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Zukunftsmacherin: So versüßt Hannelore De Schutter Van Hees unseren Alltag

Vor 10 Jahren hat die Belgierin den Schoko-Laden in Visbek eröffnet. Mit Schoko-Nikoläusen fing es an – heute ist es ein erfolgreicher Familienbetrieb.

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Ist gerne für ihre Kundinnen und Kunden da: Vor 10 Jahren hat sich Hannelore De Schutte Van Hees mit ihrem Schoko-Laden in Visbek selbstständig gemacht. Foto: C. Meyer

Ist gerne für ihre Kundinnen und Kunden da: Vor 10 Jahren hat sich Hannelore De Schutte Van Hees mit ihrem Schoko-Laden in Visbek selbstständig gemacht. Foto: C. Meyer

Als Hannelore De Schutter Van Hees sich 2012 mit ihrem Schoko-Laden in Visbek selbstständig machte, "da war ich 50", sagt sie. Dafür habe sie ihre unbefristete Arbeitsstelle bei den Maltesern in Wildeshausen aufgegeben. "Alle haben mich für verrückt erklärt", sagt die heute 61-Jährige. 10 Jahre später hat der Schoko-Laden – mittlerweile an der Rechterfelder Straße – 9 Mitarbeitende. Dabei fing eigentlich alles mit einem weihnachtlichen Hinweis an.

Aber von vorne. Hannelore De Schutte Van Hees und ihr Mann Ludo De Schutter leben seit 1985 in Visbek. Ursprünglich kommt das Paar aus Belgien. Berufsbedingt zog es Ludo De Schutter in den Kreis Vechta, 1988 machte er sich in der Pilzzuchtberatung selbstständig. Seine Frau übernahm die Buchhaltung. Nach und nach vergrößerte sich die Familie: 4 Töchter – Caroline (38), Cathleen (36), Charlotte (34) und Claudia (32) – zogen Hannelore De Schutte Van Hees und Ludo De Schutter groß.

Die Kinder sind groß – zurück in die Erwerbstätigkeit

Die Arbeit im Büro ihres Mannes und die Kindererziehung – irgendwann sei sie für die Kinder zurückgetreten, sagt Hannelore De Schutter Van Hees. Es laste ein großer Druck auf Frauen, sagt sie. Es sei schwierig, eine Balance zwischen Beruf und Familie zu finden. Das sei heute auch nicht einfacher als früher, findet sie. Schon ihr Vater habe immer gesagt, dass Mütter ein Gehalt für ihre Tätigkeit erhalten sollten. Wobei: "Ein Mann könnte mit Geld gar nicht bezahlen, was die Frau alles zu Hause macht", sagt Hannelore De Schutter Van Hees.

Die Bruchschokolade wird in der eigenen Manufaktur hergestellt. Foto: C. MeyerDie Bruchschokolade wird in der eigenen Manufaktur hergestellt. Foto: C. Meyer

Doch als die Kinder größer waren, habe sie die Lust verspürt, was anderes zu machen, unter Leute zu kommen. Vor rund 15 Jahren habe De Schutter Van Hees deshalb zunächst in der Verwaltung der St.-Hedwig-Stiftung gearbeitet, dann beim Malteser Hilfsdienst in Wildeshausen. "Das hat mega Spaß gemacht", sagt sie.

Parallel habe sich das mit dem Schoko-Laden "zufällig ergeben", sagt De Schutter Van Hees. Zu Nikolaus seien Schoko-Weihnachtsmänner an die Kinder in der Gemeinde verteilt worden. Sie habe darauf hingewiesen, dass es in Belgien Schoko-Nikoläuse gibt und diese dann auch in Visbek verteilen lassen. Da die gebürtige Belgiern sich karitativ engagiert, seien diese Schoko-Nikoläuse auch für den guten Zweck verkauft worden.

Ein Stück Heimat in Visbek

Das war so erfolgreich, dass sie innerhalb von 2 Jahren um die 7000 Schoko-Nikoläuse an die Visbekerinnen und Visbeker brachte, erzählt Hannelore De Schutter Van Hees. Gleichzeitig stieg das generelle Interesse an Schokolade aus Belgien. Die Nachfrage war so groß, dass es ihre Freizeit-Kapazitäten irgendwann überstieg. Eine gute Freundin schlug ihr deshalb vor: "Mach einen Schoko-Laden auf." Und das tat Hannelore De Schutter Van Hees. Bei sich zu Hause im Uhlenkamp.

Ein Blick in den Schoko-Laden. Foto: C. MeyerEin Blick in den Schoko-Laden. Foto: C. Meyer

Alles sei ganz klein angefangen, erzählt sie und gibt zu, dass sie den Vorteil gehabt habe, nicht davon leben zu müssen. Auch sei das nur möglich gewesen, weil ihre Kinder schon erwachsen waren. Aber De Schutter Van Hees habe dadurch die Möglichkeit erhalten, den Menschen vor Ort "ein Stück Genuss" – das sei den Belgierinnen und Belgiern wichtig – zu vermitteln. "Man hat sich ein Stück Heimat hergeholt". Es sei schön, das mit den Menschen hier zu teilen.

Jüngste Tochter wird Konditorin

Ganz wichtig: Von Anfang an habe sie die volle Unterstützung von ihrer Familie erhalten. Sie lacht: "Belgier werden mit Schokolade im Blut geboren", so die Erklärung von Hannelore De Schutter Van Hees. Ihre Tochter Charlotte habe beispielsweise die Flyer entworfen. Heute arbeitet sie fest angestellt im Schoko-Laden mit, kümmert sich unter anderem um den Online-Shop, den es seit Ende 2020 gibt.

Die erste Festangestellte war aber Tochter Claudia, erzählt Hannelore De Schutter Van Hees. Sie habe immer Konditorin werden wollen, doch während eines Praktikums habe ihr der Chef davon abgeraten. Mit der Begründung, dass aus Frauen in der Branche sowieso nichts werde. Claudia machte die Ausbildung trotzdem, entdeckte dabei ihre Liebe für Schokolade und verbrachte nach ihrer Meisterprüfung knapp ein Jahr in Belgien, um ihr handwerkliches Können in der Schokoladenherstellung zu verfeinern.

Töchter sollen Freude am Beruf haben

2018 wurde daraufhin der Schoko-Laden um die Manufaktur erweitert und die selbst kreierten Leckereien von Tochter Claudia ins Sortiment aufgenommen. Dafür wurde im Elternhaus die ehemalige Küche umgebaut. Dort ist die Manufaktur bis heute. Es habe da durchaus kritische Stimmen von außen gegeben, berichtet Hannelore De Schutter Van Hees. Sie war zu dem Zeitpunkt 57 Jahre alt, ihr Mann 63. Lohnt sich das finanzielle Risiko in dem Alter noch? "Vielleicht sind wir ein bisschen bekloppt, aber es macht Spaß", sagt Hannelore De Schutter Van Hees und lacht. Womöglich ist diese Einstellung Teil des Erfolgsrezepts.

Ein echter Familienbetrieb: Unter anderem arbeitet Tochter Cathleen im Schoko-Laden. Foto: C. MeyerEin echter Familienbetrieb: Unter anderem arbeitet Tochter Cathleen im Schoko-Laden. Foto: C. Meyer

Neben den Töchtern Claudia und Charlotte arbeitet auch Tochter Cathleen im Schoko-Laden und kümmert sich um die Büroarbeit. Mutter Hannelore, darin seien sich alle einig, müsse im Laden, der im vergangenen Jahr vom Uhlenkamp an die Rechterfelder Straße wechselte, Kundenkontakt haben. Denn obwohl sie so lange in der Buchführung gearbeitet habe – wirklich gemocht habe sie das nie, sagt De Schutter Van Hees. Danach gefragt habe aber nie jemand. Deshalb sei es ihr sehr wichtig, ihre Töchter darin zu unterstützen, das zu tun, was sie wirklich möchten. Ihre eigene Vita und die ihrer Großmutter wünsche sie ihren Kindern nicht, sagt De Schutter Van Hees. Ihre Mutter habe beispielsweise zugunsten ihrer Brüder beruflich zurückstecken müssen – und das habe sie lange verfolgt.

Egal für welchen Beruf man sich entscheide – es müsse auch keine große Karriere folgen –, der Erfolg stellt sich nur ein, wenn man Freude an seiner Tätigkeit empfindet, sagt Hannelore De Schutter Van Hees. So möchte sie, dass ihre Töchter einen Beruf haben, der sie glücklich macht. Und den haben drei von ihnen – die älteste Tochter Caroline ist Ärztin – im Schoko-Laden ihrer Mutter gefunden. "Die ganze Familie brennt für den Laden", sagt Hannelore De Schutter Van Hees und sie ist sich sicher: "Ohne meine Töchter hätte es den Laden so nie gegeben."

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