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Zahlreiche Cloppenburger und Vechtaer demonstrieren gegen den Ukraine-Krieg

Auf dem Europaplatz in Vechta und vor der Roten Schule in Cloppenburg fanden Kundgebungen gegen den Ukraine-Krieg statt. In Vechta beteiligten sich etwa 400 Menschen, in Cloppenburg waren es über 500.

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Blau und Gold: Viele Demonstranten hatten die ukrainische Flagge auf ihre Schilder gemalt und forderten Frieden. Foto: Niemeyer

Blau und Gold: Viele Demonstranten hatten die ukrainische Flagge auf ihre Schilder gemalt und forderten Frieden. Foto: Niemeyer

Überall schimmern die blauen und goldenen Farbtupfer in der Menge. Die Menschen halten Pappschilder und Luftballons mit den ukrainischen Nationalfarben in ihren Händen, sie schwenken die Fahnen des Landes. Die Nationalfarben stehen für den Himmel und die Kornfelder, die die Ukraine im Sommer prägen. An diesem Abend stehen sie auch für die Solidarität der Demonstranten mit den Ukrainern, die sich vor Putins Armee fürchten, die vor ihr fliehen oder gegen sie kämpfen. 400 dieser Demonstranten haben sich am Samstagabend auf dem Europlatz in Vechta versammelt, um gegen Putins Krieg zu demonstrieren.

Einer von ihnen ist Igor Horbach, die blaugoldene Flagge liegt auf seinen Schultern. "Ich möchte mein Volk unterstützen", sagt der gebürtige Ukrainer. Wegen des Krieges fühle er sich schlecht, er habe schlaflose Nächte. Einige Freunde kämpften an der Front, seine Eltern lebten noch in der Ukraine. Der 56-Jährige habe Mutter und Vater gebeten zu flüchten, aber sie hätten sich geweigert. Sie seien schon über 80. "Ich habe Angst um sie", sagt er.

"Slava Ukraini!", "Es lebe die Ukraine!"

Die Kundgebung auf dem Europaplatz war von den Kreisverbänden von CDU, SPD, Grüne und FDP organisiert worden. Auch die Partnerschaft für Demokratie, die Unbabhängigen Wählergemeinschaften sowie Vertreter von AfD und Linke beteiligten sich. Jeder, der da sei, unterstütze die aktuelle Politik der Bundesregierung und die klare Haltung der EU im Rahmen des Ukraine-Kriegs, sagte Organisator Jochen Steinkamp (CDU) vor der Demonstration auf Nachfrage. Die Organisatoren wollten ein klares Signal gegen den Krieg senden. Die Lage sei dramatisch. Zum ersten Mal seit 1945 herrsche wieder ein großer Krieg in Europa. 

Und mitten drin sind Verwandte und Freunde von Marena Seebold. Sie habe Kontakt zu ihnen, sagt die zurückhaltende Frau auf Ukrainisch. Ihr Mann Alexander übersetzt. "Wir sind heute hier, um unseren Landsleuten beizustehen", sagt Seebold. Die Situation für ihre Bekannten sei sehr schlecht, einige lebten in der umkämpften Hauptstadt Kiew. "Slava Ukraini!", erhebt sie ihre Stimme. "Es lebe die Ukraine!"

"Das ist Putins Krieg"

Mehrere Orts- und Kreispolitiker halten Reden, um ihre Solidarität mit der Ukraine auszudrücken, darunter auch Jonas Heyng von der Grünen Jugend und die Kreisvorsitzende der FDP, Anja Muhle. "Wenn demokratische Völker angegriffen werden, müssen wir zusammenstehen", sagt Muhle. Es sei nun wichtig, Spenden zu sammeln, Flüchtlinge aufzunehmen - und gegen den Krieg auf die Straße zu gehen. Muhle fügt außerdem hinzu: "Das ist kein Krieg der russischen Bevölkerung, das ist Putins Krieg."

Der russische Präsident versuche, sein Lebenstrauma, den Zerfall der Sowjetunion, durch den Krieg zu überwinden, sagt Jonas Heyng. Putin sei keine Lüge zu schamlos, viele Zivilisten seien bereits durch seine Angriffe getötet worden. Deshalb sei es gut und richtig, "dass wir Russland hart sanktionieren", sagt Heyng.

Foto: Niemeyer
Foto: Niemeyer
Foto: Niemeyer
Foto: Niemeyer
Foto: Niemeyer
Foto: Niemeyer
Foto: Niemeyer
Foto: Niemeyer

Nicht nur in der Stadt, auch im übrigen Kreis Vechta fanden sich am Wochenende Menschen zusammen, um sich mit Gebeten, bei Konzerten und Mahnwachen für den Frieden in der Ukraine einzusetzen.

Der Krieg ist nur zwei Flugstunden entfernt

1918 Kilometer sind es von Cloppenburg bis nach Mallorca. Nur 1763 sind es bis Kiew. Diese Zahlen nannte Cloppenburgs Pfarrer Bernd Strickmann auf der Solidaritätskundgebung in Cloppenburg und machte damit vor über 500 Menschen deutlich, wie nah der Krieg für die Menschen in Deutschland ist. Das Urlaubsziel, gerade einmal zwei Flugstunden entfernt, ist weiter weg, als der Ort kriegerischer Auseinandersetzungen.

Mobilisiert: Mehrere hundert Menschen waren zum Platz vor der Roten Schule in Cloppenburg gekommen. Foto: VorwerkMobilisiert: Mehrere hundert Menschen waren zum Platz vor der Roten Schule in Cloppenburg gekommen. Foto: Vorwerk

Die Kreisverbände von CDU, SPD, FDP und Grüne hatten zu diesem Treffen aufgerufen und ganz bewusst wurde von den Spitzen der Parteien auf einzelne Statements verzichtet. Stattdessen war Pfarrer Strickmann ans Mikrofon getreten und lobte die Zusammenkunft als ein großes Zeichen. „Ein vielfaches an Menschen, die hier stehen, haben aber bereits ihr Leben gelassen“, mutmaßte der Geistliche. „Es ist ein Bruch internationalen Rechts, da dürfen wir nicht schweigen und müssen aufstehen“, sagte Strickmann unter dem Applaus der Demonstranten.

"Man wird auf Menschen treffen, die anderer Meinung sind."Pfarrer Bernd Strickmann

Er erinnerte sich an 1990 und die friedliche Wiedervereinigung. „Ich war überzeugt: das ist ein Prozess, der sich fortsetzt.“ Spätestens jetzt merke man, was für ein zerbrechliches Gut der Friede ist. In den nächsten Tagen werde man auf Menschen treffen, die anderer Meinung sind und mit denen man diskutieren werde. Ihnen müsse man klar entgegnen: „Das, was jetzt passiert, ist ein Bruch der UN-Charta.“

Zudem sei zu erwarten, dass sich immer mehr Menschen auf den Weg machen, um vor den Kriegshandlungen zu fliehen. „Wir müssen die Länder entlasten, die ganz nah dran sind.“ Mit einer Minute der Stille der Menschen zu gedenken, die jetzt die Sirenen schrillen hören, endete die 30-minütige Solidaritätsbekundung auf dem Platz vor der Roten Schule.

Mit Kleidung, Fahnen und Transparenten zeigten sich die Menschen in Cloppenburg solidarisch. Foto: VorwerkMit Kleidung, Fahnen und Transparenten zeigten sich die Menschen in Cloppenburg solidarisch. Foto: Vorwerk

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