf Gut Bomhof in Langförden, begleitet OV-Redakteur Matthias Niehues und dessen Tochter Helena spontan mit ihrem E-Bike auf einem Teilstück der Adelsroute. Foto: v. Fricken

Der zarte Haushund passt auf: Edith von Fricken, Hausherrin auf Gut Bomhof in Langförden, begleitet OV-Redakteur Matthias Niehues und dessen Tochter Helena spontan mit ihrem E-Bike auf einem Teilstück der Adelsroute. Foto: v. Fricken

Wenn der Sommer so wärmt, dass man es auf der eigenen Terrasse kaum noch aushalten kann, empfiehlt sich eine Radtour. Der Fahrtwind beim Radeln vermittelt nämlich auch an heißen Tagen etwas Frische. Sonnenmilch auf der Haut verteilen und los geht's.

„Adelssitze erleben“ heißt eine der 16 Touren im Landkreis Vechta, die der Verbund Oldenburger Münsterland auf seiner Webseite anbietet. Die 72 Kilometer lange Route führt entlang der Gutshäuser und Burgen, die in Vechta, Langförden, Bakum, Dinklage und Lohne vorzufinden sind.

Ursprünglich war es mein Wunsch, von Udo Freiherr von Frydag auf dem Rad begleitet zu werden. Radfahren, soviel weiß ich jetzt nach einem Telefonat, ist nicht sein Ding. Und er fürchtet, dass sich Radler auf das Grundstück des Familiensitzes Gut Daren verirren könnten. Obwohl die Strecke nur auf öffentlicher Straße daran vorbeiführt, wurde die Tour nach seinem Beschwerdeanruf auf der Webseite des Verbundes offline gestellt.

Trotzdem bin ich gestern gestartet, als Ersatz in Begleitung meiner zehnjährigen Tochter Helena. Weil sie handybegeistert ist, navigieren wir mit dem iPhone. Die GPS-Daten haben wir im Vorfeld von der Webseite runtergeladen (als die Tour noch online war). Und mit der App „Komoot“ wird das Navigieren mit dem Smartphone zum Kinderspiel. Das Fahrrad ist mit einem USB-Anschluss ausgestattet. Der Nabendynamo liefert dafür den Strom und schont so den Akku des Handys.

Bei der Navi-App haben wir eingegeben, dass wir die Rundtour in entgegengesetzter Richtung fahren wollen und starteten in Vechta vor Gut Füchtel. Zuverlässig zeigt das Display den Weg an. Es funktioniert genauso, wie man es vom Autofahren kennt. Fahrtrichtungsänderungen werden rechtzeitig angesagt. Sollte man dennoch falsch abgebogen sein, fordert die App zum Umkehren auf.

Die Schilder des neuen Radwegeleitsystems sind so für Tourenfahrer mit Navi-App nur noch reine Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein.

Die Tour der Adelssitze überzeugt vor allem mit schönen Wegen abseits des normalen Verkehrs. Durch Holzhausen geht es vorbei in Richtung Westerlutten. Helena möchte jedes Mal eine Pause einlegen, wenn sie etwas Spannendes sieht. Mal ist es eine fliegende Drohne auf dem Modellflugplatz, mal muss sie genau betrachten, wie der Mais wächst, von dem es flächenmäßig viel zu bestaunen gibt. Durchs Herrenholz geht es über Astrup nach Hagstedt. Überall duftet es nach Erdbeeren. Meiner Tochter kann ich es nicht verübeln, dass sie ein paar davon probieren möchte.

Fahrradnavigation mit dem iPhone und der App Komoot“. Foto: NiehuesFahrradnavigation mit dem iPhone und der App „Komoot“. Foto: Niehues

In Langförden sind in Höhe des Sportplatzes ein paar Meter des Weges als GPS-Punkte falsch programmiert. Den Fehler haben wir sofort erkannt und sind gar nicht erst falsch abgebogen.

Eigentlich führt die Tour an Gut Bomhof so vorbei, dass ein Radler den ehemaligen Rittersitz gar nicht zu Gesicht bekommt. Der Eigentümerfamilie von Fricken ist das ganz recht, weil sie keine ungebetenen Gäste auf dem Hof haben wollen – verständlich. Wir haben uns angemeldet und sind dankbar, von Edith von Fricken auf ein Erfrischungsgetränk und Kuchen eingeladen worden zu sein. Sie ist selbst begeisterte Radfahrerin und war im Urlaub mit ihrem E-Bike gerade erst auf Sylt unterwegs. „Ich bin dort mit meinem Mann jeden Tag 40 Kilometer gefahren“, sagt sie begeistert. Die leichte elektrische Hilfe motiviere. Radfahren mache mit dieser Unterstützung regelrecht süchtig, ist ihre Erfahrung. In der Heimat nutzt sie zum Radeln vor allem die Verbindung zwischen Langförden und Vechta. Spontan steigt sie auf das E-Bike und begleitet uns eine Weile.

Die angenehme Streckenführung über Spreda und Deindrup führt über reizvolle Wege nach Bakum und dann entlang der Straße nach Schledehausen. Auf der Vechtaer Straße in Daren kann man beim Vorbeiradeln zumindest einen kurzen Blick auf das schöne Gut Daren erhaschen. Über Märschendorf schlängelt sich die Strecke vorbei an Seen und entlang der Autobahn nach Burg Dinklage. Das Klostercafé hier ist ideal für eine Stärkung, bevor es dann weiter über Brockdorf und Zerhusen in Lohne an der Burg Hopen vorbeigeht. Über den Pickerweg führt die Tour nach Vechta durch die angenehm kühlenden Wälder von Welpe und Füchtel. Beim Gut Welpe haben wir zum Abschluss der Adelstour auf eine letzte Pause nicht verzichtet. Hier kann man draußen sitzen und freut sich über Sitzkissen. Und Helena hat sich ein großes Eis verdient.

Fakten

  • Die Tour „Adelssitze erleben“ ist 72,1 Kilometer lang und streift das Gut Füchtel in Vechta, Gut Bomhof in Langförden, das Gut Daren, die Burg Dinklage und Gut Hopen in Lohne.
  • Der größte Teil der Strecke hat einen festen Straßenbelag, nur rund 15 Kilometer verlaufen über losen Untergrund.
  • Den Radfahrer erwartet größtenteils eine abwechslungsreiche Strecke durch Natur und Wälder ohne große Höhenunterschiede.
  • Das Radwegeleitsystem ist gut ausgeschildert. Aber auch die GPS-Führung funktioniert sehr gut.

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